Sonntag, 18. April 2021
01.04.2021 10:00
Landwirtschaftsinitiativen

«Agrar-Initiativen gefährden regionale Landwirtschaft»

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Von: Ralph Dietsche

Die Annahme der beiden Agrarinitiativen hätte für die Schweizer Gemüseproduzenten gravierende Folgen. Denn diese rechnen mit Ernteausfällen von über 25 Prozent und zusätzlichen Kosten. Folglich würde das einheimische Gemüse zu einem Luxusgut verkommen, befürchten die Produzenten.

Erika und Walter Gasser führen den Böschenhof in Au SG in dritter Generation. Sie beschäftigen je nach Saison zwischen fünf und 100 Personen. Produziert werden Erdbeeren, Salate, Blumenkohl, Spinat, Zucchetti, Randen, gelbe Räben, Karotten, Kürbisse, Ribelmais, Dinkel und Schnittblumen.

Kundschaft erwartet einwandfreie Produkte

Von Beginn weg konzentrierte sich die Familie Gasser auf den Ackerbau. Einen Teil der Produkte vermarktet sie direkt über den Hofladen oder den Selbstbedienungs-Kühlschrank vor Ort. Dieser Absatzkanal gewinnt von Jahr zu Jahr an Bedeutung. Der Grossteil des Gemüses wird über den Detailhandel verkauft.

«Die Kundschaft erwartet optisch einwandfreie, lagerfähige und frische Produkte aus der Region zu möglichst günstigen Preisen», weiss Walter Gasser. Diese Anforderungen vermag der Erdbeer- und Gemüseproduzent bis heute zu erfüllen. Unter anderem dank dem gezielten und punktuellen Einsatz von Pflanzenschutzmittel. Die beiden Agrar-Initiativen bereiten ihm deshalb Bauchschmerzen: «Sie gefährden die regionale, einheimische Produktion und verteuern die Lebensmittel massiv.»

Bei Schädlingsbefahl droht Totalausfall

Aus der Sicht von Walter Gasser ist eine weitere Verschärfung der Vorschriften unnötig. «Es ist in unserem Interesse möglichst wenig Pflanzenschutzmittel einzusetzen. Allein schon aus Kostengründen. Allerdings ist dies nicht immer möglich. Werden bei einem Kontrollgang Schädlinge oder ein Pilzbefall festgestellt, müssen wir handeln, um nicht die ganze Ernte zu verlieren. Dies wäre künftig nicht mehr möglich», erklärt Walter Gasser.

Heute zählt der Rheintaler Gemüseproduzent auf das Fachwissen von verschiedenen, spezialisierten Beratern. Unter anderem vom Landwirtschaftlichen Zentrum in Salez. Diese unterstützen sämtliche Landwirte in der Region und begehen jede Woche die Felder. Dadurch erkennen die externen Fachpersonen frühzeitig allfällige Gefahren und können entsprechende Massnahmen empfehlen. «Heute erfolgt das Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln viel dosierter als noch vor ein paar Jahren», versichert Walter Gasser.

Pflanzenschutz macht grosse Fortschritte

Hinzu komme, dass die Forschung und Entwicklung auch beim Pflanzenschutz enorme Fortschritte mache: «Heute können Blattläuse bekämpft werden, ohne dass beispielsweise Marienkäfer darunter leiden.» Hinzu kommt, dass 20 Prozent der Betriebsfläche als Biodiversitätsförderflächen bewirtschaftet werden. Dies ist fast das Dreifache der verlangten 7 Prozent

Die zu bewirtschaftenden Felder der Familie Gasser befinden sich direkt an der Autobahn A13 sowie in Dorfnähe im Erholungsgebiet: «Wir stehen dadurch unter ständiger Beobachtung unserer Kundinnen und Kunden», sagt Gasser. Dies hat den Vorteil, dass ab und zu ein Austausch stattfindet: «Im ländlichen Raum steht ein grosser Teil der Bevölkerung hinter der Landwirtschaft. In städtischen Gegenden sieht es anders aus. Dort fehlt der Bezug zur Landwirtschaft.»

Der Gemüseproduzent Walter Gasser kontrolliert den Wuchs des Spinats auf seinem Feld in Au SG
Ralph Dietsche

Folgen für Betrieb sind noch unklar

Dennoch sollten sich auch jene Konsumentinnen und Konsumenten bewusst sein, dass die Annahme der beiden Agrar-Initiativen für sie direkte Auswirkungen hätten. Nebst der Erhöhung der Preise für einheimische Lebensmittel würden auch Arbeitsplätze in der gesamten Wertschöpfungskette gefährdet sowie die Umweltbilanz verschlechtert. Denn wenn in der Schweiz weniger Lebensmittel produziert werden, müssen diese vom Ausland importiert werden.

Ob es unter verschärften Bedingungen noch rentabel ist, im grossen Stil Gemüse und Erdbeeren in der Schweiz anzupflanzen, kann heute noch nicht abschliessend beurteilt werden. Die Produktionsmengen werden aber mit Sicherheit sinken. «Die Kunden müssten bereit sein, einen deutlich höheren Preis zu bezahlen. Dieser müsste die Ernteausfälle und die Zusatzleistungen decken. Zudem dürften an die optische Qualität sowie die Lagerfähigkeit des frischen Gemüses nicht mehr dieselben Ansprüche gestellt werden», gibt Walter Gasser zu bedenken.

Ausland würde profitieren

Aus seiner Sicht ist es naheliegend, dass Grossverteiler bei einer Annahme der Initiativen auf billige, ausländische Produkte ausweichen und Konsumenten zum Einkaufstourismus animiert werden. «Ich glaube jedoch, dass dies nicht das Ziel der Initianten ist», hofft Walter Gasser.

Sollte die Kundschaft künftig tatsächlich ausbleiben, gäbe es für seinen Betrieb nur eine Alternative: «Wir müssten unsere Produktion einstellen und auf die Biodiversität setzen, um die entsprechenden Unterstützungsbeiträge beim Bund abzuholen. So würden wir keine Risiken eingehen und wüssten anfangs Jahr mit was für Einnahmen wir rechnen können. Die Landschaftspflege könnte ich wohl alleine erledigen.»

Soweit soll es nicht kommen: «Dies würde mich nicht erfüllen.» Deshalb hofft Walter Gasser auf die Vernunft der Bevölkerung: «Wenn wir jetzt die Produktion der landwirtschaftlichen Erzeugnisse runterfahren, sinkt die Versorgungssicherheit und wertvolles Wissen geht verloren. Dieses kann man sich im Krisenfall nicht einfach wieder auf die Schnelle aneignen.» Die weitreichenden Folgen müssen einem beim Ausfüllen der Abstimmungsunterlagen bewusst sein.

Zwei Volksinitiativen

Die Pestizidverbots-Initiative fordert ein Verbot synthetischer Pflanzenschutzmittel in der landwirtschaftlichen Produktion, in der Verarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse und in der Boden- und Landschaftspflege. Verboten werden soll auch der Import von Lebensmitteln, die mit synthetischen Pflanzenschutzmittel hergestellt wurden oder die solche enthalten.

Die Trinkwasser-Initiative verlangt, dass nur noch Bauern Direktzahlungen erhalten, die auf Pflanzenschutzmittel, vorbeugend oder systematisch verabreichte Antibiotika und zugekauftes Futter verzichten. Auch die landwirtschaftliche Forschung, Beratung und Ausbildung soll nur unter diesen Bedingungen Geld vom Bund erhalten.

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31 Responses

  1. Die Angelegenheit ist für Normal Bürger zu speziell was er abstimmen soll. Trinkwasser mit Spritzmittel will niemand.
    Daher werden viele ja stimmen. Es wurde zu lange gewartet, bis mit weniger oder ohne? Spritzmittel Produziert wird,

    1. Du scheinst von der Materie keine grosse Ahnung zu haben. Weniger oder keine Spritzmittel geht halt nicht einfach so. Sonst hast du einen leeren Teller.

        1. In 55% aller Zitrusfrüchte ist das giftige Chlorpyrifos enthalten. Dieses Gift ist auf dem Poster der Pestizidinitiative aufgeführt. Der Witz ist nur: Es ist in der Schweiz auf Früchtern gar nicht erlaubt. Das Chlorpyrifos wird „importiert“ auf Zitronen und Co. und wir raspeln die Schale ins Cake oder legen einen Schnitz in den Gin. Alkohol löst das Gift aus der Schale. Das sind die Fakten…..

        2. Die Landwirtschaft ist nur für 1% aller chemischen Stoffe im Rhein verantwortlich. Wir sollten uns auch auf die übrigen 99% fokussieren.
          Beispiel: Im Biolandbau wurde das chemisch synthetische Insektizid „Permethrin“ im Jahre 2010 verboten. In der Humanmedizin ist es noch heute erlaubt. Die Initiativen machen aber die Landwirtschaft dafür verantwortlich. Bitte googeln Sie den Begriff „Permetrhin“ oder „DEET“. PERMETHRIN WIRD ZUR BEHANDLUNG VON KOPFLÄUSEN BEI KINDERN EINGESETZT!

      1. Ich bin Biobauer für 2XNEIN …. zu Ihrer Info:
        Die Landwirtschaft ist nur für 1% aller chemischen Stoffe im Rhein verantwortlich. Wir sollten uns auch auf die übrigen 99% fokussieren.
        Beispiel: Im Biolandbau wurde das chemisch synthetische Insektizid „Permetrhin“ im Jahre 2010 verboten. In der Humanmedizin ist es noch heute erlaubt. Die Initiativen machen aber die Landwirtchaft dafür verantwortlich. und das ist gefährlich. Wenn Sie unschlüssig sind, so informieren Sie sich selbst. Bitte googeln

    2. Die Landwirtschaft ist nur für 1% aller chemischen Stoffe im Rhein verantwortlich. Wir sollten uns auch auf die übrigen 99% fokussieren.
      Beispiel: Im Biolandbau wurde das chemisch synthetische Insektizid „Permetrhin“ im Jahre 2010 verboten. In der Humanmedizin ist es noch heute erlaubt. Die Initiativen machen aber die Landwirtchaft dafür verantwortlich. und das ist gefährlich. Wenn Sie unschlüssig sind, so informieren Sie sich selbst. Bitte googeln Sie den Begriff „Permetrhin“ oder „DEET“.

        1. Gusti sagt „Bio“ und meint eigentlich „Bevölkerungsreduktion“. Das heisst er ist gegen das Leben der Menschen. Gusti beherrscht eben den linken „Neusprech“. Die Worte werden so verdreht, dass die Arglosen meinen, es handle sich um etwas Gutes (Bio), in Wirklichkeit handelt es sich um Vernichtung von menschlichem Leben (Umwelt ist wichtiger als der Mensch. Umwelt wird dadurch „geschützt“, indem Menschen vernichtet werden.)

    3. Ich kann es nicht glauben, dass ihr lieber unsere Lebensmittel vom Ausland produzieren lässt!!! Wen ich die Wasserproben von der Schweiz mit dem Ausland vergleiche dan haben wir ein sehr sauberes Wasser. So lange Pestizide in Gärten, Hausfasaden, Badezimmeranstriche etc. angewandt werden dürfen. 2xNein danke der Schweizer Landwirtschaft für eure tolle Arbeit

      1. Hört doch mal auf mit diesem Import geschwafel. Klingt ja so als ob die schweizer Landwirte nur noch mit Pestiziden produzieren können! Und sonst wächst gar nichts mehr?
        Absolut Realitätsfehrn. Ihr habt nur schiss vor der Herausforderung….

  2. Glauben den die Kommunisten wirklich, wenn es heute vor der Abstimmung ohne Pflanzenschutzmittel einfacher und wirtschaftlicher wäre marktgerecht zu produzieren, die Landwirtschaft sei an den Kosten für die Mittel interessiert?
    Auch wenn es die Konsumenten nicht gerne hören. Das ganze Desaster ist nicht allein der Bauer Schuld!

    1. Sie haben genau recht! Bravo!
      Kauft der Konsument mehr Bio, so wird auch mehr Bio produziert. Aber: Auch der Biolandbau ist auf Pflanzenschutzmittel angewiesen …. nur sagt diese Tatsache kaum ein Bio-Bauer öffentlich unter den Befürwortern öffentlich.

    2. Es ist wie bei der Corona-„Pandemie“. Aus einer Mücke wird ein Elefant gemacht. Bei der Agrarpolitik ist es dasselbe. „Informieren Hilft“ redet von „Desaster“. Das wird alles herbeigeredet. Das ist kommunistische Taktik: Probleme herbeireden, das Volk spalten, um herrschen zu können. Die wenigen Kommunisten schafften es 1917 ein mehrheitlich christliches Land (RU) in den Kommunismus, und damit ins Elend zu führen. Kämpfen und beten wir darum, dass ihnen das nicht auch mit der Schweiz gelingt.

  3. Alex, hast du eine Begründung für den Schwachsinn?
    Wie schon heute, kommen durch Importe immer wieder neue Schädlinge, Pilz, Pflanzen und Tierkrankheiten in unserer Land.
    Damit kämpfen die Bauern allein, ohne Interessen der Kommunisten.
    Und eben, ohne Pflanzen und Tierschutz, der medizinierten Gesellschaft!

      1. Ja Gusti, Ihre Kommentare sind genau so flüssiger als Wasser, wie die von Beat.
        Nämlich überflüssig.

        Auch dieser, von mir geschriebenen Kommentar wäre eigentlich überflüssig ,weil er nichts zur Sache hat.
        Darum bleiben auch Sie bei der Sache!

        1. „Die Sache“ hat immer Hintergründe. Zu sagen, dass die Hintergründe (Motivation, Ziele, Gesinnung der „ach so besorgten Bürger“) nichts mit der „Sache“ (zum vorliegenden Thema (Agrarpolitik, Anschuldigung der Landwirtschaft, Verhinderung technischen Fortschrittes) zu tun hätten, ist so, wie man sagen würde, dass die oberirdisch sichtbaren Pflanzenteilen nichts mit den Wurzel und dem Boden zu tun hätten.

  4. Die ganze TWI – Pestizidinitiativen sind auf lügen aufgebaut, was produzierende Landwirtschaft kaputt macht um Lebensmittel billig zu importieren. Es geht nicht um Trinkwasser sonst würden die privaten Gärten Gemeinden wie (SBB mit 5500l Glyphosat) ebenfalls betreffen. Wieso dürften die weiter Wasser vergiften ?
    Betet damit die Bevölkerung diese lügeinitativenrechtzeitig durchschaut und 2x ein NEIN in die Urne legen.

    1. Bio-Bauer 2xNein sagt dazu: Die Landwirtschaft ist nur für 1% aller chemischen Stoffe im Rhein verantwortlich. Wir sollten uns auch auf die übrigen 99% fokussieren.
      Beispiel: Im Biolandbau wurde das chemisch synthetische Insektizid „Permetrhin“ im Jahre 2010 verboten. In der Humanmedizin ist es noch heute erlaubt. Die Initiativen machen aber die Landwirtchaft dafür verantwortlich. und das ist gefährlich. Bitte googeln Sie den Begriff „Permetrhin“ oder „DEET“

      1. Gerade in der Humanmedizin sollte man besser hinschauen. Von diesen Humans gibts eh schon genug und sind für die Umwelt sowiso nicht so gut!

        1. Gusti, was sagst du da? Provozierst du eigentlich nur? „Humans (= Menschen) sind nicht gut für die Umwelt“? Bist du ein Befürworter der Bevölkerungsreduktion? Dein Charakter und deine Einstellung werden immer klarer offenbar.

    1. Liebe Berty. Das Käferproblem ist bereits gelöst. Es gibt rein natürliche Bekämpfungsmethoden, die leicht anwendbar sind. Z.B. Schadbazillen oder Gesteinsmehle.

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