Mittwoch, 20. Januar 2021
10.12.2020 08:05
Ackerbau

Nische erlebt einen Boom

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Von: Jonas Ingold, lid

Bäume auf landwirtschaftlichen Flächen: Moderner Agroforst ist in der Schweiz eine Nische, erlebt aber einen Boom. Er könnte in Zeiten des Klimawandels der Landwirtschaft helfen.

Agroforst hat in der Schweiz Tradition: Die Wytweiden im Jura, Kastanienselven im Tessin oder der Feldobstbau gehören zu den traditionellen Agroforstsystemen.

Moderner Agroforst noch nicht verbreitet

Unter Agroforst versteht man die Kombination von Gehölzen wie Sträuchern und Bäumen mit Ackerbau oder Viehhaltung auf derselben Fläche. Vom traditionellen lässt sich der moderne Agroforst unterscheiden. Bei diesem werden beispielsweise Nussbäume in Reihen zusammen mit Getreide angebaut. Auch Gemüse und Obst kann so kombiniert werden.

Sonja Kay von Agroscope sprach an einer Online-Tagung der IG Agroforst (siehe Textbox) von einem kleinen Agroforst-Boom in der Schweiz. Allerdings sind die praktischen Erfahrungen damit in der Schweiz noch gering. Hier setzt mit ihrem Wissensaustausch auch die IG an.

Agroforst-Systeme

  • silvoarable Systeme: Bäume mit Ackerkulturen
  • silvopastorale Systeme: Bäume mit Tierhaltung
  • agrosilvopastorale Systeme: Bäume mit Ackerkulturen und Tierhaltung

Aber wozu Agroforst?

Für die Landwirtinnen und Landwirte kann ein Agroforst-System der Diversifikation dienen. Statt «nur» eine Ackerkultur können zum Beispiel zusätzlich Nüsse und Früchte oder auch Wertholz geerntet werden. Zusätzlich soll das System eine positive Umweltwirkung aufweisen.

So fördern die Bäume die Biodiversität und bieten unter anderem Vögel oder Insekten Lebensraum. Aber sie schützen mit ihren Wurzeln auch den Boden vor Erosion und können je nach Standort dank des Mikroklimas gar das Wachstum von Ackerkulturen positiv beeinflussen. So können Bäume den Wind bremsen und damit mehr Feuchtigkeit auf dem Acker belassen, was gerade in Zeiten des Klimawandels ein Vorteil ist.

Netzwerk Agroforst

Die IG Agroforst hat zum Ziel, Wissen rund um Agroforstsysteme zu erarbeiten und den Austausch zwischen Landwirten, Beratern und Experten zu fördern. Zudem will sie das Wissen um die traditionellen Agroforstsysteme bewahren und neue Erkenntnisse dazu gewinnen. Lanciert wurde die IG 2011 von Agridea. Die Jahrestagung wird gemeinsam vom Agridea, ZHAW und Agroscope organisiert. Weitere Infos gibt es unter www.agroforst.ch.

Hoher Initialaufwand

Allerdings birgt das System auch Nachteile. So ist einerseits der Initialaufwand mit dem Pflanzen der Bäume hoch. Andererseits sind die Bäume auf der Fläche ein Hindernis, die Maschinen auf dem Feld müssen vorsichtig bedient werden, um nicht die Bäume zu schädigen. Zudem müssen die Bäume gepflegt werden, was einen grösseren Arbeitsaufwand bedeutet.

In der Schweiz liegt die Fläche von modernem Agrofrost aktuell bei rund 200 Hektaren. Ein Bauer, der den Schritt gewagt hat, ist Martin Venzin vom Bio-Hof Wolfenberg in Lufingen ZH. Seine neue Anlage umfasst rund 70 Bäume, die er zusammen mit seinem Sohn im Oktober 2019 mithilfe eines Erdbohrers gesetzt hat.

Ein Nachteil sei der Mehraufwand beim Heuen, sagt Martin Venzin. Rund um die Bäume muss manuell gemäht werden.
Martin Venzin

Begeisterte Passanten

Zwei Wochen dauerte das Ganze. Am meisten Arbeit machte dabei der Schutz vor Mäusen in Form von verzinkten Gittern um die Wurzelballen. Der Aufwand lohnte sich jedoch, bisher hat er keine Mäuseschäden zu verzeichnen. «Am Anfang sieht man nur die Arbeit, dann aber das ganze Bild, das man erreicht hat», sagt Venzin.

Ihm war es auch darum gegangen, die Landschaft vielfältiger zu gestalten. Er erwähnt dabei neben den immer gleichen Feldern ohne Baumbestand auch die Bauweise in Lufingen mit unzähligen, gleich aussehenden Häusern. Er habe denn auch viele positive Rückmeldungen aus der Bevölkerung erhalten, sagt Venzin. Bereits beim Setzen der Bäume seien Passanten auf ihn zugekommen, was viele gute Gespräche gebracht habe.

Pilze machten Probleme

Gesetzt hat er, je nach Standort, verschiedene Baumarten wie Sommerlinden, Bergahorn oder Wildäpfel. Als Unterkultur baut er unter anderem Wintergerste an. Die Ackerbaufläche hat 60 bis 70 cm Abstand zu den Bäumen. Venzin setzt auf den pfluglosen Anbau, zum Einsatz kommt ein Flachgrubber.

Langfristige Erfahrungen fehlen noch, aber noch rund einem Jahr zeigt sich Venzin mit dem bisher Erreichten zufrieden. Die Bäume sind bis auf Schadpilzprobleme bei Nussbäumen gut gewachsen und auch die Ernte lief – abgesehen vom Mehraufwand beim Heuen – gut.

Das Ressourcenprojekt «Agro4esterie»

An der Jahrestagung stellte Johanna Schoop von Agridea das Westschweizer Ressourcenprojekt «Agro4esterie» vor. Es will moderne Agroforstsysteme fördern und die Landwirtinnen und Landwirte bei der Umsetzung unterstützen. Durch die Systeme sollen Ressourcen geschützt und die Biodiversität gefördert werden. Die Projekte sollen für die Bäuerinnen und Bauern aber auch wirtschaftlich interessant sein. Zudem sollen neue Erfahrungen für Agroforst in der Schweiz gesammelt werden.

Die Landwirtinnen und Landwirte zeigten sich sehr interessiert, wie Johanna Schoop erklärte. So waren ohne grosse Werbung innert kurzer Zeit rund 120 Betriebe mit 890 Hektaren dabei. Erste Pflanzungen fanden 2020 bereits statt. Die Projektdauer beträgt 6 Jahre, das Monitoring wird über 8 Jahre geführt.

9 Responses

  1. Hallo zusammen
    Das habe ich auf meinem Betrieb schon 20 Jahre,
    bei uns weiden Dammhirsche und Straussen abwechslungsweise auf der Weide die mit div. Obstbäumen aller Sorten, sowie Nuss und Edelkastainen
    Bepflanzt ist. Abtrennung zwischen den Schlägen ist mit einer Hecke aus Feldahorn gemacht die regelmässigen zurück geschnitten wird. Auf der Ostseite der Weide ist 200 Meter eine Tanne Hecke die obtimalen Schutz vor der Bise bietet. Auf das Obst warten die Hirsche jedes Jahr. Ein Gewinn für alle.

    1. Es geschehen doch noch Wunder
      Denn die einzige Landwirtschaft war nur noch Kühe for Fleisch Milch und vor allem die Düngung. Nichts anderes weit und breit
      Wiesen grün gedüngt
      Das war landwirtschaftliches arbeiten.
      Eine Katastrophe für die natur.

    2. I Sie haben recht, das ist nichts Neues. Mein Vater hat so von 1940 bis 1975 so das Heimet bewirtschaftet. Da über nhm mein Bruder die Landwirtschaft d er die Landwirtschaft Schule in Pfefikon Schwyz lernte. Die Bäume mussten weg damit mn mit den Maschinen rein konnte. Denn in Amerika, Kanada und Neuseeland macht man das so. Meinem Vater sagte mein Bruder du bist alt und verstehst nichts. Heute wo alle Böden in der Schweiz kapput sind erfinden sie das Rd wieder neu und verkauft altes Wissen als

    1. Das ist so gekommen wie sie oben sagte, da gehen sie in die Landwirtschaftliche Schule und lernen etwas was völlig befremdend ist. Bei uns hies es auch produziert wir werden die Absatzkanäle schaffen. Wir forschen und ihr müsst nur machen was wir sagen, dann kommt das gut. Und heute wo steht die Landwirtschaft im Allgemeinen?! Jeder darf da sein Bild selber zeichnen…!Betreffen Obst, Berufskollegen Ihr habt so viele Aternativen, lasst Euch nicht an der Nase rumführen mit den Direktzahlungen.

  2. Zurück zu den Wurzeln.
    Auf diese weise haben unsere Vorfahren über viele Generationen Landwirtschaft betrieben.
    Also nichts weiter als alter Wein in jungen Schläuchen.
    Ehrlich wäre doch wenn gesagt würde die moderne Landwirtschaft hat versagt. Gehen wir zurück zum Altbewährten.
    Dann noch weg mit den übergrossen Maschinen und die Zukunft kann beginnen.

  3. Nun tönt ja alles wunderbar. Wichtig dazu wäre auch biologische Landwirtschaft. Ohne Überdüngung und Monsterfahrzeugen. Nur Bäume alleine bringen nichts. Im weiten Umkreis sollte auf Insektenweide gesetzt werden. Brachen ect. mit Teichen für Frösche und Lurchen. Nur im ganzen macht es Sinn.

  4. Ja das siet jetzt noch gut aus. Winziger Baum bis auf 60cm heran Kulthuren. 6 Jahre Vorschung dazu.
    Wie siet das in 25 Jahren aus? Baum richtig gross dem entschbrechend Schattenwurf und schon mal bei richtiger Trockenheit unter solchen Baum geschaut? wiviel Gras da noch wächst? Geschweige den Ackerkulturen.Da hatt man dann eher 6 m abstand. Von wegen mehr ertrag.
    Bin selber seit 40 Jahren Biobauer und habe schon viel für die Bioversität getan aber die Eierlegende Wollmilchsau wird es nie g

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