Sonntag, 29. Januar 2023
16.01.2023 18:31
Schweinemarkt

Überbelegung wird nicht toleriert

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Von: blu

In der Schweiz gibt es seit Monaten zu viele Schweine. Darunter leidet auch das Tierwohl, berichtet die «NZZ am Sonntag». Die Tiere sind länger auf den Betrieben und werden deutlich grösser und schwerer. Die Behörden informierten Bauern, dass eine Überbelegung nicht toleriert wird. Die Situation sei für die Bauern brutal, warnt Suisseporcs.

Der Schweinemarkt hat seit Monaten sein Gleichgewicht verloren. Es gibt zu viele Schweine, sie können nicht mehr abgesetzt werden. Die Ställe werden immer voller und voller.

Die grösseren Tiere benötigen mehr Platz. Ein «normales» Mastschwein zwischen 85 und 110 Kilo hat gemäss Tierschutzgesetz Anspruch auf eine Gesamtfläche von 0,9 Quadratmeter. Wiegt ein Schwein aber mehr als 110 Kilo, so steigt der Platzbedarf auf 1,65 Quadratmeter. «Kann der Landwirt dann nicht mehr Platz schaffen, rutscht er in die Illegalität», schreibt die «NZZ am Sonntag».

Überbelegung wird nicht toleriert

Gemäss Informationen, die der Zeitung aus bäuerlichen Kreisen übermittelt wurden, sind einige Tiere in den Ställen bis zu 130 Kilo schwer. Die kantonalen Veterinärbehörden rufen die Bauern auf, die Vorschriften einzuhalten. ««Wir fordern Sie alle auf, sicherzustellen, dass die Mindestabmessungen gemäss Tierschutzgesetz jederzeit eingehalten werden. Eine Überbelegung aus Absatzschwierigkeiten wird als nicht tolerierbare Ausnahme betrachtet», informierte der Luzerner Veterinärdienst die Schweinehalter.

Man wolle präventiv kommunizieren, dass keine Ausnahmen akzeptiert würden und das Tierschutzgesetz jederzeit einzuhalten sei, sagte Martin Brügger, Chef des Luzerner Veterinärdienstes, zur «NZZ am Sonntag». Mehrere von der Zeitung angefragte Veterinärdiensten sprechen von wenigen Fällen, wo eine Überbelegung festgestellt wurde. Auch Brügger geht davon aus, dass die Schweinehalter die Vorschriften im Griff haben.

«Tiere leiden unter Stress»

Anderer Meinung ist der Schweizer Tierschutz (STS). Die Behörden würden nur die Spitze des Eisberges sehen. Die Kontrolle müsste genau zum richtigen Zeitpunkt – am Ende der Mast – stattfinden. Der STS geht davon aus, dass zahlreiche Betriebe diese Vorgabe nicht einhalten können.

«Es gibt so viele Tiere zu viel, dass es rein rechnerisch kaum möglich erscheint, das Tierschutzgesetz überall einzuhalten», sagte Cesare Sciarra vom Schweizer Tierschutz zur «NZZ am Sonntag». Gehe man an die Grenze oder darüber, werde es eng für die Tiere. «Sie leiden dann unter Stress, die Sauberkeit leidet, und aggressives Verhalten nimmt zu», sagte Sciarra weiter.

«Bauern tun alles, um Tierschutzgesetz einzuhalten»

Meinrad Pfister, der den Verband der Schweizer Schweinehalter Suisseporcs präsidiert, sagte hingegen, dass es höchstens in Einzelfällen zu Überbelegungen gekommen sei. Die Branche tue alles, um das Tierschutzgesetz einzuhalten. So seien 14’000 Schweine geschlachtet worden. Das Fleisch wurde eingefroren und eingelagert.

Die Markt- und Preissituation auf dem Schweinemarkt wird von Marktexperten gegenüber «Schweizer Bauer» als katastrophal eingestuft. Aufgrund der Übermengen der letzten Wochen seien die Angebote sehr gross. Sie treffen auf eine normale Nachfrage. Die Schlachtgewichte haben deshalb wieder zugenommen haben und es gibt noch mehr Fleisch.

Zur Marktentlastung wird Schweinefleisch in den europäischen Raum exportiert. Bis jetzt seien es aber nur ein paar Tausend Schweine, so die Experten. Hauptabnehmer ist gemäss Pfister Deutschland. Auch Polen soll beliefert werden. Weil die Preise in beiden Ländern noch deutlich unter dem bereits sehr tiefen Schweizer Niveau (3 Fr. pro Kilo Schlachtgewicht) liegen, ist der Export für die Schweinehalter nicht attraktiv. So erhalten Bauern in Deutschland 2.08 Fr./kg SG, in Polen sind es 2.10 Fr.

Bezahlt sich keinen Lohn

Bauern legen bei jedem ausgeführten Tier Geld drauf. «Das tut uns finanziell richtig weh», sagte Pfister zur «NZZ am Sonntag». Doch das müsse sein. So würde die Branche die Lehren aus dem «historischen Überangebot» ziehen. Pfister hofft, dass die Produktion in Zukunft besser gesteuert wird. Die Situation sei für viele Betriebe brutal. Suisseporcs erhalte dutzende Hilferufe von Schweinehaltern. Die psychische Belastung für die Landwirte sei riesig. So eine Marktsituation dürfe sich nicht mehr wiederholen.

Landwirt Hugo Heller aus Ruswil LU macht die Krise gegenüber der «NZZ am Sonntag» in Zahlen sichtbar. Vor einigen Jahren habe er für ein 25 Kilogramm schweres Ferkel über 160 Franken erhalten. Heute seien es noch 76 Franken. «Ich bezahle mir zurzeit keinen Lohn aus und lege trotzdem noch bei jedem Tier drauf», so Heller. Derzeit zapft er die Reserven an. Doch lange könnten viele Schweinehalter diese Preissituation nicht mehr durchhalten, warnte er.

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19 Responses

  1. Habe vollstes Verständnis für Hugo !!
    Ich selber bin Milchproduzent und habe mich über die letzten 20 Jahre gefragt ob ich das richtige mache…….
    Habe die BSE Kriese ende der neunzieger mit erlebt!
    In dieser Zeit haben Schweine Produzenten richtig Kasse gemacht, davon hört man nebst dem gejammer nichts.
    Das heisst : Die Schweineproduzenten müssen Kosten senken und sich dem Markt anpassen….
    Ich wünsche allen einen schönen Tag

  2. Also das STS als Kontrollorgan der ip Suisse den Bauern so an den Karren geht finde ich äusserst primitiv mit dieser Behauptung das fast alle ein Problem haben. STS als Kontrollorgan sofort absetzen, untragbar!!!

  3. Ps, ja die Preise sind im Moment nicht gerade der hit, aber es wird wieder besser, aber solche wo jetzt finanzielle Schwierigkeiten haben sollten sich jetzt ernsthaft Gedanken machen aus der schweinehaltung auszusteigen. Es wird wahrscheinlich nie einen besseren Zeitpunkt geben als jetzt.

    1. Schön wäre, wenn ihr alle aussteigen würdet!!! Es gibt immer mehr Vegetarier/Veganer, also braucht es auch nicht mehr so viele Schweine. Ihr herzlosen!

    2. Mitschuldig an der Misere sind auch die Futtermühlen und die veränderten Strukturen in der Schweinehaltung.Ferkelringe wollen ihre Plätze voll belegen und den Futtermühlen wollen den Umsatz mindestens halten. Die Verlierer sind die Produzenten mit dem Unternehmerrisiko. In der Branche hat es zu viele Wasserprediger,selber trinken sie aber lieber Wein.

  4. Ich finde es traurig, dass Bauern einander das Jammern um die Nase reiben. Seien es Milchbauern, Schweinemäster oder beides zusammen.

      1. Hast du irgendwelche Probleme?
        Jeder darf essen was er will du darfst ja auch deine körnlein picken.
        Ich bin selbst schweinezüchter, die Preise sind zwar nicht der hit, aber der Aufschlag gestern Kam zu früh.
        So werden einige schon wieder das Gefühl haben es geht wider aufwärts. Und geben wider Vollgas.
        Was leider kein positiver Effekt sein wird.
        Ps. Kommt auch immer darauf an wie man die Tiere hält.

  5. Ich bin ein tierfän. Mann sollte sowieso keine Tiere essen. Allgemein haben die Tiere auch Seelen.Und es ist prutal wenn sie auf die Schlachtbankt müssen. Ich esse kein Fleisch. Mfg. Aus Bern

  6. Ein Lösungsansatz besteht möglicherweise darin, das Mastplatzüberangebot abzubauen und folglich marktgerechter zu produzieren. Da niemand freiwillig abbauen wird (Lohnmäster inkl.), bleibt eine strikte Umsetzung der Tierschutzgesetzgebung wohl der einfachste Weg. Der Bauernverband wird sich nicht wehren, da er die Gesetzgebung oft als Argument für eine Schweizerproduktion benutzt. Auch die Landwirte stimmen einer solidarischen Reduktion zu. Steigende Preise bei einem Markanteil von 93% für alle!

  7. Hoffe der Mark sinkt noch mehr ein den viele haben es mittlerweile verstanden ode mussten es böse verstehen(gesundheitliche schäden) das Schweinefleisch sehr ungesund ist!

  8. Der Markt regelt den Preis. Warum bringt man soo viele Tiere auf den Markt.? Der Preis ist doch tot? Das Fleisch ist ok bei vernünftiger Aufzucht aber warum produziert man soo viel dass alle verlieren? Es ist schon länger so! Die Bauern sind zudem immer am kürzeren Hebel gegen die Grossverteiler welche das Geschäft machen

    1. Wir Bauern haben offenbar verlernt den Markt selber einzuschätzen. Wir lassen uns einreden, dass nur volle Ställe (prod. Landwirtschaft) das Glück der Welt bedeutet. Unsere sogenannten Partner (Vermarkter -Marge, Transporteure, Futtermühlen -Umsatz, Organisationen -Beiträge, Detailhandel -Marge) reden uns dies ein, denken aber nur an ihren Profit. Sie konkurenzieren uns sogar noch mit Lohnmasten. Arbeit und Risiko für den Bauer, Gewinn für die Partner. So funktioniert das Schweinebusiness.

      1. …… ist in der Milchwirtschaft dasselbe! Nur Hochleistung, jeder Stallplatz belegt, bringt den Vor- und Nachgelagerten den höchsten Umsatz und damit Gewinn! Das nennt sich auch hier „produzierende Landwirtschaft“.

    1. Kaum zu glauben !!! Schon wieder geht ein Stall mit 85 Abferelplätzen (Geplant und Abnehmer Anicom)in Betrieb.
      Auch diesen Leuten (Anicom) wäre der Lohn um 80% zu kürzen.

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