Montag, 5. Dezember 2022
29.09.2022 08:54
Deutschland

Er warnt vor «schlimmsten Bio-Einbruch» seit 35 Jahren

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Von: AgE/blu

Der deutsche Biolebensmittelmarkt scheint aktuell besonders unter Druck. Alnatura-Geschäftsführer Götz Rehn warnte Anfang vergangener Woche gegenüber der «Süddeutschen Zeitung» (SZ) vor dem «schlimmsten Einbruch» im Biomarkt seit 35 Jahren. 

Als Gründe dafür nannte der 72-Jährige neben der Inflation die Kaufzurückhaltung der Konsumenten im Biofachhandel und deren Wechsel in den Discounter sowie die hohen Energiepreise. Zugleich verwies Rehn auf den «unglaublichen Bio-Boom» 2021, der manche dazu verleitet habe, Projekte anzugehen, die sie heute in Schwierigkeiten bringe.

«Gigantisches Drama bei Bauern»

Für «vollständig illusorisch» hält der Alnatura-Geschäftsführer derzeit das Ziel der deutschen Bundesregierung, 30 Prozent Biolandbau bis 2030 zu erreichen. Dazu müssten bundesweit jährlich 450’000 ha umgestellt werden. 2021 seien es lediglich 80’000 ha gewesen. Zudem wies Rehn darauf hin, dass viele Biolandwirte noch die Ernte 2021 auf Lager hätten, und diese nicht vermarktet bekämen. «Das Drama, das sich da anbahnt, ist gigantisch», so der Alnatura-Chef.

Er forderte eine Mehrwertsteuersenkung auf Biolebensmittel und einen verpflichtenden Anteil von Bio in öffentlichen Einrichtungen. Scharfe Kritik übte Rehn ausserdem an den Preisen für Biolebensmitteln in Discountern und Supermärkten. Durch die Inflation und die Unsicherheit wollten die Konsumenten sparen und griffen wieder vermehrt zu Waren aus Supermarkt und Discounter, erklärt der 72-Jährige. 

«Preise lügen»

Der Alnatura-Gründer fürchtet um seine Branche, wenn Kunden weiterhin einen Bogen um Bio-Märkte machten. Er kritisiert Rewe, Aldi und Lidl. Hier stünden «industriell produzierte Massenware» und Lebensmittel, die mit Milliarden Euro aus Steuergeldern subventioniert würden, im Sortiment. Das verzerre den Wettbewerb. Es gebe so «gar keine echten Preise. Diese Preise lügen», sagte er zur «Süddeutschen Zeitung». Rehn vertritt die Auffassung, dass die Preise für konventionelle Ware nicht der Wahrheit entsprechen, da die gesellschaftlichen Folgekosten der Produktion nicht enthalten sind.

Den Rückgang erfasst derzeit Naturkostläden und Reformhäuser, die im ersten Halbjahr 2022 laut GfK einen Umsatzeinbruch von 39 Prozent verzeichneten, wie die «Lebensmittel Zeitung» berichtete. Bei Hofläden lagen die Rückgänge bei rund 17 Prozent, die Biosupermärkte mussten knapp 15 Prozent Umsatzverlust hinnehmen. Nach Ansicht des Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) haben besonders die Discounter und Supermärkte einen starken Einfluss auf das Bio-Kaufverhalten der Kunden. 62 Prozent des Umsatzes mit Biolebensmitteln werden im konventionellen Detailhandel erzielt. 

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