Donnerstag, 4. März 2021
22.02.2021 12:06
Zuckerrüben

Neu: Ethanol aus Schweizer Zuckerrüben

Share on print
Share on email
Share on facebook
Share on twitter
Von: sda/blu

Ethanol aus Schweizer Zuckerrüben soll schon ab kommendem Herbst die Auslandabhängigkeit in diesem Bereich verringern. Die Covid-Pandemie hat Schwächen der Versorgung mit Desinfektionsmitteln und Medizinprodukten in der Schweiz aufgedeckt.

Alcosuisse und die Schweizer Zucker AG haben ein Verfahren entwickelt, mit dem der begehrte Alkohol aus Zuckerrüben hergestellt werden kann, wie die beiden Unternehmen am Montag mitteilten. «Erstmals und exklusiv wird ab Herbst dieses Jahres Schweizer Ethanol produziert», heisst es weiter.

Der unter der Bezeichnung «CH1+» laufende Ethanol sei universell einsetzbar in der Medizin, der Kosmetik, in Lebensmitteln und ganz aktuell zur Desinfektion.

Reines Naturprodukt

Das neue Produkt werde zudem deutlich nachhaltiger produziert als importiertes Ethanol. Es sei ein hundertprozentig reines Naturprodukt, hergestellt aus Schweizer Rüben, heisst es in der Mitteilung. Weil es keinen Schweizer Hersteller mehr gibt, ist die Schweiz derzeit ausschliesslich von Importen abhängig. Die Produktion diene «massgeblich auch zur Versorgungsicherheit der Schweiz bei.»

«Das Prädikat ‘Schweiz’ alleine reicht uns dabei aber nicht», so der Geschäftsführer der Alcosuisse, Florian Krebs, «das Ethanol soll auch deutlich nachhaltiger produziert werden, als jenes aus dem Ausland». Gemäss Mitteilung ist das Produkt aus der Schweiz eines der chemisch-analytisch reinsten, organoleptisch feinsten und qualitativ hochwertigsten verfügbaren Ethanole.

«Wenn das Projekt nach Plan verläuft, wird im Spätherbst diesesJahres erstmals wieder eine Schweizer Produktionsanlage für Ethanolin Betrieb genommen», lässt sich Guido Stäger, CEO der Schweizer Zucker AG, in der Mitteilung zitieren.

Rübenfläche nimmt stetig ab

Sinkende Preise und Krankheiten wie die Viröse Vergilbung machen die Produktion von Zuckerrüben anspruchsvoll. Zahlreiche Bauern haben deshalb den Anbau aufgegeben. Gemäss Schweizer Zucker wurden bis Mitte Februar erst für 16`000 ha Anbauverträge abgeschlossen. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet das einen Flächenrückgang von 1’750 ha. Die Nachfrage nach Schweizer Zucker ist nach wie vor gut. Um die Lücken zu decken, müssen seit einigen Jahren Rüben eingeführt.

Um die Anbaubereitschaft zu erhöhen, der Schweizerische Verband der Zuckerrübenpflanzer (SVZ) und Schweizer Zucker AG (SZU) ein neues Anreizsystem geschaffen. Ausgehend von den aktuellen 16’000 ha werden pro zusätzliche 100 ha Anbaufläche zusätzlich 10 Rappen pro Tonne Zuckerrüben auf den Richtpreis bezahlt. Beim Erreichen von 17’000 ha würde ein Zuschlag von einem Franken auf den Richtpreis erfolgen. Der Richtpreis wurde für 2021 auf 45 Fr./t festgesetzt. Das ist ein Franken mehr als 2020. blu

Kapazität von 700’000 Litern

Die maximale jährliche Produktionskapazität der Anlage liege bei 700’000 Litern reinen Ethanols. Das reiche für die gesamten Bedürfnisse der Schweiz zwar nicht aus, sei aber ein guter Anfang, um den Bedarf teilweise zu decken. Das Ethanol werde in zwei Qualitäten produziert, eine speziell für den Trinkbereich, die zweite als Ausgangsstoff für alle anderen Anwendungen.

Seit Anfang 2019 ist der Schweizer Ethanolmarkt liberalisiert. Alcosuisse, der frühere staatliche Alleinimporteur von Ethanol, wurde privatisiert und 2018 an Thommen-Furler verkauft. Alcosuisse ist ein eigenständiges Unternehmen der Thommen-Furler AG. Das Unternehmen versorgt seit über 100 Jahren die Schweizer Wirtschaft mit Ethanolprodukten und verkauft jährlich rund 500‘000 Hektoliter Ethanol an ihre rund 2‘000 Kunden.

Parlament will wieder Ethanol-Pflichtlager

Das Parlament will laut einem Entscheid vom Dezember, dass die Schweiz ihr Ethanol-Pflichtlager zurückerhält und geprüft wird, für welche weiteren Produkte es Pflichtlager braucht. Zurzeit wird in Zusammenarbeit mit Alcosuisse eine Reserve von 6000 Tonnen Ethanol aufgebaut – ab 2022 soll es der Pflichtlagerpflicht unterstehen.

Mit der Reserve könnten im Bedarfsfall Desinfektionsmittel hergestellt werden. Die Landesregierung hat beschlossen, dem Parlament einen Kredit von 5,82 Millionen Franken zu beantragen.

Zuckerrüben kommen ins Parlament

Die Zuckerrüben werden auch zum Thema im Parlament. Der Bundesrat hatte Ende 2018 den Beitrag pro Hektare Zuckerrüben vorübergehend um 300 auf 2100 Franken erhöht und den Grenzschutz pro Tonne Zucker bei mindestens 70 Franken pro Tonne festgelegt. Diese Massnahmen laufen 2021 aus. Die Wirtschaftskommission des Nationalrats  schlägt nun vor, den Einzelkulturbeitrag auf 1500 Franken pro Hektare und Jahr zu kürzen. Im Gegenzug soll es für biologisch angebaute Zuckerrüben einen Zuschlag von 700 Franken und für fungizid- und insektizidfrei angebaute Zuckerrüben 500 Franken pro Hektare und Jahr geben. Zuckerimporte sollen weiterhin mit einem Zoll von 70 Franken pro Tonne belegt werden.

Rübenpflanzer und Schweizer Zucker sind über die vorgeschlagenen Kürzungen verärgert. Zwar werden die Einzelkulturbeiträge für die Label-Rüben, biologisch (2200 Fr.) sowie fungizid- und insektizidfrei (2000 Fr.), erhöht. «Diese Beitragshöhe reicht nicht aus, um die besonders ökologischen Produktionsformen genügend zu fördern», warnen die Rübenpflanzer.

Sollte der Mehrheitsantrag im Parlament eine Mehrheit finden, sieht der Verband dunkle Wolken am Rübenhimmel aufziehen. «Die Zuckerrübenanbaufläche wird einbrechen. Die Zukunft der  Verarbeitungsbetriebe ist in Gefahr», mahnt der Verband. Um die Schweizer Zuckerwirtschaft zu erhalten, brauche es sowohl den Mindestgrenzschutz als auch den Einzelkulturbeitrag auf heutiger Höhe für ÖLN-Zuckerrüben. 

Für die Schweizer Zucker AG, die die Zuckerfabriken in Aarberg BE und Frauenfeld TG betreibt, ist der Entscheid der WAK ein «fatales Zeichen». Die Kürzung des Einzelkulturbeitrages für konventionelle Zuckerrüben gefährde die landeseigene Versorgung mit Zucker.

Das Unternehmen befürchtet, dass bei einer Kürzung in absehbarer Zeit viele Bauern aus dem Zuckerrübenanbau aussteigen. Diese führe dazu, dass die Rübenmengen sinken.  Für eine effiziente Zuckerproduktion wären die Mengen zu tief. 

8 Responses

  1. Auch dieser letzte Strohhalm wird die CH-Zuckerfabriken nicht vor dem baldigen Untergang retten.

    Lieber ein Schrecken mit Ende, als ein Schrecken ohne Ende!!

    1. Hoi
      Du scheinst einen ziemlichen Hass zu haben auf die jetzige Schweizer Landwirtschaft (-Politik)!? Wie sollte es denn deiner Meinung nach hier in der Schweiz mit der Landwirtschaft in Zukunft weitergehen?

      1. Dieses Projekt der Zuckerfabriken ist ein „innovatives“ Schlupfloch, um sich neue Staatshilfen zu erschleichen.
        Warum muss jeder, der solche Machenschaften beim Namen nennt, als Hasser der Landwirtschaft hingestellt?

        Es ist klar, dass jeder, der die heutige und zukünftige Subventionswirtschaft anprangert, von den Profiteuren unter der Gürtellinie angegriffen wird. So funktioniert die Politik der Profiteure.

  2. Ich begreife nicht, wieso man sich für die Ethanolversorgung der Schweiz auf die Zuckerrübe abstützen will, deren Anbau eher gefährdet ist, anstatt sich auf die Holzverzuckerung zu konzentrieren, deren Rohstoff im Überfluss vorhanden ist.

  3. Ich, als Rübenproduzent und Schnapsbrenner im Nebenerwerb, nimmt wunder, ob die Zuckerfabrik aufs Ethanol auch die übliche Alkoholsteuer von Fr 29.–. pro reiner Alkohol bezahlen muss. Falls ja, rentiert dies dann überhaupt noch? Falls nein, wäre dies nicht gerecht gegenüber der Kleinbrennereien!

  4. Und wie were es daselbe mit überschüssigen obt auch zu machen, were auch ein anreitz das ibst nechtes jahr zusamenzunemen staz zuverroten zulassen

  5. Laut Alcosuisse und Zuckerrübenfabrik werden 2 Qualitäten hergestellt, also Industrie- und Trinkalkohol. Also müsste auch Alkoholsteuer bezahlt werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

SCHWEIZER BAUER

DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE