Samstag, 23. Oktober 2021
22.09.2021 10:15
Agrarpolitik

28’000 gegen Steuergelder für Fleisch- und Milchwerbung

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Von: blu/sda

28000 Unterzeichnete richten sich in einer Petition gegen Gelder für die Fleisch- und Milchwerbung unter den Marken «Schweizer Fleisch» und «Suisse Garantie». Das Schweizer Label sei mithin ein «Werbemärchen», schreibt die Umweltorganisation Greenpeace. Ziel der Petition: Den Konsum von Fleisch und Milch reduzieren.

Die Petition fordert vom Parlament, angesichts der Klima- und Biodiversitätskrise die Absatzförderung zu überprüfen und die Täuschung mit dem Label zu beenden. Wie Greenpeace ausführt, basiert die Petition auf einem Bericht der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften.

Futterimporte am Pranger

Darin zeigen die Forschenden die grosse Abhängigkeit der Schweizer Fleischproduktion von Futtermittelimporten auf. Mehr als die Hälfte des verwendeten Kraftfutters wird demnach importiert. Diese Importe schaden den Erzeugerländern wie etwa Brasilien, wo die freie Natur zugunsten einer intensiven Landwirtschaft zerstört wird.

Die Importe ermöglichen der Schweizer Landwirtschaft, mehr Tiere zu halten, als sie aus eigener Futterproduktion ernähren könnte. Dies wiederum führt nach Angaben von Greenpeace zu einer Überdüngung mit Ammoniak und zum Ausstoss der Treibhausgase Methan und Distickstoffoxid, die für das Klima weit verheerender sind als CO2. Zudem führe die Schweizer Landwirtschaft jährlich 25’000 Tonnen Jauche in die Nachbarländer aus.

Mit der Absatzförderung unterstützt der Bund Informationskampagnen über die gemeinwirtschaftlichen Leistungen gemäss Bundesverfassung, um das Bewusstsein der Konsumentinnen und Konsumenten dafür zu schärfen, dass der Kauf von Schweizer Landwirtschaftsprodukten auch die Erbringung dieser Leistungen fördert. Im Zentrum stehen somit die Landwirtinnen und Landwirte mit ihrer Arbeit und Leistung. Die Projekte müssen durch Eigenmittel finanziert werden. Das BLW beteiligt sich nur subsidiär. Die Finanzhilfe des Bundes beträgt höchstens 50 Prozent der anrechenbaren Kosten. Das BLW gewährt eine Finanzhilfe nur dann, wenn die Gesuchstellenden nachweisen, dass die für die Realisierung des Projekts notwendigen Eigenmittel vorhanden sind und die Kontinuität des Projektes damit gesichert ist

-> Mehr zur Absatzförderung durch den Bund

Lovely von den Schweizer Milchproduzenten (SMP) ist eine Werbeikone. Sie trat 1993 erstmals auf. Auch hier will Greenpeace die staatliche Gelder für die Werbung streichen,
SMP

Kein Geld für Fleisch- und Milchwerbung

«Der Bund gibt jedes Jahr Millionen von Franken für die Absatzförderung von landwirtschaftlichen Produkten aus», lässt sich Alexandra Gavilano, Projektleiterin Landwirtschaft und Klima von Greenpeace Schweiz, in der Mitteilung zitieren.

«Die Ausgaben für die Förderung von tierischen Produkten sind fast fünfmal so hoch wie jene für pflanzliche Produkte (39 gegenüber 8 Millionen Franken). Das bedeutet, dass der Bund den massiven Verbrauch von tierischen Produkten mit öffentlichen Geldern unterstützt, obwohl deren Erzeugung weitgehend von importierten Futtermitteln abhängt – insbesondere bei Schweinen und Geflügel», fährt sie fort.

Forderungen der Petition:

  • Keine Steuergelder für das Marketing der Fleisch-, Eier- und Milchbranche.
  • «realistische Angaben» zur Deklaration von «Schweizer» Fleisch-, Eier- und Milchprodukten.
  • die Förderung einer alternativen ökologischen und an den Standort Schweiz angepassten Landwirtschaft, die erheblich mehr Ackerboden direkt für die menschliche Ernährung zur Verfügung stellt, weil der grossflächige Futtermittelanbau für Tiere entfällt.
  • keine weitere Verzögerung der politischen Diskussion zur Agrarreform. Aus Sicht von Greenpeace braucht es schnellstmöglich eine Transition zu einer zukunftsfähigen Landwirtschaft.

Landwirtschaft reformieren

Greenpeace will die Schweizer Landwirtschaft neu gestalten und reformieren. Und die Umweltschützer wollen das Konsumverhalten der Bevölkerung ändern und steuern. Diese Petition ist ein Teil davon. Die Organisation will den Konsum und die Produktion von Tierprodukten reduzieren. Die klimatischen Auswirkungen der Nutztierhaltung weltweit seien vergleichbar mit denen des Verkehrs. Die Nutztierhaltung habe «verheerende Auswirkungen auf das Klima und auf die Artenvielfalt» und verursache die Entwaldung.

«Das Engagement der Schweiz für die Biodiversität und den Klimaschutz endet derzeit an der Tür der Agrarpolitik», so Alexandra Gavilano. Das Nein zu den Agrar-Initiativen sei kein Blankoscheck für die Beibehaltung des aktuellen Status quo in der Agrarpolitik. «Wir können nicht warten, bis die Biodiversität und das Klima kollabieren. Wir müssen jetzt die Schweizer Landwirtschaft von morgen erfinden, damit sie sich an die globalen Veränderungen auf unserem Planeten anpassen kann», fordert Gavilano. Sie weist auf die Vision für eine ökologische, nährstoffreiche, widerstandsfähige und tierfreundliche Landwirtschaft hin.

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2 Responses

  1. Der Bund gibt jedes Jahr Millionen von Franken für die Absatzförderung von landwirtschaftlichen Produkten aus.
    Wie sieht es mit den Produkten der KMU Betriebe aus die die Werbung selber Finanzieren müssen.
    Sollten die Bauern einmal auch an diese Unternehmen denken und dankbar und zufrieden sein.

  2. Gerade am Beispiel Methan zeigt sich die Verlogenheit der Klimapolitik. Der Tierbestand hat in den letzten 30 Jahren massiv abgenommen. Globale Studien zeigen, dass die Methanquellen vielfälltig sind und die Landwirtschaft daran einen kleinen Anteil hat. Es ist einfach auf Schuldige zu zeigen und den Massen eine Lösung vorzugaukeln. Ziel ist ganz klar das Überleben des Vereins und nicht die Nachhaltigkeit der Produktion oder der Schutz der Umwelt.

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