«Dieses Jahr könnten die meteorologischen Auswirkungen wirklich zu einer Herausforderung werden», sagt Ruedi Fischer.
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Ruedi Fischer ist Präsident der Vereinigung Schweizerischer Kartoffelproduzenten (VSKP) und weiss, dass schweizweit noch mindestens ein Drittel der Kartoffeln nicht im Boden sind und dass die Qualität leiden könnte.
«Schweizer Bauer»: Wie ist die aktuelle Situation auf Ihrem Kartoffelfeld?
Ruedi Fischer: In meinen 30 Jahren als Kartoffelproduzent habe ich noch nie eine solche Situation erlebt. Sehr spät, am 22. April, haben wir unsere Pflanzkartoffeln gepflanzt. Am 7. Mai einen Teil der Verarbeitungskartoffeln. Zwei Drittel sind im Boden, bei nächster Gelegenheit werden wir den Rest pflanzen. Schweizweit sind höchstens zwei Drittel der Kartoffeln im Boden.
Was sind aktuell die Herausforderungen im Kartoffelbau?
Die grösste Herausforderung ist, dass wir hoffentlich in den nächsten Tagen die Kartoffeln pflanzen können und dass es danach einen optimalen Sommer und Herbst geben wird. Die bisher gepflanzten Kartoffeln kamen längst nicht überall bei guten Bedingungen in den Boden.

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Was für Betriebe haben aktuell besonders mit Herausforderungen zu kämpfen?
In der Ostschweiz hatten sie noch mehr Niederschläge, demensprechend fehlt dort noch mehr Menge. Bei den Pflanzkartoffeln war der Krautvernichtungstermin in den letzten Jahren aufgrund des Blattlausfluges immer etwa Mitte Juli. Dieses Jahr wird das knapp. Damit Verarbeitungskartoffeln genug Stärke haben und der Backtest gut ist, braucht es eine genügend lange Vegetationszeit, dies wird dieses Jahr knapp.
Bald steht die Ernte der Frühkartoffeln an. Mit was für Prognosen ist zu rechnen?
Die Ernte der ersten schalenlosen Folienfrühkartoffeln hat im Tessin und in der Westschweiz begonnen. Die Konsumenten können sich freuen, es sieht gut aus.
Sind Sie zufrieden mit den vereinbarten Frühkartoffelpreisen?
Letzte Woche war die Startsitzung. Ja, das Resultat ist korrekt.
Im Juni werden die übrigen Kartoffelpreise festgelegt. Können Sie hier schon Tendenzen nennen?
Das mittlere Preisband für die Ernte 2023 ist grundsätzlich festgelegt. Das Resultat ist korrekt, Preisanpassungen konnten realisiert werden. Für die definitiven Preise wird die Ertragserhebung im August ausschlaggebend sein. Was wir im Moment noch am Diskutieren sind, sind die Übernahmebedingungen Ernte 2023.
Dieses Jahr wird das 50-Jahr-Jubiläum gefeiert. Was ist geplant?
Wir freuen uns fest, dass wir am späteren Nachmittag des 9. Juni unser 50-Jahr-VSKP-Jubiläum in Kölliken feiern dürfen. Wer sich noch nicht angemeldet hat, soll dies unbedingt tun. Es wird ein tolles Fest, lassen Sie sich überraschen. Eine Anmeldung ist unter Kartoffelproduzenten.ch noch möglich.
Wie geht es der Schweizer Kartoffelbranche aktuell?
Die Branchenorganisation Swisspatat ist nach wie vor sehr gut aufgestellt, aktiv und präsent. Die Zusammenarbeit innerhalb der Branche funktioniert sehr gut. Die Sonderschau Kartoffel an der BEA war ein grosser Erfolg.
Wo liegen die Schwierigkeiten in diesem Jahr und in Zukunft?
Dieses Jahr könnten die meteorologischen Auswirkungen wirklich zu einer Herausforderung werden. In der Zukunft gilt es, die Anbaubereitschaft zu erhalten und robuste Sorten zu finden. Faire Preise und Übernahmebedingungen zu definieren und natürlich weiterhin mit Leib und Seele Kartoffelproduzent zu sein.
Beenden Sie die Sätze …
Der Kartoffelanbau ist … die Königsdisziplin der Ackerkulturen, ideal für den Anbau in der Schweiz und die Kartoffel vielfältig konsumierbar.
Landwirtschaft ist … der schönste und wichtigste Beruf mit sehr guten Zukunftsaussichten, egal, was passiert, Lebensmittel wird es immer brauchen.
Zur Person
Ruedi Fischer ist seit 15 Jahren Präsident des VSKP. Der 55-Jährige hat seit 27 Jahren eine Betriebsgemeinschaft mit seinem Bruder. Gemeinsam mit einem Lehrling und einem Festangestellten bewirtschaften sie einen 60-ha-Betrieb in Bätterkinden BE und einen kleinen Alpbetrieb im Jura.
Zum Betrieb gehören 75 Milchkühe, die bald mit einem Melkroboter gemolken werden. Auf 13 Hektaren werden Kartoffeln angebaut. Weitere Kulturen sind Konservenerbsen, Getreide, Mais, Kunstwiese.
Mit einer Biogasanlage, Fotovoltaik und einem Kleinwasserkraftwerk produziert der Betrieb zudem Strom. ats
4 Responses
So beginnt sich die Klimakatastrophe auch in der Schweiz abzuzeichnen. Enden wird sie mit Hunger. Und dennoch verleugnen bauernnahe Kreise diese Entwicklung, was sich schmerzhaft rächen wird.
Das ist keine Katastrophe. Und es Ist nicht das Klima. Und es wurd nicht durch CO2-Ausstoss der Menschen bestimmt.
Sie irren sich gewaltig und zeigen, dass sie sich nicht wirklich und ausgewogen mit der Materie befasst haben, sondern einfach die Lügen der Massenmedien wiedergeben.
Hybridlandwirtschaft ist gefährlich. Nicht vermehrungsfähige pflanzen!!!!! Wacht auf leute!!!
Erhöht die Subventionen dann wachsen die Kartoffeln