Montag, 17. Mai 2021
24.04.2021 12:48
Kleinbauern

«Grossbauernverband hat sich verirrt»

Share on print
Share on email
Share on facebook
Share on twitter
Von: sal

Die Kleinbauernvereinigung hat Nationalrat Kilian Baumann (Grüne, BE) zu ihrem neuen Präsidenten gewählt. An der digital durchgeführten Veranstaltung sagte Baumann, der Schweizer Bauernverband sei politisch auf dem Holzweg.

Regina Fuhrer, Biobäuerin aus Burgistein BE und SP-Grossrätin, präsidierte zehn Jahre lang die Kleinbauern-Vereinigung (VKMB). Letztes Jahr kündigte sie ihren Rücktritt an. An der digital durchgeführten Jahresversammlung wurde sie von Vizepräsident Jean-Marie Minka lobend verabschiedet. Sie habe den Vorstand verjüngt und schlagkräftiger gemacht, und dank ihr sei die Kleinbauern-Vereinigung medial präsenter geworden. Sie habe in der Zusammenarbeit mit Politik und Behörden die Anliegen der VKMB «immer menschlich, aber klar und konsequent in der Sache» eingebracht. Mit ihr traten auch Alois Rölli, Ruedi Kunz, Ruth Berchtold und Markus Schwegler aus dem Vorstand zurück. Rölli war seit 1980 als Gründungsmitglied der Vereinigung in deren Vorstand gesessen.

Baumann ist neuer Präsident

Schon im Vorfeld der Versammlung war Kilian Baumann schriftlich zum neuen Präsidenten der Kleinbauern-Vereinigung gewählt worden. Vizepräsident Minka verwies auf sein Nationalratsmandat und seinen Einsitz in der Wirtschaftskommission, also dort, wo die Agrarpolitik gemacht wird. Baumann erhielt 84 Stimmen, es ging 1 Gegenstimme bei 0 Enthaltungen ein. Baumann führt in Suberg BE den Betrieb seiner Eltern Ruedi und Stephanie Baumann weiter. Schon Ruedi Baumann hat von 1989 bis 2001 die Kleinbauern-Vereinigung präsidiert, er war ebenfalls Nationalrat für die Grünen (seine Frau Stephanie war SP-Nationalrätin).

«Bevölkerung fordert Antworten»

Baumann hielt gleich eine programmatische Antrittsrede. Es seien agrarpolitisch turbulente Zeiten. Die AP 22+ sei sistiert worden und damit auch eine gerechtere Verteilung der Direktzahlungen. «Der Druck aus der Bevölkerung nimmt zu. Die Bevölkerung ist nicht zufrieden mit der gegenwärtigen agrarpolitischen Situation, sie fordert Antworten, wie der Klima- und Biodiversitätskrise begegnet werden kann», so Baumann. Die Landschaft sei ja selbst stark betroffen von der Klimaveränderung.

«SBV kämpft sogar gegen Konsumenten»

Dann fuhr Baumann wie folgt fort: «Während sich unser grosser Bruder, der Grossbauernverband (SBV), politisch gerade etwas verirrt hat und kaum noch weiss, wo unten und oben ist bei seinem Kampf gegen Klimastreikende, gegen Umweltverbände und sogar gegen Konsumentinnen und Konsumenten, zeigt sich bei uns ein ganz anderes Bild. Einmal mehr bestätigt sich, dass die Ausrichtung der Kleinbauernvereinigung, zusammen mit Konsumentinnen und Konsumenten nach Lösungen zu suchen, der richtige Weg ist.» Es freue ihn sehr, die Interessen der ökologischen und sozialen Landwirtschaft zu vertreten und unsere Anliegen auch auf nationaler Ebene einzubringen. Die Betonung der «sozialen und ökologischen» Landwirtschaft zeigt auf, dass diese Dimension mittlerweile für die Organisation wohl fast wichtiger ist als diejenige der Grösse oder Kleinheit des Betriebes.

Kampf für die Pestizidinitiative

Das zeigt sich auch in der Kampagne, welche die Kleinbauern-Vereinigung derzeit gegen die Pestizidinitiative führt, über die am 13. Juni abgestimmt wird. Sie fordert in der Schweiz ein Verbot aller synthetischen Pflanzenschutzmittel. Weiter steht im Initiativtext: «Die Einfuhr zu gewerblichen Zwecken von Lebensmitteln, die synthetische Pestizide enthalten oder mithilfe solcher hergestellt worden sind, ist verboten.» Die Kleinbauern-Vereinigung hat dazu schon letztes Jahr die Ja-Parole gefasst und macht eine eigene Ja-Kampagne. Zu diesem Zweck hat sie auch zusätzliche Spenden von Privatpersonen erhalten, wie Regina Fuhrer erläuterte. Fuhrer erklärte, die Vereinigung sei überzeugt, dass es diesen Systemwechsel brauche. Man wolle raus aus dem Hamsterrad einer immer billigeren Produktion hin zu einer Produktion, die die Umwelt respektiert.

Stimmfreigabe zur Trinkwasser-Initiative

Auf eine Frage hin erklärte Noch-Präsidentin Regina Fuhrer die Haltung der Kleinbauern-Vereinigung zur Trinkwasser-Initiative. Der Vorstand habe sich im vergangenen Jahr mit Franziska Herren, der Initiantin, ausführlich unterhalten und ausgetauscht. «Wir erachten die Stossrichtung der Initiative als sehr richtig und wichtig und berechtigt. Wir haben uns aber entschieden, auf die Pestizidinitiative zu setzen, denn diese ist für uns klarer und einfacher umzusetzen.» Deshalb habe man Stimmfreigabe beschlossen.

Über 2000 Antworten bei Umfrage

Regina Fuhrer erklärte, dass die Kleinbauern-Vereinigung die Arbeit für die Anlaufstelle für die ausserfamiliäre Hofübergabe und die Regio-Challenge weiterführen werde. Das Vermögen der Kleinbauern-Vereinigung betrage knapp 300’000 Franken bei zuletzt Ausgaben von rund 550000 Franken pro Jahr, so habe man eine gewisse Sicherheitsreserve. Die Kleinbauern-Vereinigung sei in den vergangenen Jahren gewachsen, auch finanziell. Ihre Arbeit stosse auf zunehmendes Interesse. Sie erwähnte auch, dass bei einer Umfrage bei Mitgliedern und Sympathisantinnen zu Anliegen und Prioritätensetzung über 2000 Rückmeldungen eingegangen seien. Die Kleinbauern-Vereinigung vereinigt Bäuerinnen und Bauern (sichtbar sind fast ausschliesslich Bioproduzenten) und Konsumenten.

Mehr zum Thema
Politik & Wirtschaft

Der Anstieg des Kieler Rohstoffwerts Milch setzte sich im April fort. - Myriams-Fotos Der aus den Marktpreisen für Butter und Magermilchpulver ermittelte Kieler Rohstoffwert legte im April 2021 weiter zu, und…

Politik & Wirtschaft

Die Milchpulver-Kurse tendierten bei der jüngsten GDT-Auktion leicht nach oben. - zvgDie Kurse für Butter hingegen gaben kräftig nach. - Aline Ponce Nachdem die Notierungen an der internationalen Handelsplattform Global…

Politik & Wirtschaft

Milch sei ein knappes Gut, deshalb müsse der Preis steigen, fordert BIG-M. - lid BIG-M fordert eine Erhöhung des Richtpreises für Molkereimilch im A-Segment. Die Branchenorganisation Milch könne so zeigen,…

Politik & Wirtschaft

Auch 2021 wird weiter Butter importiert. Bis jetzt sind es 2500 Tonnen. - Olivier Ruprecht Gemäss der Branchenorganisation Milch (BOM) gibt es in der Schweiz zu wenig Butter. Deshalb wurde…

36 Responses

  1. «Die Einfuhr zu gewerblichen Zwecken von Lebensmitteln, die synthetische Pestizide enthalten oder mithilfe solcher hergestellt worden sind, ist verboten.» Dann sind auch die handelsüblichen Zitrusfrüchte, die mittels Pestiziden haltbar gemacht werden, verboten. Jeder, der schon ungespritzte Orangen gekauft hat, weiss, wie schnell die plötzlich grau (schimmelig) werden. Ob das der Grossteil der Schweizer Konsumenten will, ist fraglich. Daher NEIN zur Pestizidinitiative. 5 x NEIN am 13. Juni.

    1. Eigentlich wollte ich am 13.6. nur bei der TWI und dem Antiterrorgesetz ja stimmen.
      Nach all deinen wirren Voten habe ich mich nun anders entschieden: ich werden 5x JA stimmen.
      Beat Furrer sei Dank.

  2. Der Herr Baumann ist kein guter Vorbild im Seeland haltet er Mutterkühe statt Gemüse zu produzieren. Aber ohne Pestizide kann er das nicht.

    1. Aus dem Unterengadin verkennst Du die Probleme des Seelandes. Der intensive Gemüsebau während so langer Zeit, hat die Humusschicht im Moos beinahe vollständig abgebaut. Dort wurde nicht nur Gemüse, sondern auch CO2 produziert.
      Auch wenn ich vielfach mit Baumann nicht einverstanden bin: Seine Mutterkühe gehören eher ins Seeland als Gemüse.

      1. Da kann ich nicht zustimmen, Moorböden sind nicht geeignet für die Beweidung gibt auch bei trockenem wetter schnell trittschäden! Habe selber 3 ha anstatt den unterboden und den Hummus auf deponien zu führen sind solche böden ideal geeignet zum auffüllen/verbessern wenn sie nicht mehr die gewünschte schichtdicke an oberboden aufweisen. Zudem gelten diese böden nicht mehr als Fruchtfolgefläche wenn sie zu wenig oberbodendicke enthalten. Oder trainage weg und die Natur machen lassen DZ ahoi 🙂

  3. Tja einer der nicht von der Landwirtschaft lebt, wie der Baumann kann gut reden wie die anderen Landwirtschaft betreiben sollen.
    Ich finde solche Leute einfach heuchlerisch.

  4. Ein Lügner hätte ich nicht zum Präsi gewählt.
    Wenn einer behaubtet, das Futterkauf bei Annahme der TWI möglich ist, sagt er bewusst nicht die Wahrheit.

    1. Verkehrte Welt! Wenn du, Ges. Menschenverstand nicht lügst, dann kannst du nicht lesen! Gesunden Menschenverstand hast du bestimmt nicht.
      „Tierbestand, der mit dem auf dem Betrieb produzierten Futter ernährt werden kann“ sagt eindeutig, dass gemäss Flächen-Equivalent Futter zugekauft werden kann.
      Soll ich dir und denen vom SBV einen Deutschkurs für Erwachsene spendieren?
      Ich hätte nie gedacht, dass ich einen der Baumanns in Schutz nehmen muss. Traurig

      1. Wenn es so wäre, wie der alte Bauer Killian B. behauptet, hätten die Initianten das mit dem Futterverkauf und Futterkauf in die Initiative geschrieben.
        Ich kann lesen, und verstehe die deutsche Sprache.

        1. Schön, dass du lesen kannst.
          Dann kann ich dir eine VHS-Kurs „Staatskunde“ spendieren. Dort lernst du, wie eine Initiative formuliert wird und wie das vom Parlament in die Gesetzgebung übernommen werden muss/kann.
          Danach versteht du auch, wie ein Futtermittelzukauf (nach Flächenequivalent) auch mit TWI möglich ist.
          Das bürgerliche Parlament wird es sicher für die Mäster richten…..

          1. Alter Bauer, zum wiederholten Mal speziell für Dich: abgestimmt wird über den Text der Initiative und nicht über irgendwelches “ könnte, hätte, wollte,war so gemeint“!

      2. Alter Bauer = Franziska Herren!
        Liebe Fränzi, ich habe es dir an der „Agrarpolitischen Tagung in Wülflingen“ persönlich gesagt: „Dein Initiativtext funktioniert so nicht.“ Auf meine Nachfrage hast du bestätigt; „die Tiere MÜSSEN mit dem Futter vom eigenen Betrieb ernährt werden.“ Was Pestizide sind und das solche auch auf Bio Knospe zertifizierten Betrieben eingesetzt werden hat Fränzi nicht interessiert – dafür hat sie eine eigene Definition. Es freut mich, dass die KBV…

        1. .. unter der Leitung von Kilian Baumann erkannt hat, dass die TWI „Bullshit“ ist und eine Annahme ausser Chaos und negativen Auswirkungen auf den ökologischen Fussabdruck der Schweiz auch finanzielle Auswirkungen für ganz viele Mitglieder der KBV haben wird. Vielleicht müsst man das „Wording“ bei öffentlichen Auftritten wie „CLUB“ etc. auch entsprechend wählen und nicht nur für die Zuseher „polemisieren“.
          Für einen ernsthaften Dialog bin ich gerne bereit – anonyme Kommentare werden ignoriert.

      3. So und nun hast Du uns, alter Bauer, gezeigt, dass Du nicht viel Ahnung von der Landwirtschaft hast.
        „..dass gemäss Flächen-Equivalent Futter zugekauft werden kann.“
        Meinst Du die sogenannte TS-Bilanz, dann schreib es auch. Oder ist der Begriff nicht fassbar für Dich?
        Ab in die Schule

      4. Alter Bauer
        Solch diffamierende Kommentare wie den Deinen sollte von der Redaktion eigentlich gelöscht werden! Zudem darf kein Betriebsfremdes Futter zugekauft werden, so steht es im 1. Initiativen Text der TWI, dieser wird ja nun mehr wöchentlich angepasst nach gut dünken.

  5. Ich habe wirklich langsam angst das plötzlich irgend wo einer durchdreht weil er es nicht mehr verkraftet wie auf der Landwirtschaft rum gehackt wird. Gross das Maul aufreissen wen man gar nicht von der Landwirtschaft das Geld verdient ist einfach.

    1. Hoi Ueli da musst du keine Angst haben er wird sich schon die richtigen namen aufschreiben. Und dann wie bei einer mängelliste halt von oben nach unten durcharbeiten!!
      Mich würde es auch nicht wundern!!

  6. Um Himmelswillen, gab es keine anderen Kandidaten????
    Merken denn diese Mitglieder/innen nicht, dass sie mit diesem Präsidenten und die ihm so naheliegenden Initiativen ihr eigenes Grab schaufeln???
    Viele kleinere Betriebe haben sich mit Bio eine Nische hart erarbeitet. Nun steigen grössere Betriebe gesetzlich verordnet in dieses Segment ein und machen ihnen ihre gerechtfertigten Preise kaputt.
    Auch ein Landwirtschaftsbetrieb muss ökonomischen Grundsätzen folgen, sonst bleibt er auf der Strecke

  7. Diese Initiative ist kompletter Blödsinn das wäre in etwa so wie wenn ich nur noch Holz aus dem eigenen Wald verwenden dürfte. Vorschlag : Mindestens dreihunderttausend Unterschriften pro Initiative damit wir nicht über jeden Furz abstimmen müssen.

    1. Es ist ein grosser Fehler, jemanden als Präsidenten des VKMB zu wählen, der sein Einkommen von woanders her bezieht und somit auf verschiedenen Hochzeiten tanzt. Baumann’s Herz ist bei den Grünen, welche Ideologen sind und die reichere Schicht der Bevölkerung vertreten. Ausserdem sind die Grünen verantwortlich, dass es immer mehr Gesetze und Regelungen, d.h. weniger Freiheit und Entscheidungsmöglichkeiten, gibt.
      Die Kleinbauern sollten aber für mehr Freiheit und Entfaltungsmöglichkeit sein.

    2. Genau so ist das es hat viel so Grüne und Linke Bauern wo Hobby Bauern sind ein bisschen her Pfuschen und das Geld wo anders her kriegen, auf Kosten von die wo schwer Arbeiten. Rostige alte Autos umfahren und sie Glauben sie machen und sind Besser, auch bei uns.

  8. Niemand würde sich für so einen interessieren der zu Hause seinen Salat jätet.Modern sein heisst mit seinem Minderwertigkeitskomplex an die Öffentlich treten und flennen möglichst laut.Das ist Politik nicht Kleinbauerntum!

  9. Fragen an die Befürworter: Wieso wollt ihr noch mehr Nahrungsmittel aus dem Ausland importieren, obwohl diese mit weniger strengeren Auflagen produzieren dürfen? Wieso wollt ihr die Biologische-Landwirtschaft fördern obwohl diese für die Boden Bearbeitung zb. viel mehr Diesel brauchen? Wie erklärt ihr den Konsumenten falls die Initiativen angenommen werden, dass extrem viele Alltägliche Lebensmittel und Genussmittel aus den Läden verschwinden werden? Nutella, Redbull, div. Schnaps Bier,Früchte e

  10. Die TWI Initiative: Ein süffiges Outsourcing ! Ein typischer Versuch, schädliche Produktionsformen und unökologisches Verhalten ins Ausland zu verlagern. Wir Bauern machen allerdings mit importierten Futtermitteln das selbe.! Da ist die Pestizidinitiative wenigstens konsequent und verlangt für die Substitution mit Importlebensmittel die gleichen Regeln.
    Der Bauernverband hat mit Hilfe von egoistischen “ Vertretern“ unterlassen rechtzeitig auf Absehbares zu reagieren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

SCHWEIZER BAUER

DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE