Donnerstag, 22. April 2021
15.11.2013 10:31
Graubünden

Chance für Bündner Walnüsse

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Von: Brigitte Weidmann, lid

In der Bündner Nusstorten sollen künftig wieder mehr Bündner Nüsse stecken. Die IG Walnuss forciert deshalb den Anbau von Nussbäumen. Das Projekt ist auf Kurs.

Standen gemäss der eidgenössischen Obstbaumzählung 1951 noch 500’000 Walnussbäume in der Schweiz, so gibt es derzeit gerade noch 130’000 solche Exemplare. Kein Wunder verwenden die Bündner Bäcker für die Herstellung ihrer international bekannten Spezialität par excellence, der Bündner Nusstorte, zu 90 Prozent importierte Baumnüsse.

Dem will das „Walnussprojekt Graubünden“ mit dem neu gegründeten Verein „IG Walnusskompetenzzentrum“ Abhilfe schaffen: Ziel und Zweck des Vereins ist die Erhöhung der Walnussproduktion im Kanton Graubünden und einigen anliegenden Kantonen sowie die Planung und der Betrieb eines gemeinsamen Knack- und Verarbeitungszentrums für Walnüsse.

1’300 zugesicherte Walnussbäume

Entstanden ist die IG Walnuss unter der Federführung von Alpinavera (siehe Kasten). „Seit Ende Januar 13 Landwirte die IG Walnuss gegründet haben, sind unterdessen schon wieder einige Walnussproduzenten dazugestossen“, freut sich Jasmin Said Bucher, die Geschäftsführerin von Alpinavera. „Die Zahl der damals zugesicherten 1’000 Walnussbäume hat sich somit auf 1’300 erhöht“, sagt Said Bucher weiter. Darunter befinden sich aber nicht nur Bäume, die neu gepflanzt wurden oder gepflanzt werden, sondern auch schon bestehende Walnussbäume, deren Ertrag in die neu gegründete Produktionsgemeinschaft eingespiesen wird.

Alpinavera

Alpinavera ist ein überkantonaler Verein, der sich für die Vermarktung von Alp-, Berg- und Regionalprodukten aus den Kantonen Graubünden, Uri, Glarus und Tessin einsetzt. Damit die Produzenten – Bäcker, Metzger oder Käser – ihre Produkte mit dem Gütelabel Alpinavera versehen können, müssen sie die Richtlinien des Vereins einhalten. So haben etwa die Zutaten der handwerklich hergestellten Spezialitäten zu 75 Prozent aus den erwähnten Kantonen zu stammen. Um die Herkunft der Zutaten zu garantieren, werden die Produkte von einer unabhängigen Kontroll- und Zertifizierungsstelle regelmässig geprüft. Derzeit sind schon über 1’000 Alpinavera-Produkte auf dem Markt erhältlich.

Allein Johannes Janggen, Präsident der IG Walnuss sowie Landwirt und Walnussproduzent in Malans, beteiligt sich, nebst einigen alten Hochstamm-Walnussbäumen, mit 120 neu gepflanzten an der IG Walnuss. Auf einer Hektare Land haben etwa 50 Hochstämmer Platz. „Die meisten der neu gepflanzten Bäume befinden sich im vierten Standjahr“, erklärt der Landwirt. Denn das Walnussprojekt Graubünden begann mit ersten Abklärungen bereits 2008.

Bauern reisten nach Grenoble

Ab dem fünften Standjahr tragen die Bäume Walnüssse, aber erst ab dem zehnten bis zwölften Jahr werfen sie mir rund 50 Kilogramm Nüssen den vollen Ertrag ab. „Bei uns ist der Walnussanbau im grösseren Stil neu“, erläutert Johannes Janggen weiter. In Walnuss- Niederstammplantagen mit 150 Bäumen pro Hektar, wie sie etwa in der Nähe von Grenoble zu finden sind, ist hingegen mit neueren Sorten ein Ertrag von bis zu 70 Kilogramm möglich.

Während der Vorstudien-Phase des Walnussprojektes war eine Gruppe Bündner Landwirte, die sich für eine Projektbeteiligung interessierten, nach Grenoble gereist, um sich den professionellen Walnussanbau mit maschineller Ernte vor Ort anzusehen. Sie kehrten begeistert zurück, wie der Fortschritt des Projektes zeigt: Das Walnussprojekt Graubünden hat die Aufbauphase abgeschlossen und befindet sich nun in der Grundlagenetappe.

Gute Absatzchancen

Die operative Geschäftsführung dieser Phase obliegt Alpinavera. Jasmin Said Bucher ist sehr zufrieden damit, dass die IG Walnuss die Aufnahme ihres Walnussprojekts in das Programm „Projekte zur regionalen Entwicklung“ (PRE) geschafft hat. Denn dies bedeutet, dass die Aufbauphase und die Investitionen durch Beiträge vom Bund und dem Kanton Graubünden mitfinanziert werden. Die restlichen Investitionen sollen die beteiligten Landwirte selbst berappen.

Nun geht es darum, die Details der Finanzierung zu klären. Auch die Zusammenarbeit mit den Bäckern muss genauer definiert werden. Ein Knackpunkt im wahrsten Sinne des Wortes bildet die Planung des Knack- und Verarbeitunszentrums für Walnüsse. Nach der Klärung der Standortfrage – in Diskussion steht ein Standort in der Nähe von Schloss Salenegg in Maienfeld oder dann ein Standort im Berggebiet – geht es darum, die zu erwartenden Jahreserträge an Walnüssen abzuschätzen, um entsprechend den Betrieb des Verarbeitungszentrums zu planen. Am Ende der Grundlagenphase müssen die definitive Struktur sowie die Zusammenarbeit zwischen allen am Walnussprojekt beteiligten Partnern mit einem Rahmenvertrag festgelegt sein. Dann kann es zur Umsetzung des Projektes gehen.

Online bestellbar

Was jetzt schon klar ist: Die mit Bündner Walnüssen hergestellten Bündner Nusstorten werden im Verkauf etwas teurer zu stehen kommen als solche, die importierte Baumnüsse drin haben. Die Projektverantwortlichen zeigen sich aber zuversichtlich, dass die Konsumentinnen und Konsumenten bereit sind, diesen Aufpreis von einigen Franken pro Nusstorte zu bezahlen. Schliesslich wissen sie, wovon sie reden, denn im online-Shop von Alpinavera können Nusstorten mit Bündner Walnüssen bereits jetzt bestellt werden.

Zum Alpinvera-Onlineshop

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