Montag, 8. August 2022
07.05.2021 13:34
Holz

«Schweizer Waldbesitzer profitieren kaum»

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Von: dha

Die aktuellen Preise ermöglichen weiterhin keine gewinnbringende Holzernte, die aber für die nachhaltige Bewirtschaftung und Holzversorgung wichtig wäre. Florian Landolt von WaldSchweiz erklärt im Interview, wie der Dachverband der Waldbesitzer die Bewegungen für den Schweizer Rundholzmarkt skizziert.

«Schweizer Bauer»: Wo bewegen sich die Rundholzpreise im Moment?
Florian Landolt, WaldSchweiz: Die Preise für Holz bewegen sich grundsätzlich auf einem historisch tiefen Niveau. Bis Anfang der 1990er-Jahre lag der durchschnittliche Holzpreis bei über 200 Franken pro Kubik, in den 1970er-Jahren gar noch über 300 Franken. Anfang 2021 lag der durchschnittliche Sortimentspreis bei der Fichte bei etwas über 70, bei der Tanne bei etwas über 65 Franken. Dies hat zur Folge, dass kostendeckendes Holzen immer schwieriger wird und die Anreize, Holz zu schlagen, entsprechend tief sind.

Ist der Preis in Bewegung?
International gibt es eine hohe Nachfrage nach Schnittholz. Dies hat zu Preisanstiegen geführt, welche in unseren Nachbarländern auch bessere Preise für Rundholz nach sich gezogen haben. Diese Preiserhöhungen fanden in der Schweiz mit wenigen Ausnahmen bis weit in den März hinein nicht statt. Das heisst, die schweizerische Waldwirtschaft konnte von der ansteigenden Nachfrage in Europa kaum profitieren. Kurzfristig ist Bewegung in diese Preise gekommen, im Hinblick auf die Holzereisaison jedoch zu einem sehr späten Zeitpunkt.

Gibt es Unterschiede zwischen den Sortimenten?
Nadelholz mit guter Qualität (B-Qualität) ist derzeit gesucht, und die Preise sind hier korrekter geworden. Am meisten gefragt ist nach unserem Wissensstand Holz für den Bau. Also gerade Stämme mit einem Durchmesser mit durchschnittlich 40 cm. Leider sind diese Sortimente in vielen Regionen wegen des Borkenkäferbefalls der letzten Jahre Mangelware. Hingegen ist viel Holz mit minderwertigen Qualitäten (C-Qualität) auf dem Markt. Für diese Hölzer sind die Preise tief geblieben. Das hängt auch damit zusammen, dass bei diesen Qualitäten viel Restholz anfällt, das die Sägereien schlechter verkaufen können als in den vergangenen Jahren. Die Nachfrage nach Zellstoff hat nämlich mit der Covid-Krise in Europa seit dem Frühling 2020 stark abgenommen.

Wie sieht zurzeit die Lage im Hinblick auf den Sommer aus?
Die Holzschlagsaison ist in der Schweiz schon bald zu Ende, insbesondere in den tieferen Lagen und im Wirtschaftswald. Dort erfolgen grössere Holzschläge in der Regel nur zwischen Oktober bis April. Entsprechend kommt Nachschub aus dem Wald auch erst in der nächsten Saison. Für die Holzereisaison 2020/21 rechnet die Eidg. Forschungsanstalt WSL mit einer Steigerung der Käferholzzahlen um rund 3% auf über 1,5 Millionen Kubik – mit dem zweithöchsten Wert seit dem Rekordjahr 2003. Der trocken-warme Sommer 2020 erlaubte dem Wald kaum Regenerationsmöglichkeiten, weshalb auch für 2021 mit mehr Befall von Fichtenbeständen zu rechnen ist. Das heisst, im Sommer wird voraussichtlich vor allem Käferholz geerntet, das vom Markt weniger nachgefragt wird.

Was könnte die aktuelle Grosswetterlage auf dem europäischen Holzmarkt für Einflüsse auf den Schweizer Markt haben?
Die internationale Verknappung hat wie bereits erläutert auch in der Schweiz zu einer erhöhten Nachfrage und bereits zu ersten Verknappungen und Lieferverzögerungen geführt. Zu wünschen ist, dass die international und mittlerweile auch in der Schweiz gestiegenen Preise für verarbeitetes Holz zumindest teilweise stabil bleiben und dass somit entsprechend auch die Waldeigentümer langfristig profitieren können.

Was wäre wünschenswert von Seiten der Waldbesitzer?
Für die Waldbesitzer wäre es einerseits wünschenswert, wenn die Holzpreise mittelfristig auf einem höheren Niveau als heute stabil bleiben würden. So, dass kostendeckendes Holzen wieder überall möglich wird. Und es ist andererseits wünschenswert, dass sich die Schweizer Marktteilnehmer zu Schweizer Holz bekennen und langfristige, zuverlässige Partnerschaften mit den Waldeigentümern eingehen. Und dies nicht nur in Zeiten von internationalen Lieferengpässen. Denn davon profitiert die gesamte Wertschöpfungskette, vom Waldbesitzer bis zum Hausbesitzer, der seinen Dachstock mit Schweizer Balken gebaut hat und dessen Stube mit Schweizer Holz geheizt wird.

Sägewerke und Verarbeitungsbetriebe laufen auf Hochtouren

Wartefristen von bis zu einem halben Jahr, wenn überhaupt und doppelte Preise für verarbeitete Produkte sind nur wenige Symptome der aktuellen Grosswetterlage auf dem europäischen Holzmarkt. Der Export nach Amerika läuft wie geschmiert. Sägewerke und Verarbeitungsbetriebe laufen auf Hochtouren, um die Nachfrage nur annähernd befriedigen zu können. Die Abnehmer wie Zimmereien in den jeweiligen Ländern kämpfen mit hohen Preisen und teilweise mit sehr schlechter Verfügbarkeit. Aus Sicht der Waldbesitzer ist die Situation ebenfalls unbefriedigend: Der Rundholzpreis ist in Europa nur unwesentlich gestiegen, er erlaubt immer noch keine gewinnbringende Holzernte.

Etwas spezieller ist der Markt in der Schweiz mit Rundholz und dem in der Schweiz verarbeiteten Konstruktionsholz. Hier wird von Abnehmern nur ein kleiner Preisaufschlag gemeldet. Nach einer Umfrage bei Zimmereibetrieben sind Preisaufschläge von etwa 15 bis 30% an der Tagesordnung, also nicht derart dramatisch wie in unseren Nachbarländern. dha

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