Samstag, 31. Juli 2021
16.06.2020 10:09
Ackerbau

Kichererbsenanbau fasst Fuss

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Von: Susanne Meier

Durch den Klimawandel wird die Kichererbse, die gut mit Trockenheit zurechtkommt, für den Schweizer Anbau interessant. Noch ist die Anbaufläche klein. In Versuchen werden passende Sorten gesucht.

Noch ist die Anbaufläche klein. Bei Biofarm liegt sie laut Hans-Georg Kessler bei rund 5 Hektaren. Doch nach und nach scheinen Kichererbsen in der Schweiz Fuss zu fassen.

1 Tonne Trockengewicht pro Hektare

Einer der wenigen  Produzenten ist Rolf Schweizer aus Peyres-Possens VD. Er baute 2019 auf 1 Hektare Kichererbsen für Biofarm an und hat dieses Jahr wieder 70 Aren angesät. «Letztes Jahr haben wir 1 Tonne Trockengewicht pro Hektare geerntet. Die Kichererbsen müssen nach dem Dreschen getrocknet werden», erklärt Schweizer. «Gesät haben wir die Erbsen heuer relativ spät in der ersten Maiwoche, dies auch wegen der Trockenheit im April. Das grosse Problem im Anbau ist das Unkraut, denn die Kultur läuft langsam auf.»

Agroscope  führt seit 2017 Versuche mit verschiedenen Forschungsfragen zum Kichererbsenanbau durch: Sortenversuche mit und ohne Beimpfung mit Knöllchenbakterien, Saatdichteversuche und Beizversuche. Ziel ist es, Erfahrungen im Kichererbsenanbau in der Schweiz zu sammeln und das Ertragspotenzial abzuschätzen. «Bisherige Ergebnisse zeigen, dass der Anbau in der Schweiz grundsätzlich möglich ist und einige Sorten besser an die Bedingungen der Schweiz angepasst sind als andere», zieht Jürg Hiltbrunner von Agroscope ein erstes Fazit. 

Gute Nachfrage

«Die Nachfrage nach Hülsenfrüchten aus Schweizer Bioanbau ist sehr gut, seien das Linsen, Bohnen, Kichererbsen oder Soja, das zu Tofu verarbeitet wird», betont Hans-Georg Kessler. «Wegen des Klimawandels stehen die Chancen besser, dass der Anbau der trockenheitsliebenden Kichererbsen auch in der Schweiz gelingt. Aber die  Unzuverlässigkeit der Witterung birgt für die Mittelmeerkultur ein erhebliches Risiko. Biofarm begrüsst die Versuche von Agroscope, um die bestgeeigneten Sorten für den Schweizer Anbau zu finden.»

Hiltbrunner bestätigt: «Aufgrund des Klimawandels könnte die Kichererbse durch ihre Trockenstresstoleranz von Nutzen sein. Allerdings ist sie frostempfindlich und benötigt  ein sonniges und warmes Klima.»

Hauptproblem Unkraut

Wie Produzent Rolf Schweizer erfahren musste, haben Kichererbsen eine schwache Konkurrenzkraft gegenüber Unkraut. Das bedingt entsprechende Massnahmen in der Jugendentwicklung. Die ungleichmässige Abreife erschwert die Bestimmung des Erntetermins. Laut der Bayrischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL,D) kann abhängig von der Region und der Sorte ein durchschnittlicher Ertrag von 1 bis 2 Tonnen pro Hektare erwartet werden.

«In unseren Kleinparzellenversuchen haben wir mit den besten Sorten und in den besten Anbaujahren hochgerechnet Erträge um 2 Tonnen pro Hektare  erreicht», ergänzt Hiltbrunner. «Noch ist aber nicht alles optimal gewesen.» Gesät wurde bei Agroscope im April oder Mai und geerntet Ende August oder Anfang September. 

Unterschiedliche Bedingungen

Zur Sortenwahl und zur Frage nach den bestgeeigneten Sorten fürs Schweizer Klima meint Hiltbrunner: «Wir haben unter anderem Sorten aus den USA, Frankreich und der Tschechei angebaut. Die Anpassung ans ‹Schweizer Klima› ist natürlich auch relativ, da etwa am Genfersee oder in der Region Schaffhausen andere Bedingungen herrschen als in niederschlagsreicheren Regionen. Um für Kichererbsen günstige Anbauorte zu finden, scheinen die Möglichkeiten in der Schweiz sicher gegeben.» In der Schweiz bieten etwa UFA Samen und  Otto Hauenstein Samen Saatgut an.

Kein Stickstoff-Dünger nötig

Kichererbsen können Stickstoff (N) aus der Luft durch die Symbiose mit Rhizobien, den Knöllchenbakterien, fixieren. Deshalb müssen sie nicht zusätzlich mit N gedüngt werden. Sie können sogar der Folgefrucht N zur Verfügung stellen. Das Keimminimum liegt bei 5°C, das Optimum bei 25°C. An die Feuchtigkeit stellt die Kichererbse geringe Ansprüche.

Sie ist dürrefest, aber frostempfindlich und leidet unter übermässiger Nässe. Günstige Standorte sind kalkreiche, sandige Lehmböden. Selbst auf trockenen Kalkböden lassen sich gute Erträge erzielen. Schwere Lehm- und Tonböden erträgt die Kichererbse nicht. 

Anbaupause 

Vergleichbar mit anderen Leguminosen gedeiht auch die Kichererbse besser, wenn eine Pause von fünf bis sechs Jahren zwischen dem Anbau von Kichererbsen oder anderen Leguminosen auf derselben Fläche eingehalten wird. Die Anbaupause dient zudem der Bekämpfung der Blattflecken- und Bleichkrankheit. Erbsenblattlaus, Erbsenwickler und Blattrandkäfer gelten als  Schädlinge im Kichererbsenanbau.

Der Saatgutbedarf liegt laut der LfL zwischen 80 und 140 Kilo pro Hektare, je nach Korngrösse der verwendeten Sorten. Gesät werden die relativ grossen Kichererbsen 5 bis 8cm tief, also etwas tiefer als Eiweisserbsen. Der Reihenabstand sollte 30 bis 35cm betragen. Die Saat ist direkt mit einer Kreiseleggen-Drillmaschinen-Kombination möglich. Optimale Ergebnisse werden allerdings mit einer Einzelkornsämaschinen erreicht. 

Hoher Eiweissgehalt

Die Kichererbse ist die drittwichtigste Hülsenfrucht der Welt. Die Hauptanbaugebiete befinden sich in Indien und Australien. Durch das veränderte Ernährungsverhalten vieler Menschen in Industrieländern steigt die Nachfrage nach eiweissreichen Kulturen. Aufgrund des hohen Proteingehaltes können Kichererbsen als Fleischersatz verwendet werden und sind daher bei Vegetariern und Veganern gefragt. Da Kichererbsen kein Gluten enthalten, sind sie  auch für Personen mit Zöliakie interessant. sum

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