Dienstag, 27. Juli 2021
14.06.2021 07:02
Agrarinitiativen

Reaktionen: Von Systemwechsel bis Vertrauen 

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Von: blu

Die Agrarinitiativen wurden deutlich abgelehnt. Wie die verschiedenen nationalen Komitees das Resultat beurteilen, haben wir in diesem Artikel zusammengefasst.

IG BauernUnternehmen: Zustimmung zu modernem Pflanzenschutz

Mit grosser Erleichterung und Genugtuung nimmt die IG BauernUnternehmen das Nein zu den Agrarinitiativen zur Kenntnis. «Offenbar hat sich die Stimmbevölkerung nicht durch die Mogelpackungen täuschen lassen», heisst es in der Mitteilung.

Mit der Ablehnung spreche das Stimmvolk der regionalen Produktion ihr Vertrauen aus. «Das doppelte Nein ist als Zustimmung der Bevölkerung zum modernen Pflanzenschutz zu sehen. Eine Mehrheit hat erkannt, dass der kontrollierte Einsatz von synthetischen Pestiziden für die regionale Produktion hochwertiger und erschwinglicher Nahrungsmittel elementar ist», schreibt die Organisation.

In den vergangen 30 Jahren seien mit grossem Engagement beachtliche Fortschritte erzielt worden. «Der Pflanzenschutzeinsatz wurde reduziert, die Ausbringtechnik dazu verbessert, die Biodiversitätsförderflächen auf über 14% in der Talzone gesteigert, Tendenz steigend», schreibt die IG BauernUnternehmen.

Der Schutz des Trinkwassers betreffe alle. Deshalb fordert die Organisation, dass künftig alle Beteiligten zur Verantwortung gezogen werden. Nur die Landwirtschaft für die Qualität des Trinkwassers verantwortlich zu machen, greife eindeutig zu kurz, heisst es weiter.

SBLV: Eingeschlagener Weg fortsetzen

Der Schweizerischer Bäuerinnen- und Landfrauenverband (SBLV) ist erleichtert über das klare Abstimmungsresultat zu den Initiativen «für sauberes Trinkwasser» und «eine Schweiz ohne synthetische Pestizide».

Die sachlichen und fachlich fundierten Argumente der direktbetroffenen Bäuerinnen und Bauern hätten die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger überzeugt. «Der primäre Auftrag der Landwirtschaft, die Bevölkerung mit hochwertigen Schweizer Produkten zu ernähren und die Ernährungssicherheit zu gewährleisten, geniesst weiterhin Priorität», schreibt der SBLV.

Die Landwirtschaft der Zukunft habe die Zeichen der Zeit erkannt. «Der Schweizerische Bäuerinnen- und Landfrauenverband setzt sich weiterhin stark dafür ein, dass der eingeschlagene Weg der naturnahen, produzierenden Landwirtschaft fortgesetzt wird», heisst es in der Mitteilung weiter.

Wirtschaftsverband Chemie Pharma: Politik und Verwaltung gefordert

Der Wirtschaftsverband Chemie Pharma Life Sciences Scienceindustries ist über die deutliche Ablehnung der beiden Agrarinitiativen erfreut. «Bei den Pflanzenschutzmitteln sind nun Politik und Verwaltung gefordert, Taten folgen zu lassen und die zurzeit blockierten Zulassungsprozesse auf eine wissenschaftliche Basis zurückzuführen», heisst es in der Mitteilung.

Diese sollen für Biologicals (Naturstoffe) sowie für synthetische Pflanzenschutzmittel risikobasiert erfolgen und auch die Risiken der Nichtanwendung für Landwirtschaft, Mensch und Umwelt mitberücksichtigen. «Nur mit klaren Fristen und transparenter Kommunikation werden die Agrarunternehmen in der Lage sein, innovative Pflanzenschutzmittel auf den Schweizer Markt zu bringen», hält Scienceindustries fest. So könne der Wunsch der Bevölkerung nach noch mehr Nachhaltigkeit in der Lebensmittelproduktion erfüllt werden.

IG Zukunft Pflanzenschutz: Nachhaltige Schweizer Produkte stützen

Die IG Zukunft Pflanzenschutz, wo unter anderem die Schweizer Gemüseproduzenten und der Schweizer Obstverband Mitglied ist, ist erfreut über das Nein zu den Initiativen. Die Meinungsbildung zur Trinkwasser- und Pestizidverbots-Initiative sei lange und intensiv gewesen.

Die Land- und Ernährungswirtschaft habe zusammen mit der Politik die Gesetzgebung und die Standards der nachhaltigen und ökologischen Lebensmittelversorgung sukzessive weiterentwickelt. Zudem habe das Parlament im Frühling das strengste Gewässerschutzgesetz Europas verabschiedet.

Die IG will den eingeschlagenen Weg weitergehen. «Wir appellieren dabei auch an die Konsumentinnen und Konsumenten, nachhaltige Schweizer Produkte mit Kaufentscheiden zu stützen», hält die IG Zukunft Pflanzenschutz fest.

Vision Landwirtschaft: Bevölkerung hat genug

Die Vision Landwirtschaft interpretiert das Abstimmungsergebnis nicht überraschend anders. «Ein grosser Teil der Bevölkerung hat genug von Pestiziden im Grundwasser, in den Böden, überall in den Ökosystemen und in unserem Körper; hat genug von der überintensiven Tierhaltung und einer Landwirtschaft, die ihre eigenen Lebensgrundlagen mit Milliardensubventionen zerstört», heisst es in der Mitteilung.

Mit dem Nein zu den Initiativen blieben diese Probleme vorläufig allerdings weiterhin ungelöst. Auch unter Bäuerinnen und Bauern gebe es einen grossen schweigenden Teil. «Sie erwarten, dass die Ursachen der Fehlanreize bekämpft werden, dass sie nicht ständig als Umweltsünder angeklagt werden, sondern dass die endlose, erfolglose Pflästerlipolitik von Parlament und Verwaltung endlich durch wirksame Reformen ersetzt wird», schreibt die Organisation.

Durch die Initiativen sei viel Positives entstanden. Das Bewusstsein auf den Bauernhöfen, bei den Konsumentinnen und Konsumenten sei durch die Diskussionen um die Nachhaltigkeit der Land- und Ernährungswirtschaft ein anderes geworden. «Weit über ein Dutzend neue Gruppierungen sind entstanden, die sich auch nach dem Abstimmungswochenende einer nachhaltigen Land- und Ernährungswirtschaft annehmen werden. In unzähligen Projekten und Initiativen bläst heute ein neuer, frischer Wind», hält Vision Landwirtschaft fest.

Agrarallianz: Massnahmenplan schafft Handlungsspielräume

Für die Agrarallianz geht die Entwicklung einer nachhaltigen Schweizer Land- und Ernährungswirtschaft auch nach doppelten Nein weiter. Die Diskussionen im Vorfeld der Abstimmungen hätten die Land- und Ernährungswirtschaft stark polarisiert.

«Mit der Umsetzung des Massnahmenplans für sauberes Trinkwasser können nun die offenen Gräben wieder zugeschüttet werden. Die Entwicklung nachhaltiger Produktionsformen und gesünderen Ernährungsweisen ist möglich, richtig und schafft Chancen für alle Akteure von der Heu- bis zur Essgabel», schreibt die Agrarallianz. Der Massnahmenplan sei ambitioniert und schaffe die notwendigen Handlungsspielräume.

Kleinbauern: Systemwechsel unabdingbar

Trotz der Ablehnung der Pestizidinitiative ist für die Kleinbauern-Vereinigung ein Systemwechsel hin zu einer ökologischeren Landwirtschaft unbestritten. Genügend Nahrungsmittel für die Bevölkerung liessen sich längerfristig nur mit intakter Umwelt, gesunden Böden und Biodiversität produzieren Auch die Ausbildung und Beratung müsse ökologisch ausgerichtet werden.

Zudem brauche es eine «zeitgemässe Ernährungspolitik». Bio-Produkte dürften nicht länger teurer sein als solche, die nicht ökologisch produziert wurden, fordert die Kleinbauern-Vereinigung. «Der heutige Markt ist verzerrt und widerspiegelt nicht die effektiven Kosten der Produkte», heisst es in der Mitteilung.
Eine intakte Umwelt sei für die Landwirtschaft die Existenzgrundlage. Die Kleinbauern fordern einen Systemwechsel weg von einer industriellen Landwirtschaft mit synthetischen Pestiziden hin zu einer agrarökologischen Schweiz.

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One Response

  1. Bauer mit langjähriger Berufserfahrung bin ich erleichtert und schockiert. Kaum ein Jahr ist seit leeren Einkaufsregalen vergangen. Und trotzdem dieser öffentliche Hass, der sich jetzt über uns entlud. Alles trotz laufend strenger Vorschriften mit mehr Büroaufwand und Kontrolle.
    Es braucht eine Analyse. Wie begegnen wir voreingenommener Presse und Rundfunk, aggressiven Tier- und Umweltorganisationen, Nestbeschmutzern…
    und wie schützen wir unsere Verbandsvertreter.

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