Samstag, 27. Februar 2021
22.12.2020 14:04
Wald

Christbaum in der Krise gefragt

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Von: Ann Schärer, lid

Viele Unsicherheiten prägen die diesjährigen Weihnachtsvorbereitungen – darunter auch, ob Tannenbäume an Sonntagen verkauft werden dürfen. Trotzdem gehört für die meisten Menschen ein Christbaum zum Fest.

Weihnachtsfeiern im grossen Stil sind in diesem Jahr für einmal nicht gut planbar. Und auch Reisen in wärmere Gegenden dieser Welt aktuell kein Thema. Also nichts wie los und einen Weihnachtsbaum kaufen? Zwar ist insgesamt in der Schweiz eine solche Tendenz wahrnehmbar, doch gibt es grosse regionale Unterschiede.

Während Urs Sägesser aus Steinisweg am Wohlensee einen weit grösseren Andrang von Kundschaft erlebt als in anderen Jahren, kann Christian Utzinger aus dem zürcherischen Bülach bei seinem Weihnachtsbaumverkauf keinen Unterschied zu anderen Jahren feststellen.

Baumkauf auf Hof als Erlebnis

Urs Sägesser hat den Eindruck, es gehe beim Baumkauf – stärker als in Nicht-Coronajahren – auch darum, mit der Familie einen Ausflug unternehmen zu können. Und bei ihm auf dem Betrieb am Wohlensee gibt es dabei etwas Besonderes zu erleben: Die Christbäume dürfen gleich selber in der Natur ausgesucht und geschnitten werden. Ein Erlebnis, das in diesem Jahr besonders gut ankommt. Urs Sägesser schätzt, dass bei seinem Baumverkauf ab Hof die Nachfrage etwas höher ist als in anderen Jahren.

«Interessanterweise gilt das nur für den Verkauf ab Hof, bei unseren Marktständen bewegt sich die Nachfrage etwa im gleichen Rahmen wie sonst», sagt der Bio-Weihnachtsbaumproduzent. Er denke, dass viele Leute, die bisher über die Festtage in wärmere Regionen verreist sind, in diesem Jahr ebenfalls einen Baum kaufen und zu Hause bleiben.

Die meisten Weihnachtsbaumproduzentinnen und -produzenten konnten bisher einen leichten Anstieg der Nachfrage nach Christbäumen feststellen.
Urs Sägesser

Verwirrende Regeln

Zu schaffen machen ihm jedoch die aktuell verwirrenden Vorschriften für den Verkauf im Zusammenhang mit den Corona-Massnahmen. Denn gemäss den neuesten Regeln des Bundes müssen auch Hofläden am Sonntag geschlossen bleiben (siehe Newsbeitrag). Dabei spielt es keine Rolle, ob sie bedient sind oder über Selbstbedienung funktionieren. Das gilt grundsätzlich auch für den Weihnachtsbaumverkauf.

Da dies gebietsweise jedoch nicht mit den kantonalen Richtlinien übereinstimmt, kam es in den letzten Tagen immer wieder zu Verwirrungen. So hat beispielweise Urs Sägesser vom Sonderstab Corona des Kantons Bern die offizielle Erlaubnis erhalten, dass der Baumverkauf im Freien auch am Sonntag stattfinden darf.  

Mit dieser Verwirrung zwischen Bundes- und Kantonsvorgaben war in den letzten Tagen auch Philipp Gut, Geschäftsführer IG Suisse Christbaum, konfrontiert. «Ich habe viele Anrufe von Christbaumproduzenten erhalten, die verunsichert waren, ob sie am Sonntag Christbäume verkaufen dürfen oder nicht», sagt er.

Nachfrage setzte früher ein

Es sei dabei auch für ihn nicht immer einfach gewesen, diese Unsicherheit mit Gewissheit aus dem Weg zu räumen. Zu undurchsichtig sei die Lage vorübergehend gewesen, insbesondere aufgrund einer unklaren Formulierung des Bundesamtes für Gesundheit (BAG). Mittlerweile hat das BAG dies jedoch korrigiert und der Sonntagsverkauf von Weihnachtsbäumen bleibt bis auf weiteres untersagt.

«Von der Nachfrage her, gehe ich davon aus, dass diese ein bisschen höher ist als gewohnt. Doch das ist aktuell noch schwer zu sagen», sagt Gut. Er habe jedenfalls feststellen können, dass die Nachfrage nach Christbäumen früher eingesetzt hat, als dies üblich sei. «Dies könnte damit zusammenhängen, dass wir den Leuten empfohlen haben, den Weihnachtsbaum aufgrund der besonderen Lage, möglichst früh zu besorgen», meint er.

Darf der Weihnachtsbaumverkauf im Freien und ab Hof am Sonntag offen bleiben oder nicht? Diese Frage hat in den letzten Tagen viele Direktverkäufer beschäftigt.
Ann Schärer

Detailhandel zufrieden mit Baumverkauf

Bei den Grossverteilern ist der Weihnachtsbaumverkauf gut bis sehr gut angelaufen. «Wir stellen in diesem Jahr eine leicht steigende Nachfrage nach Weihnachtbäumen fest», sagt Andrea Luca Ruberti, Mediensprecher von Coop Schweiz. Coop bietet ab diesem Jahr ausschliesslich Weihnachtsbäume an, die in der Schweiz geschlagen wurden.

Auch beim Migros Genossenschaftsbund stellt man einen klaren Trend hin zu einheimischen Bäumen fest. «Um Aussagen zur diesjährigen Nachfrage nach Weihnachtsbäumen zu machen, ist es aktuell noch zu früh», sagt Migros-Pressesprecher, Patrick Stöpper. 

Obwohl es auch für die Landi Schweiz noch zu früh ist für detaillierte Auswertungen, zeigt sich Sandra Grossenbacher von der Pressestelle der Landi Schweiz zufrieden mit dem bisherigen Verlauf. «Der Verkauf ist bei all unseren Christbäumen sehr gut angelaufen. Bis zum heutigen Zeitpunkt wurden bereits mehr Christbäume verkauft als im selben Zeitraum in den Vorjahren», sagt Grossenbacher.

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