Montag, 8. März 2021
05.02.2021 17:40
Zuckerrüben

«Ein Schlag ins Gesicht der Rübenbauern»

Share on print
Share on email
Share on facebook
Share on twitter
Von: blu

Die Kommission für Wirtschaft und Abgaben des Nationalrates (WAK-N) hat diese Woche über Anträge zu den Zuckerrüben und zu Zucker entschieden. Die beantragte Kürzung des Einzelkulturbeitrags verärgert die Rübenbauern. Dieser Entscheid gefährde die Zuckerproduktion.

Die EU hatte 2017 die Produktionsmengen freigegeben und Exportbeschränkungen aufgehoben. Das brachte den Zuckerpreis in der Schweiz unter Druck.

Massnahmen laufen Ende 2021 aus

Der Bundesrat hat Ende 2018 den Beitrag pro Hektare Zuckerrüben vorübergehend um 300 auf 2100 Franken erhöht und den Grenzschutz pro Tonne Zucker bei mindestens 70 Franken pro Tonne festgelegt. Diese Massnahmen laufen 2021 aus.

Die WAK-N hat sich diese Woche mit der Zuckerbranche und deren Zukunft befasst. Zuckerimporte sollen weiterhin mit 70 Franken Zoll pro Tonne belegt werden. Beim Einzelkulturbeitrag fordert die Kommission Anpassungen. Bei Zuckerrüben, die gemäss ökologischem Leistungsnachweis angebaut werden, soll der Beitrag auf 1500 Franken pro Hektare und Jahr gekürzt werden.

Im Gegenzug soll es für biologisch angebaute Zuckerrüben einen Zuschlag von 700 Franken und für fungizid- und insektizidfrei angebaute Zuckerrüben 500 Franken pro Hektare und Jahr geben.

«Branche hat grosse Anstrengungen unternommen»

Der Schweizerische Verband der Zuckerrübenpflanzer (SVZ) begrüsst den Entscheid der WAK-N, den Mindestgrenzschutz von 70 Franken pro Tonne Zucker im Gesetz festzusetzen. Dass die Kommission den Einzelkulturbeitrag für konventionelle Zuckerrüben um 600 Franken gekürzt werden soll, kann der SVZ nicht nachvollziehen.

«Dies ist ein Schlag ins Gesicht für über 4000 Landwirte, die in den letzten Jahren grosse Anstrengungen für eine nachhaltige und ökologische Produktion unternommen haben», lauten die deutlichen Worte in der Mitteilung. Die Branche habe eine IP-Suisse-Rübenproduktion aufgebaut. 2020 wurden rund 1200 ha der insgesamt rund 17’000 ha Zuckerrübenfläche nach IP-Suisse-Richtlinien angebaut. 2021 wird die Fläche auf 3000 ha ausgedehnt. Die Bio-Fläche konnte 2020 gemäss SVZ nur um 10 auf 170 ha ausgebaut werden.

«Betrag reicht nicht aus»

Zwar werden die Einzelkulturbeiträge für die Label-Rüben, biologisch (2200 Fr.) sowie fungizid- und insektizidfrei (2000 Fr.), erhöht. «Diese Beitragshöhe reicht nicht aus, um die besonders ökologischen Produktionsformen genügend zu fördern», warnen die Rübenpflanzer.

Sollte der Mehrheitsantrag im Parlament eine Mehrheit finden, sieht der Verband dunkle Wolken am Rübenhimmel aufziehen. «Die Zuckerrübenanbaufläche wird einbrechen. Die Zukunft der  Verarbeitungsbetriebe ist in Gefahr», mahnt der Verband. Um die Schweizer Zuckerwirtschaft zu erhalten, brauche es sowohl den Mindestgrenzschutz als auch den Einzelkulturbeitrag auf heutiger Höhe für ÖLN-Zuckerrüben. Das wären 2100 Franken pro Hektare.

«Fatales Zeichen»

Für die Schweizer Zucker AG, die die Zuckerfabriken in Aarberg BE und Frauenfeld TG betreibt, ist der Entscheid der WAK ein «fatales Zeichen». Dass der Grenzschutz verankert werden soll, wird begrüsst. Die Kürzung des Einzelkulturbeitrages für konventionelle Zuckerrüben gefährde die landeseigene Versorgung mit Zucker.

Das Unternehmen befürchtet, dass bei einer Kürzung in absehbarer Zeit viele Bauern aus dem Zuckerrübenanbau aussteigen. Diese führe dazu, dass die Rübenmengen sinken.  Für eine effiziente Zuckerproduktion wären die Mengen zu tief. Die Förderung von IP-Suisse- und Bio-Rüben wird zwar begrüsst. Diese könnten den Rückgang bei den konventionellen Zuckerrüben nicht kompensieren.

Fabriken müssten schliessen

«Der Rückgang führt zur Schliessung einer der beiden Zuckerfabriken», warnt Schweizer Zucker. Eine Studie im Auftrag des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW) zeige auf, dass die Wirtschaftlichkeit mit dem Betrieb von lediglich einer Fabrik nicht mehr gegeben ist. Das würde dazu führen, dass die Zuckerproduktion in der Schweiz eingestellt werden müsste. 300 Mitarbeitende, davon 30 Lernende, würden ihren Job verlieren.

24 Responses

  1. man muss einfach einsehen dass Zucker ein Produkt ist welches sich nicht als Schweizer Produkt verkaufen lässt. Zucker wir vor allem in verarbeiteten Produkten verwendet. Und bei solchen produkten ist es dem Konsument egal woher die Rohstoffe kommen. Zucker ist definitiv kein wichtiger Landw. Rohstoff. ausser es ist Bio, wie bei allen Produkten.Ohne DZ ist die Rübe weg, also nicht konkurenzfähig.das sagt alles.

    1. Ohne DZ ist alles weg ob konventionell oder bio..
      Es überleben nur die grossen rationell geführten betriebe..
      Das ganze hobbytum stirbt, ende ballenberg..
      DZ ist nur noch oekoterror

      1. dann musst du bei der TWI ja stimmen. dann kannst du bauern wie du willst, niemand der ökoterror macht, keine vorschriften mehr endlich frei.kein ballenberger hobbybauern, ja zur trinkwasserinitiative löst ganz viele probleme. darum ein überzeugtes ja am 13.juni. bravo, und danke von einem bauerunternehmer.

  2. Wenn die Zuckerfabrik die Preise jährlich senken können dann kann ja auch der Bund seine zuschüsse senken… ab da ist der aufschrei grösser weder wenn die zuckerzuschläge gesenkt werden und wir Landwirte wider weniger gelderlöss haben.

  3. Kann mir einer mal Sagen Was mann noch verdient auf die Hektare Säen, 4 mal Splitbehandlung, deine Stunden mit Traktor, Mittel, Roba, Maus, Wieder deine Stunden mit Fahren macht dasmal ohne DZ Zahlen

  4. Mit dem Wegfall der Kulturbeiträge fallen wir auf das Niveau von einer Ha Weizen mit unserem Verdienst. Da der Weizen aber einfacher anzubauen ist als die Zuckerrübe werden wir wahrscheinlich den Rübenanbau nicht lange so weiterführen können. Mann bedenke das die EU für den Rübenanbau eine Sonderzulassung für Gaucco gegeben hat, und die Schweiz nicht. Dies wird den Anbau eher verteuern als günstiger machen. Schade ich habe mich gerade dieses Jahr für den Anbau nach IP Suisse entschieden!

    1. es hat nicht die eu eine sonderzulassung gegeben, sonder vereinzelte länder. und auch in den ländern nicht überall.aber vielleicht sollten wir halt der EU beitreten.

  5. Zucker ist gut und tut gut ! Leider ist sich unsere Überflussgesellschaft sich dessen nicht bewusst ! Dank warmen Jahren, im nicht Virusseuchengebiet konnten wirklich gute Erträge eingebracht werden. Es drohen aber kalte Jahre, die Erträge werden sinken. Produzenten in der Westschweiz sind Leidgeprüft. Wenn der obengenannte Vorschlag durchkommt, ist es das aus für die CH Fabriken. Rübenproduzenten arbeiten aus Überzeugung und Leidenschaft. Irgendwann bricht der Krug !

    1. Überzeugung und Leidenschaft: schön, dass die ZR-Produzenten so uneigennützig sind. Dann sind ja auch tiefere Preise und tiefere DZ verkraftbar.
      Ist gut und tut gut: Vor wenigen Jahrhunderten kannte Europa den Zucker (Saccharose) noch nicht und die Leute überlebten trotzdem. Dann wurde er Luxusgut und heute billiges Massengut. Betr. Gesundheit ist der Zucker heute wie Fett, Nikotin, Salz, Alkohol und Drogen…..!!!

      1. Ja, Überzeugung und Leidenschaft ! Ich denke , das ist bei allen Bauern so . Wer Zucker als Luxusgut darstellt , hat keine Ahnung von Zuckerrüben.. Rüben sind das Zeugniss von jedem Ackerbauer !
        Zucker ist gut ist gut und tut gut !!

        1. Wer nicht einsehen will, dass Weisszucker heute von den Konsumenten nur noch als billige „Commody“ im Mittelalter hingegen als Luxusgut betrachtet wurde, hat von Geschichte keine Ahnung.
          Im Mittelalter war Pfeffer teurer als Gold. Er wurde damals wie heute mit den gleichen Techniken, mit viel Aufwand produziert. Er Pfeffer ist heute eine billige Commodity.
          Wer Zucker in Bedeutung und Wert überhöht darstellt, leidet an Realitätsverzerrung!

  6. Wieso wird der sogenannte Grenzschutz nicht in eine „Vorgezogene Entschädigungsgebühr für Schweizer Rübenproduzenten“ umgewandelt? Bei allen möglichen und unmöglichen Recyclinggebühren geht das ja auch! 😉
    Gut, über den Namen könnte man vielleicht noch diskutieren… aber das währe auf jedenfall kein Zoll und keine Produkteverbilligung!

  7. Ich verstehe nicht , warum unsere Regierung am liebsten alles zu Boden fahren uns alles ins Ausland verscherbeln wollen.
    Zudem sind wir auf dem besten Weg “ Geiz ist geil“ @ Deutschland nachzuahmen. Die leidtragendenden sind immer die Urproduzenten. Eder Händler und Zwischenhändler sahnt kräftig ab.
    Öffnet mal eure Augen. Ansonsten kann ich nur hoffen, dass ihr für eure Arbeit auch nur noch einen Hungerlohn bekommt

    1. Würde ein Schumacher heute noch „normale“ Schuhe“ produzieren, die vor einigen 100 Jahren noch ein Luxusgut waren, würde auch er heute dafür nur noch einen „Hungerlohn“ bekommen!

      Die Zeiten ändern sich.

      1. Aber wieso müssen wir Lebensmittel produzieren, wie andere Mode produzieren? Möglichst jede Saison wieder etwas ganz Neues?
        Wieso werden Bauern als besonders inovativ bezeichnet,wenn sie den Leuten übeteuerten Schischi andrehen, wenn sie jedoch ganz ‚gewöhnliche‘ qualitiv gute und lebenswichtige Nahrungsmittel produzieren, sind sie Ewiggestrige?
        Und: viele die heute unsere Schuhe produzieren bekommen auch nur einen Hungerlohn!
        Ich denke das Ganze ist vor allem ein Luxus- oder Wohlstandsproblem.

  8. Liebe Fachmänner und Fachfrauen auf diesem Gebiet, erlauben Sie folgende Anektote und Anregung. Als unsereins die Primarschule besuchte, wurde aus dem Dorf eine Zuckerrübe geholt und Zuckermelasse pruduziert. Fakt: Herkunft, Zweck, Verarbeitung wurde vermittelt, wird das heute noch unterrichtet ?Im weiteren wurde die demeter und Bio Produktion „wieder“ aufgegriffen. Eine gute Sache, wenn sie denn „ehrlich“ betrieben wird. „hüben wie drüben“. Im Haushalt befindet sich coop und migros Zucker.

  9. Beides wurde in der Schweiz produziert.
    Ebenso kaufe ich Zucker via Landi aus Aarberg oder dann auch mal aus Verg. Rupperswil.
    Ich habe aber als Konsumentin kaum auf Bio. Zucker aus der Schweiz den Fokus gerichtet gehabt.
    Würde ich dies mehr tun, währe euch dann geholfen? Müsste ich dann das doppelte oder gar das 3 fache an Preis berappen. Realität ist: bessere Qualität zum gleichen Preis, dann könnte Niemand nein sagen. Wenn ihr alle umstellt in der Schweiz und zusammenhält, wer weiss?

  10. Und:Meiner Meinung nach, markiert Präsenz, dass es euch gibt!!!
    Wo seid Ihr? Wo sind die grossen Berichte von euch in den Medien? Wo im Laden sehe ich euch? Wo bewirbt ihr aktiv euern Zucker?
    WO IST DIE DEMO FÜR EUREN ZUCKER in Bern?
    Ich wünschte mir, dass ihr für euer CH Produkt gemeinsam kämpft.
    Auf!!!
    Produziert weiter Bauern, gemeinsam, im Einklang und Respekt mit eurem Grund und Boden.

  11. Von wegen „Schlag ins Gesicht der 4000 Rübenpflanzer“ durch die von der WAK angestrebte Senkung des Flächenbeitrages für konventionelle Zuckerrüben. Der Vorstand des Verbandes der schweizerischen Zuckerrübenpflanzer SVZ hat es allen vorgemacht ,wie das geht. Er hat den Zuckerrübenpreis für die Ernte 2021 bei steigenden Zuckerverkaufspreisen gesenkt. Das nennt man einen Schlag ins Gesicht der Pflanzer!

  12. warum soll der bund mehr bezahlen wenn die bauern selber die preise senken. aber ist klar, ZR sind gleichbedeutend mit viel DZ, der ertrag spielt für viele keine rolle mehr. früher waren die bauern mit buntbrach sie bösen die nur wegen des geldes etwas machten. heute sind es die rübenbauern. DZ über allem .aber nachher mit traktoren rüben führen, wo der LKW viel billiger wär. ZR verursachen von allen kulturen wohl am meisten tranportkosten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

SCHWEIZER BAUER

DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE