Samstag, 23. Januar 2021
07.12.2020 06:38
Ackerbau

Humus wirkt wie ein Schwamm

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Von: sum
Je weniger der Boden bearbeitet wird, umso weniger Wasser geht verloren.
Thomas Wüthrich

Direktsaat, flache Bodenbarbeitung, frühere Herbstsaaten, Zwischenfrüchte oder weite Fruchtfolgen. Diese Massnahmen machen den Ackerbau weniger anfällige auf Hitze und Trockenheit. 

Die Sommer werden immer heisser und trockener. Das beeinflusst den Ackerbau massiv.  Wer ihn weiterhin betreiben will, kommt nicht umhin, Anpassungen vorzunehmen. Das deutsche Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL) gibt dazu Tipps.

Wassersparende Verfahren

Grundsätzlich gilt: Je weniger der Boden bearbeitet wird, umso weniger Wasser geht verloren. Verfahren wie Mulchsaat, Direktsaat und Strip Till  gelten als besonders wassersparend, weil sie die natürliche Schichtung des Bodens erhalten. Die Kapillaren, die den Wasseraufstieg aus tieferen Bodenschichten gewährleisten, werden nicht unterbrochen. Ausserdem kann Niederschlagswasser besser in den Boden eindringen und dort gehalten werden.

Doch auch bei herkömmlicher Bodenbearbeitung lassen sich in Trockenjahren gute Bestände etablieren respektive Verluste minimieren, wenn einige Grundregeln eingehalten werden. Regel Nummer 1 hierbei: Je flacher gearbeitet und je weniger gemischt wird, umso weniger Wasser geht verloren.

Stroh beschattet Boden

Das fängt schon bei der Stoppelbearbeitung an. Stroh wird nicht vollständig eingearbeitet, denn Strohreste sorgen auf der Bodenoberfläche für Beschattung und mindern damit die Verdunstung. Kommt es zu Starkregen, kann der Boden das Wasser besser aufnehmen. Ausserdem schützt die organische Substanz vor Erosion und fördert die Humusbildung.

Bei der Saatbettbereitung sollte auf eine gute Rückverfestigung geachtet werden: Nur so lässt sich bei der nachfolgenden Saat das Saatgut auf einer wasserführenden Schicht ablegen. Die Rückverfestigung sorgt zudem für eine besser Verteilung der Grob-, Mittel- und Feinporen.

Frühe Saat im Herbst

Immer häufiger wird Frühsommertrockenheit zum Problem. Besonders beim Wintergetreide fällt sie in die Phase des höchsten Wasserbedarfs. Eine frühere Saat im Herbst kann helfen, diese sensible Entwicklungsphase vorzuverlegen. Mit einer intensiveren Durchwurzelung im Herbst nutzen die Pflanzen die Winterfeuchte besser aus und starten mit stärkeren Wurzeln besser ins Frühjahr.

Frühsaaten bringen auch arbeitswirtschaftlich Vorteile. In Betrieben mit hohem Weizenanteil entzerren sie Arbeitsspitzen bei Aussaat und Ernte. Mehrjährige Versuche des Thüringer Landesamtes für Landwirtschaft zeigen, dass Frühsaaten in Trockenjahren bei Weizen teils höhere Erträge erbringen können als Normalsaaten.

Risiken minimieren

Frühsaaten bergen allerdings auch Risiken. Und zwar dann, wenn es im Herbst zu starken Virusinfektionen kommt oder die Bestände zu weit entwickelt in den Winter gehen. Das kann zu Auswinterungsschäden durch Frost oder Schwächeparasiten führen.

Auch zeitig auftretende Krankheiten und Lager wegen dem stärkeren Längenwachstum können zum Problem werden. Zur Risikominderung empfiehlt das BZL daher, den Anteil von Frühsaaten an der Gesamtwinterweizenfläche auf maximal 20 Prozent zu begrenzen. Auch die Sortenwahl kann das Risiko minimieren. Zu empfehlen sind vor allem Sorten mit einer verhaltenen Herbstentwicklung und einer guten Winterfestigkeit.

Bessere Bodenstruktur

Der Anbau von Zwischenfrüchten hilft in vielerlei Hinsicht, den Boden vor Wasserverlusten zu schützen. Die ständige Bodenbedeckung durch Pflanzen oder Mulch bewirkt, dass weniger Wasser verdunstet. Ausserdem mindert sie den Oberflächenabfluss insbesondere in hängigem Gelände. Auf leichten Böden mit geringer Profiltiefe, die wenig Winterfeuchte speichern können, helfen Zwischenfrüchte Sickerwasserverluste zu reduzieren.

Das funktioniert vor allem, weil Humus angereichert und dadurch die Bodenstruktur verbessert wird. Versuchsergebnisse der Uni Wien belegen, dass nach Zwischenfruchtbau das Porenvolumen des Bodens im Vergleich zu Schwarzbrache um bis zu 15 Prozent höher ist. Dabei nehmen sowohl die für die Regenverdaulichkeit wichtigen Grobporen als auch die für die Wasserspeicherung bedeutenden Mittelporen zu.

Zwischenfruchtmischung

Wichtig ist die Wahl der richtigen Zwischenfruchtmischung. Diese sollte nach Möglichkeit Flach- und Tiefwurzler enthalten, an den jeweiligen Standort angepasst sein und sich dort schnell etablieren. Bei einer winterharten Begrünung kommt es bereits frühzeitig zu einer Austrocknung der oberen Bodenschichten, sobald im Frühjahr die Transpiration einsetzt.

Bei abfrierenden Zwischenfrüchten reduzieren dagegen die Pflanzenrückstände an der Bodenoberfläche die Bodenverdunstung. Allerdings führen die höheren Wassergehalte im Oberboden auch dazu, dass sich der Boden im Frühjahr langsamer erwärmt.

Humus speichert Wasser

Bis zum Fünffachen seines eigenen Gewichts kann Humus an pflanzenverfügbarem Wasser speichern. Er wirkt somit wie ein Schwamm. Daher ist jede Form der Humusanreicherung immer auch eine Vorsorgemassnahme gegen Dürre. Doch Humus hat noch viel mehr zu bieten: Er speichert Nährstoffe, schafft stabile Bodenstrukturen, erwärmt den Boden, fördert das Bodenleben und die Artenvielfalt und gleicht pH-Wertschwankungen aus.

Der Humusgehalt des Bodens lässt sich auf vielfältige Weise steigern. Zum Beispiel durch den Anbau von Zwischenfrüchten oder den Einsatz organischer Dünger – insbesondere Mist oder Kompost. Im Unterboden lässt sich der Humusgehalt insbesondere durch den Anbau von tiefwurzelnden Pflanzen wie Luzerne steigern. Dieser Bereich des Bodens weist meist einen niedrigeren Humusgehalt auf als der Oberboden.

Züchtung ist schwer

Das Zuchtziel Trockentoleranz ist sehr komplex, denn es vereint eine Reihe unterschiedlicher Merkmale. Daher ist Trockentoleranz für Pflanzenzüchter mit herkömmlichen Methoden nur schwer umzusetzen und in Sortenprüfungen schwer vergleichbar. Wichtiger als die Sorten sind daher trockenverträgliche Kulturarten, die bislang noch keine oder nur eine untergeordnete Rolle spielen.

So könnte in Zukunft zum Beispiel Mais durch die wesentlich trockentolerantere Sorghumhirse ersetzt werden. Aber auch Kulturen wie Sojabohne, Sonnenblume oder Rispenhirse werden zukünftig wahrscheinlich häufiger zu finden sein.

Risiko streuen

Neben Dürre gibt es noch eine Reihe anderer Extremwetterereignisse. Diesen muss sich die Landwirtschaft anpassen, indem sie das Risiko streut. Mit breiten Fruchtfolgen oder Kulturen mit unterschiedlichen Anbauphasen.

So könnte sich Wintergetreide wie Gerste oder Weizen mit früh gesäten Frühlingssaaten wie  Ackerbohne, Erbse, Sonnenblumen und Sommergerste und späten Saaten wie Mais, Soja oder Sorghum abwechseln. Auch ein Wechsel von tiefwurzelnden (Raps, Ackerbohne, Luzerne) und flach wurzelnden Arten (Getreide, Mais, Erbsen) hilft, das Risiko drohender Extremwetterereignisse zu minimieren. 

2 Responses

  1. Das ist genau was wir un der regenerativen Landwirtschaft tun. Da muzman nicht nach Deutschland schauen, rs gibt genügend Beispiele bei uns. Verein Agricultura Regeneratio.

  2. Schon Sandstürme in den Weiten der USA zeigten die Grenzen einer überholten Produktion. Alle Formen der konservierender Landwirtschaft verfolgen die Ziele der Bodenfruchtbarkeit, Bodenaufbaues und letztlich auch der Klima-Stabilität schon lange. Erst Mulch- und Direktsaaten mit max Oberflächenschutz (Sonneneinstrahlung, Hitze, Wind, o, Verdichtung) und platzierter Düngung werden zum Ziel führen. Nächstes Jahr Feldtag des 8WCCA, des Weltkongress der CA in Witzwil, 24.06.21. (20ha) Wir sehen uns.

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