Mittwoch, 1. Dezember 2021
21.10.2021 10:57
Zuckerrüben

Zuckerrüben: Grund- und Richtpreis steigen

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Von: blu

Die Rübenflächen sind in den vergangenen Jahren stetig gesunken. Die Branche schlug Alarm. Das Parlament hat der Verlängerung der Stützungsmassnahmen für den Schweizer Zucker zugestimmt. Aufgrund dieser verbesserten Grundlage steigen im kommenden Jahr der Grund- und Richtpreis um 5 Franken pro Tonne Zuckerrüben. Die Anbaubereitschaft soll damit erhöht werden.

In den vergangenen Jahren haben die Rübenpreise und Krankheiten dafür gesorgt, dass in der Schweiz immer weniger Zuckerrüben kultiviert wurden. Lag die Anbaufläche 2014 noch bei über 21’000 Hektaren, so sank diese 2019 auf 17’500 Hektaren. 2020 fiel die Anbaufläche auf 17’000 ha, noch etwas mehr als 4200 Bauern bauten Rüben an. 2021 wurde noch auf 16’500 Hektaren Rüben kultiviert.

Rückgang Bedrohung für Zuckerfabriken

Die immer geringeren Mengen werden zu einer Bedrohung für die Zuckerfabriken. Für eine effiziente Zuckerproduktion werden mehr Zuckerrüben benötigt. «Der Rückgang führt zur Schliessung einer der beiden Zuckerfabriken», warnte Schweizer Zucker im Frühjahr. Eine Studie im Auftrag des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW) zeige auf, dass die Wirtschaftlichkeit mit dem Betrieb von lediglich einer Fabrik nicht mehr gegeben ist.

Dank der Swissness-Regel ist aber Schweizer Zucker ein gefragtes Gut. Die Nachfrage kann nicht mehr gedeckt werden. Deshalb ist das Interesse gross, dass wieder mehr Bauern Rüben anbauen. Die Erhöhung der Preise soll ein erster Schritt zu einer höheren Anbaubereitschaft sein. 

Auf einer Hektare wachsen bis zu 90’000 Pflanzen, woraus 10’000 bis 15’000 kg Zucker gewonnen werden. Das Anbaugebiet erstreckt sich vom Genfersee über den Jura, das Mittelland und die Zentralschweiz bis ins Rheintal. Von der Aussaat erfolgt Mitte März, die Ernte beginnt Ende September.

Einzelkulturbeitrag und Grenzschutz bis 2026

Und auch die Politik unterstützt die Zuckerbranche. National- und Ständerat haben am 1. Oktober 2021 der Verlängerung der Stützungsmassnahmen für den Zuckerrübenanbau zugestimmt. Damit ist der Mindestgrenzschutz Zucker von 7 Franken pro 100 kg Zucker und der Einzelkulturbeitrag von 2100 Franken pro Hektare befristet bis 2026 im Landwirtschaftsgesetz festgehalten.

Zusätzlich werden die besonders ökologische Anbauformen Bio und IP-Suisse mit zusätzlich 200 Franken pro Hektare gefördert. «Damit erhält die Branche die nötige Planungssicherheit, um sich in einem schwierigen Marktumfeld ökologisch und wirtschaftlich weiterzuentwickeln», schreibt die Interprofession Zucker am Donnerstag in einer Mitteilung.

Interprofession Zucker

Die Interprofession Zucker setzt sich aus vier Vertretern der Schweizer Zucker AG SZU und sechs Vertretern (vier Stimmrechte) des Schweizerischen Verbandes der Zuckerrübenpflanzer (SVZ) zusammen. Die Interprofession legt jährlich den definitiv ausbezahlten Schlusspreis sowie die Preis- und Übernahmebedingungen fest.

Höhere Preise und tiefere Abzüge

Weil sich der Entscheid des Parlaments verzögerte, wurden die Preise später als üblich ausgehandelt. Der politische Support und die steigenden Preise am Weltmilchmarkt haben zu einem positiven Abschluss geführt. So steigen sowohl Grund- wie Richtpreis um 5 Franken auf 45 respektive 50 Franken pro Tonne Zuckerrüben. Darin enthalten ist eine Kompensation für die ab 2022 abgeschaffte Treueprämie. Zudem wird die Zuckergehaltszahlung über 16% erhöht und die Abzüge für Ausbeuten unter 85.5% reduziert.

Weiter müssen die Produzenten die Transportkosten für Fremdbesatz über 10% nicht mehr selbst übernehmen und die Abzüge für Fremdbesatz über 12% werden halbiert. Der Richtpreis für Bio-Zuckerrüben liegt bei 158 Franken pro Tonne. Darin enthalten ist eine bis mindestens 2024 zugesicherte Labelprämie von 30 Franken.

Dank den steigenden Preisen erhofft sich die Branche eine höhere Anbaubereitschaft.
Jonas Ingold

Bonussystem 2021: 50 Rappen pro Tonne

Seit Jahren ist Rübenfläche rückläufig. In diesem Jahr versuchte die Branche, mit einem Bonussystem die Flächen zu erhöhen. Denn Mitte Februar wurden erst Verträge für 16’000 ha abgeschlossen.

Ausgehend von den 16’000 ha wurden pro zusätzliche 100 ha Anbaufläche zusätzlich 10 Rappen pro Tonne Zuckerrüben auf den Richtpreis bezahlt. Beim Erreichen von 17’000 ha würde also ein Zuschlag von einem Franken auf den Richtpreis erfolgen. 2021 wurden 16’500 ha angebaut. Damit wird ein Zuschlag von 50 Rappen fällig. Diesen Bonus erhalten alle Pflanzer auf der ganzen Zuckerrübenmenge. «Damit werden bestehende Produzenten motiviert, die eigene Anbaufläche auszudehnen und neue Produzenten in den Anbau einzusteigen», teilte die im Februar 2021 mit. Die Finanzierung sei aufgrund der besseren Auslastung Zuckerfabriken Aarberg und Frauenfeld kostenneutral.

20’000 Hektaren als Ziel

Mit diesen Massnahmen erhofft sich die Branche, dass die Anbaubereitschaft der Bauern wieder steigen wird. Langfristiges Ziel sind 20’000 Hektaren, das wären 3’500 Hektaren mehr als in diesem Jahr. Gesucht werden Produktionsflächen nach allen Produktionsstandards, also ÖLN, IP-Suisse und Bio. Mit steigenden Flächen werde die Versorgungssicherheit mit nachhaltig produziertem Schweizer Zucker abgesichert, hält die Interprofession fest.

Dank dem vom Bund lancierten Forschungsprojekt «Nachhaltiger Zuckerrübenanbau» hofft die Branche auf «zeitnahe Antworten auf die Herausforderungen im Anbau wie viröse Vergilbung und Syndrome de basses richesses.» Die Branche prüft zurzeit einen erneuten Antrag der bereits für 2021 zugelassenen Pflanzenschutzmittel gegen die virusübertragenden Blattläuse.

Neue Produzenten können sich bei der Zuckerfabrik auf dem Rübenbüro in Aarberg (032 391 62 29) oder Frauenfeld (052 724 74 29) melden.

Ernte 2020: Richtpreis vollumfänglich ausbezahlt

Aufgrund leicht steigenden Preisen auf dem internationalen Zuckermarkt hat die Interprofession Zucker im Juli entschieden, den Richtpreis von 44 Franken pro Tonne Zuckerrüben für die Ernte 2020 vollumfänglich auszubezahlen.

Die Entspannung auf dem internationalen Zuckermarkt wirke sich auch positiv auf den Schweizer Markt aus. Mit einer durchschnittlichen Qualitätsbezahlung von 7 Franken pro Tonne Zuckerrüben kommen die Schweizer Zuckerrübenproduzenten laut Mitteilung des Schweizerischen Verbands der Zuckerrübenpflanzer und der Schweizer Zucker AG auf ein Rübengeld von 51 Franken.

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