Dienstag, 31. Januar 2023
15.06.2017 08:34
Unkrautbekämpfung

Unkraut mit Strom töten

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Von: Alexandra Schröder*

Bei der Elektroherbizid-Strategie wird das Unkraut mit Strom bekämpft. Die erste Maschine in der Schweiz ist im Testeinsatz. Mit Video

Die Idee, elektrischen Strom zur Bekämpfung von Unkräutern zu verwenden, ist nicht neu. Die bisherigen Geräte und Maschinen wurden in Brasilien gebaut und weiterentwickelt. Dort werden sie hauptsächlich in der Forst- und Landwirtschaft und im Kommunalwesen eingesetzt. Mit Erfolg.

Boden ist leitfähiger

Die Firma Zasso GmbH aus Aachen (D) hat dieses Jahr zum Testen die erste Maschine importiert. «Es wurden bereits erste Anpassungen für europäische Verhältnisse vorgenommen», sagte Matthias Eberius von der Zasso GmbH vergangene Woche an der Flurbegehung der Swiss No-Till. Es betrifft dies insbesondere die Leitfähigkeit des Bodens, die bei uns höher ist als in Brasilien.

Das Prinzip ist einfach. Ein Generator stellt hochfrequenten Gleichstrom bis zu 15’000 Volt her. Der Strom wird dann auf die Applikatoren geleitet. Er fliesst vom vorderen Applikator durch die Pflanze, die Pflanzenwurzel und den Boden zum hinteren Applikator. So schliesst sich der Stromkreis. Die Pflanze stirbt ab, weil die Zellwände zerstört werden.

Wirkung setzt schnell ein

Sind die Pflanzen bei der Behandlung trocken, dauert es nur einige Stunden, bis man die Wirkung sieht. Die Maschine zerstört nur die Pflanzen, die berührt werden. Daher ist die Maschine für den Menschen ungefährlich, da der Strom nur dort fliesst, wo das Unkraut die Applikatoren berührt. Die Wirkung des Stroms auf die Bodenorganismen muss noch untersucht werden.

«Man geht davon aus, dass die Effekte auf Bodenorganismen begrenzt sind. Von Brasilien sind uns keine auffälligen Veränderungen der Bodenbiologie bekannt», meinte Matthias Eberius. Die Maschine hat es bisher für eine flächendeckende Anwendung in Reihenkulturen gegeben, und im Kommunalbereich soll der Einsatz künftig ebenfalls möglich sein.

Reges Interesse

Die Flurbegehung mit 300 Interessierten fand auf dem Betrieb von Fritz und Nicole Reusser in Biezwil SO statt. Wenn immer möglich setzt Reusser Direktsaat ein. Seine Fruchtfolge beginnt mit Zuckerrüben, dann folgt Weizen, in den Weizen wird Raps direkt gesät. Nach Raps wird Futtergetreide angebaut, wobei der Ausfallraps mit Glyphosat und Mulchen reguliert wird.

Vor der Rübensaat wird eine Gründüngung eingesetzt. Diese wird sehr sorgfältig nach vorhergehender flacher Bodenbearbeitung gesät. Die Rübensaat erfolgt in Direktsaat. «Die Gründüngung ist wichtig in meiner Fruchtfolge. Daher säe ich sie wie eine ‹normale› Kultur. Für mich gilt sie als Vorbereitung für die folgende Rübensaat», sagte Reusser. 

*Die Autorin arbeitet bei der Fachstelle Pflanzenschutz des Kantons Bern.

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