Freitag, 7. Oktober 2022
16.08.2022 11:30
Futterbau

Mit Sorghum gegen Futtermangel

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Von: sda/mgt/blu

Sorghum kann bei einer Dürre wie der aktuellen eine Alternative zu Gras und Mais darstellen und hat Potenzial bei Futtermittelmangel. Das Forschungszentrum Agroscope testete seine Eignung als Wiederkäuer-Futter.

Das Wachstum von Mais und Gras bricht bei Trockenheiten namentlich im Juli und August drastisch ein, wie das Kompetenzzentrums des Bundes für landwirtschaftliche Forschung Agroscope am Dienstag mitteilte. Für das Vieh kann daraus ein erheblicher Futtermittelmangel entstehen.

Kombinationen getestet

Bei der Forschungsstelle in Posieux FR sind aktuell viele Futterflächen gelb, wie Agroscope berichtet. «Nicht so die Flächen mit der Futterpflanze Sorghum, die in kräftigem Grün dastehen», heisst es weiter.  Das Süssgras weise grosses Potenzial auf, einen aktuellen Futtermangel und getrocknet einen Mangel im Winter zu beheben. Neben der Dürreresistenz ist Sorghum den Angaben zufolge auch ertragreich.

Gewisse Sorghumsorten produzieren eine grosse Biomasse, haben aber im Allgemeinen einen relativ niedrigen Nährwert. Bei den Versuchen in Posieux kombinierten die Forscherinnen und Forscher deshalb fünf Sorghumsorten mit zwei Klee- und einer Grassorte – Inkarnatklee (Trifolium incarnatum), Alexandrinerklee (Trifolium alexandrinum) und Westerwold-Raigras (Lolium multiflorum Lam. Var. westerwolidicum Mansh.) kombiniert. Dies mit dem Ziel, den Energie- und Proteinanteil des Futters, die Nutzungsflexibilität und die Widerstandsfähigkeit gegenüber extremen Wetterschwankungen zu erhöhen.

Jung mit Blausäure

Da die Unterschiede zwischen den Sorten sehr ausgeprägt sind, werden in diesem Jahr fünf verschiedene Sorghumsorten auf ihre agronomischen Eigenschaften und den Nährwert getestet. Ausserdem enthält Sorghum im Jugendstadium Blausäure, die bei zu hoher Konzentration für Wiederkäuer gefährlich sein kann. «Es ist daher wichtig zu vergleichen, ob es Unterschiede zwischen den Sorten gibt», halten die Forscher fest.

Chemische Analysen werden zudem die Qualität der verschiedenen Sorten als konserviertes Futter untersuchen. Agroscope plant in naher Zukunft Weideversuche mit Sorghum, aber nur mit Pflanzen im fortgeschrittenen Vegetationsstadium mit einer Höhe über 80 cm, um Probleme mit der Blausäure zu vermeiden. Ein weiterer Versuch wird die Verdaulichkeit der organischen Substanz beim mehrschnittigen Sorghum bestimmen, damit auf dieser Basis der Futterwert für Wiederkäuer geschätzt werden kann.

30 Sorghummuster gesucht

Für die Abschlussarbeiten der Qualitätsbeurteilung sucht Agroscope ca. 30 Muster von einschnittigem Sorghum aus der Praxis. Die Analyse der Muster ist unentgeltlich. Dazu ist eine Probemenge von ca. 1 kg getrocknetem (nicht vergorenem) Material nötig. Optional kann auch eine frische Probe (ca. 3 kg) in einen Plastiksack verpackt oder vakuumiert mit einem Kühlelement und mit A-Priorität eingesendet werden. Interessierte Landwirtinnen und Landwirte können mit Tiziana Vonlanthen Kontakt aufnehmen (tiziana.vonlanthen@agroscope.admin.ch).

Karte soll Anbaugebiete zeigen

Nicht nur mehrschnittige, sondern auch einschnittige Sorghumsorten wurden intensiv getestet. Forschende erfassten dabei agronomische Merkmale wie Ertrag, Trockensubstanzgehalt und Standfestigkeit. Auch untersuchten sie die Qualität der Inhaltstoffe und bauten für die Beurteilung des Futterwerts eine Kalibration auf. Aufgrund der bisher gemachten Erfahrungen wird Sorghum mit seinen Eigenschaften als vielversprechende Pflanze mit Potenzial betrachtet.

Da Sorghum bezüglich Temperatur etwas anspruchsvoller als Mais ist, soll ein weiteres Projekt die Regionen für einen potentiell erfolgreichen Anbau von Körner- und Silosorghum auf der Schweizerkarte visualisieren.

Sorghum

Das aus Afrika stammende Sorghum bicolor (L.) Moench (= Mohrenhirse), ist in der Schweiz noch eine wenig bekannte Kultur. Aufgrund der sich ändernden klimatischen Bedingungen können seine Eigenschaften aber Teil der Lösungen für bevorstehende Herausforderungen sein. Sorghum ist wie Mais eine C4-Pflanze und an trockene Bedingungen angepasst. Es hat ein hohes Biomasspotenzial und ist als Futtermittel sowie für die Humanernährung geeignet.

Sorghum kann in bestimmten Situationen aber durchaus eine interessante Alternative zu Mais sein: einerseits ist Sorghum im Vergleich zu Mais toleranter gegenüber Trockenperioden, andererseits wird es nicht oder wenig durch den Maiszünsler (Ostrinia nubilalis) und überhaupt nicht durch den Maiswurzelbohrer (Diabrotica virgifera) befallen. Auch Krähenfrass nach der Saat bzw. Wildschweinschäden sind seltener, da die Samen kleiner sind und anstelle von Kolben Rispen ausgebildet werden.

Das Interesse an Sorghum als Futtermittel hing in den letzten Jahren vor allem von der Sommerwitterung beziehungsweise den Futtervorräten ab. In vielen Fällen bauten die Landwirte nicht über mehrere Jahre Sorghum an, sondern die Fluktuation der Produzenten war vergleichsweise hoch.  Agroscope

-> Mehr zu Sorghum

Hirse

Die Körner der Hirse sind für den menschlichen Verzehr geeignet. Hirsebrei war früher in Europa ein verbreitetes Gericht. In Afrika ist Hirse immer noch Bestandteil der traditionellen Küche. Die Körner der Hirse sind für den menschlichen Verzehr geeignet. Hirsebrei war früher in Europa ein verbreitetes Gericht. In Afrika ist Hirse immer noch Bestandteil der traditionellen Küche.

Hirse ist leicht bekömmlich, glutenfrei und vitaminreich. Sie gehört zu den Spelzgetreide-Gattungen. Das Getreide der Sorghumpflanzen hat grössere Körner als jenes der Millethirsen. Zu dem Millethirsen gehört etwa die als Vogelfutter bekannte Rispenhirse.

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