Montag, 25. Oktober 2021
20.05.2021 13:26
Trinkwasserinitiative

Tierschutz für Trinkwasser-Initiative

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Von: hal

Zahlreiche Tierschutzorganisation werben in einem Tierschutzkomitee für die Agrarinitiativen. Sie meinen, dass diese das Tierwohl fördern würden. Auch der Schweizer Tierschutz sieht in der Trinkwasser-Initiative Chancen.

Kürzlich hat sich Hansuli Huber, ehemaliger Geschäftsführer des Schweizer Tierschutzes (STS), in einem Leserbrief wie folgt zu den beiden Agrarinitiativen geäussert: «Mit extremen Forderungen und einseitigen Schuldzuweisungen lassen Initianten und Unterstützer Respekt, Anstand und Wertschätzung gegenüber den Bauernfamilien vermissen.»

Ex-Geschäftsführer gegen Agrarinitiativen

Sehr viele Bauern würden nach Annahme der Initiativen auch wegen des Zerfalls der Biopreise das Handtuch werfen müssen, gibt er zu bedenken und befürchtet weiter, dass stattdessen «dynamische Grossbetriebe» ohne Direktzahlungen und ohne Ökovorschriften wirtschaften würden, «in Agrar- und Tierfabriken nach ausländischem Vorbild.» So weit die ablehnende Haltung von Huber zur Trinkwasser- und zur Pestizidinitiative.

Mittlerweile weht beim STS unter dem aktuellen Geschäftsführer Stefan Flückiger ein anderer Wind. Zumindest die Trinkwasser-Initiative hat der Dachverband gutgeheissen, da sie eine ökologische und kleinbäuerliche Landwirtschaft mit geschlossenen Kreisläufen fördere, die durch kleinere Tierbestände auch dem Tierwohl zuträglich seien.

«Zugunsten der Tiere»

Der STS selbst beteiligt sich aber nicht aktiv im Abstimmungskampf. Man möchte die Ressourcen schonen und sich auf die Massentierhaltungsinitiative konzentrieren, deren Stellenwert für die Tiere erste Priorität hat, sagt Flückiger auf Anfrage. Umso mehr machen zahlreiche STS-Sektionen für die Agrarinitiativen Werbung.

In einer Mitteilung eines «Tierschutzkomitees für die Agrarinitiativen» heisst es: «Die anstehenden Initiativen wirken sich direkt und indirekt zugunsten der Tiere aus.» Dies schreiben 21 Tierschutzorganisationen und werben für 2× Ja. Die Tierschützer bezeichnen Betriebe, welche «oft grosse Mengen importierte Futtermittel wie etwa Soja aus Brasilien, wofür Regenwald abgeholzt wird», verwenden, als «industrielle Tierhaltungen».

«Ausstieg aus Tierwohlprogrammen nicht zu befürchten»

Sie begrüssen es, dass für solche Betriebe keine Steuergelder mehr eingesetzt werden. Tierschutzgerecht handelnde Familienbetriebe, welche Tiere in angepasster Zahl halten und denen das Tierwohl wichtig ist, könnten mit den freiwerdenden «Subventionsgeldern» besser unterstützt werden, sind sie der Ansicht. Und: «Ein Ausstieg der Tierhalter aus den bestehenden Tierwohlprogrammen ist nicht zu befürchten.»

In einem konkreten Beispiel nehmen sie die Kälbermast in die Zange (siehe Kasten). Ganz anderer Meinung ist die Tierärzteschaft. Grosse Landwirtschaftsbetriebe würden aus dem Direktzahlungssystem aussteigen und wären nicht mehr an die Vorgaben für eine tierfreundliche Haltung gebunden, sagen sie. Was sagt der STS dazu? Flückiger: «Wir beurteilen dies anders und sehen in der Trinkwasser-Initiative Chancen für die Transformation hin zu einem nachhaltigeren und tierwohlorientierteren Ernährungssystem und weniger Risiken für Wildtiere.»

Tierwohl im Ausland

Auch die grösste Tierschutzorganisation der Schweiz trotzt den Befürchtungen, dass die Tierhaltung vermehrt ins Ausland verlagert werden könnte und die Schweizer Bevölkerung indirekt mitverantwortlich für Tierleid in anderen Ländern würde. Im Abstimmungskampf müsste die Diskussion in die Richtung höherer Anforderungen für Importe laufen, meint Flückiger.

Man sei mit Vorstössen erfolgreich unterwegs, dass das Thema der Deklaration von in der Schweiz verbotenen Produktionsmethoden bald wieder ins Parlament kommt. «Dort müssen die Anforderungen deutlich verschärft werden, sodass die Importe hinsichtlich Tierwohlstandards dieselben Anforderungen wie die Inlandprodukte zu erfüllen haben», betont Flückiger abschliessend.

Wie wird die Pestizid-Initiative abschneiden?
Gibt ein knappes Ja (50,01 bis 52,9%)
14%
156
Gibt ein deutliches Ja (mehr als 53%)
8%
87
Gibt ein knappes Nein (50,01 bis 52,9%)
41%
446
Gibt ein deutliches Nein (mehr als 53%)
33%
360
Weiss nicht
3%
37

Kälbermast in Kritik

Das «Tierschutzkomitee für die Agrarinitiativen» ist auch der Meinung, dass die Trinkwasser-Initiative «Tierwohl statt Antibiotikamissbrauch» bringe. Da keine prophylaktischen Antibiotika mehr eingesetzt werden dürften, zwinge dies die Landwirtschaft, die Haltungsbedingungen zu verbessern. Kritisiert wird die Kälbermast. Kälbermäster kauften Tränker auf, transportierten sie und stellten sie in Mastgruppen zusammen. Dies verursache Stress und die Krankheitserreger von verschiedenen Höfen würden sehr oft zu Erkrankungen führen, denen dann wiederum mit Antibiotikagaben begegnet werde.

«Beispiele wie dieses zeigen, dass Antibiotikagaben überflüssig werden, wenn das Management geändert wird (z.B. Kälber auf dem eigenen Hof aufziehen) oder Stallklima und Hygiene verbessert werden», schreiben sie weiter. Dass Bauern, die auch in acht Jahren noch prophylaktisch Antibiotika einsetzen, keine Subventionen mehr erhalten, liege auf der Hand und sei das Mindeste, das zu verlangen ist. 

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26 Responses

  1. Alle Achtung von Herrn Huber.
    Flückiger hat nicht nachgedacht:
    Bei Annahme der TWI kann ich (Bergbauer) meine 50 Schweine nicht mehr halten, wenn ich DZ will.
    Verzichte ich auf DZ kann ich 100000 Schweine halten, wenn ich will.
    Wenn das Flückiger nicht merkt, ist ihm nicht mehr zu helfen!

    1. Das mit den 100000 Schweinen wird leider nichts, das Gewässerschutzgesetz und das Tierschutzgesetz gilt auch ohne DZ. Und auch alle verbotenen Pflanzenschutzmittel bleiben verboten, auch da nützt ein Verzicht auf DZ nichts. Es denken eben viele zu wenig nach, wenn sie sich zu den Initiativen äussern, unabhängig ob dafür oder dagegen.

      1. Hauptsache ist ja das sii als Grüner denken! Nach Ihnen giebt es ja keine leute dii denken?
        Was meinen sii eigentlich zu dem Bahnverkeher der SBB die auch sehr viel Bundesgelder beanspruchen,
        und unzählige KM Bahnschotter abspritzen?
        Das die sehr klugen Grünen sich fortbewegen können…. Auto frei versteht sich natürlich….

        1. Ist ja schon bezeichnend, was auf meinen Kommentar dann kommt. Ich habe lediglich darauf hingewiesen, dass nicht bloss Flückiger nicht nachgedacht habe, sondern auch der Kommentarschreiber falsche Schlüsse zieht. Aber eben, wenn jemand in dieser Kommentarspalte „Grüner“ liest, prasselt gleich ein Gewitter von Klischees, für was Grüne stehen würden, hernieder. Genau hinschauen und sich richtig informieren ist leider heute nicht mehr gefragt.

      2. @ Grüner Allerdings haben wir in der Landwirtschaft 160000 ha. Biodiverdidätsförderfläche welche nicht mehr nachgewiesen werden muss wenn aus den Direktzahlungssystem ausgestiegen wird. Das gibt viel Fläche wo wieder gedüngt oder intensiviert werden kann. Vielleicht verschwinden auch ein paar Hecken, Trockensteinmauern und Hochstammbäume. Wo wollt ihr künftig solche Elemente errichten wen wir Bauern nicht mehr mitmachen?

      3. Werter „Grüner“
        Zeigen (und erläutern Sie, aber ZEIGEN) Sie mir doch bitte den Paragraphen **im Tierschutzgesetz**, in welchem die Obergrenze (in Anzahl, in Nummern!) von zu haltenden Schweinen pro Landwirtschaftsbetrieb definiert ist.
        Ich habe eben was Tierhaltung betrifft etwa sowenig Ahnung wie Sie, (vielleicht evt. doch ein bisschen mehr. Vielleicht…) aber deshalb frage ich Sie. Besten Dank für Ihre Antwort, danach sind wir Beide evt. schlauer…

        1. Werter Christoph
          Habe ja geschrieben Gewässerschutz- und TSchG gelten weiterhin. Die Limite steht nicht wie sie mir klar machen wollen im TSchG, sondern im GSchG Art. 14 gibt es Vorgaben, die wohl kaum für 100000 Schweine auf einem Betrieb zu erfüllen sind. Weiter kämen dann unter anderem noch das Raumplanungsgesetz ins Spiel, ein wie von ihnen geschriebener Landwirtschaftsbetrieb wäre ja in der Landwirtschaftszone und dort wäre ein Schweinestall mit 100000 Plätzen kaum bewilligungsfähig, er …

          1. müsste dann in die Gewerbezone. Mit den Bodenpreisen dort würde es dann wirtschaftlich auch nicht so einfach. Dann gibt es noch die Höchsttierbestandesverordnung. Was sonst noch alles für Klippen vorhanden wären, muss ich ja nicht wissen.
            Um glaubwürdig zu bleiben, muss man wirklich stichhaltige Argumente zu bringen. Wenn es bei dieser Abstimmung noch funktioniert mit solchen Sprüchen, wird es irgendwann nicht mehr funktionieren.

    2. Wo in deinem Chrachen könntest du so grosse Ställe aufstellen?
      Wenn du ein wirklich intelligenter Bergbauer bist, stimmst du für die TWI. So kannst du viel Land von Chnusti-Nachbarn pachten, die weder für Bio noch für Landwirtschaft ohne DZ taugen. Somit kannst Du eine Grösse erreichen, die deinen Betrieb dank den fliessenden Bio-DZ zu einer Goldgrube macht.
      Stimme bei der TWI JA und du wirst erfolgreich – wenn du ein wirklich guter Unternehmer bist

      1. @ Roman falls Du mich mit deinem Kindergarten -kommentar gemeint hast: Wiso macht Du nicht die enstsprechenden Ausbildungen und pachtest das frei werdende Land der dummen Bauern selber? Genau wissen wie würdest Du ja schon….

  2. Die Frage wäre dann, was auf diesen wieder intensivierten Flächen produziert würde und zu welchem Preis. Da würde sich eben dann zeigen, wie ernst es den Bauern wirklich ist mit ihren gegenwärtigen Beteuerungen, man mache schon viel für die Biodiversität und den Schutz von Trinkwasser etc. und sei auf diesem Weg. Aber es ist natürlich schon so: Wenn die Bauern nicht einsehen wie wichtig eine intakte Umwelt ist und bei der Förderung von dieser nicht mitmachen, sieht es dann düster aus.

    1. Und man sieht, was dem Konsumenten wirklich wichtig ist….
      Nachhaltig oder billig? Ich sag nur Erdbeeren, die man das ganze Jahr kaufen kann, Blaubeeren und Spargeln aus Mexiko und Peru, Einkaufstourismus (Edeka ist wieder für die Schweizer da) und billig Avocados die sehr viel Wasser brauchen und in Ländern angebaut werden wo Wasser knapp ist.

    2. Ja, es ist unbestritten, eine intakte Umwelt brauchen vor allem wir Bauern zu aller erst. So weit so gut, das sollte eigentlich jedem Landwirten klar sein. Wenn ich aber sehe, dass gerade Umweltschutzorganisationen wie ProNatura sich für Golfplätze einsetzen anstatt das Kulturland zu verteidigen, dann frage ich mich schon sehr ab der Glaubwürdigkeit dieser Leute. Ihre Argumente von wegen Golfplätze mit ihren Ausgl.-Flächen seien besser für die Umwelt kann ich absolut nicht nachvollziehen.

  3. @ Grüner Auf diesen Flächen wird dann das produziert was ein Grossteil der Konsumenten will: Lebensmittel zum kleinstmöglichen Preis. Was denkst Du was zum Beispiel passiert wenn Steillflachen nicht mehr bewirtschaftet werden? Wird die Schwei für die Touristen noch die gleiche sein? Wie sieht es mit Errosion und Lawienen aus? Hier zu schreiben wir würden nichts für eine Intakte Umwelt machen ist einfach respektlos.

    1. Da wir Bauern betr Oeko schon immer nur das gemacht haben, das vom Bund Geld gibt, wirf folgendes passieren:
      Bauern, die auf DZ verzichten, werden ihr schlechtes Land, das bis anhin dem Bund als Oeko „verpachtet“ wurde, an einen Nachbarn verpachtet, der Bio macht. So kann diese unproduktive Fläche weiterhin vom Bundes-Manna profitieren.
      Jetzt wird immer von einer sturen Umsetzung der TWI geschwafelt. Nach Annahme der TWI werden ungeahnt kreative Kräfte der Verwässerung und Umgehung freigesetzt.

    2. Chrigel: Momentan ist es eben so, es wird ohne genau hinzuschauen was steht je nach Absender einfach draufgehauen. Aber eben, man müsste sich die Mühe machen und genau lesen. Ich sehe nicht wo ich geschrieben hätte, die Bauern würden nichts für eine intakte Umwelt machen. Du hast spekuliert was passieren würde, wenn die Bauern nicht mehr mitmachen und ich habe bestätigt, dass es dann düster aussehen würde. Und übrigens ist die Gleichung: „Wir Bauern“ und „ihr Grünen“ auch so ein Klischee.

    1. Wird wohl schwierig, dies umzusetzen, es gibt auch grüne Bauern, die für Grüne essen produzieren und für Gemüse und Getreide braucht es viel weniger Fläche als für Schnitzel und Pouletbrust. Aber solche „Lösungen“ haben ja gegenwärtig Hochkonjunktur.

  4. Und man sieht, was dem Konsumenten wirklich wichtig ist….
    Nachhaltig oder billig? Ich sag nur Erdbeeren, die man das ganze Jahr kaufen kann, Blaubeeren und Spargeln aus Mexiko und Peru, Einkaufstourismus (Edeka ist wieder für die Schweizer da) und billig Avocados die sehr viel Wasser brauchen und in Ländern angebaut werden wo Wasser knapp ist.

  5. @realiste Geflügel und Schweinebetriebe können zum Grossteil nicht nach den Initiativen produzieren, aber auch die Ställe nicht lehr lassen da hier in den letzten Jahren Millionen investiert wurden. Für diese Produkte wird es einen Markt geben nur schon weil Bio den bedarf nicht decken können wird. Tier-und Gewässerschutz muss natürlich eingehalten werden.

  6. Trinkwasserinitiative: Die Probleme, die wir mit der Gewinnung von sauberem Trinkwasserhaben sind enorm. Grundwasserfassungen, welche seit über 80 Jahre bestes Wasser geliefert haben mussten abgestellt werden. Chlorotanonil und andere Stoffe massiv zu hoch! Nun wird auch in Trinkwasser, welches aus den Seen aufbereitet wird, Metaboliten von Pflanzenschutzmittel nachgewiesen. Die Kosten für die Herstellung von einwandfreiem Trinkwasser werden explodieren. Verursacherprinzip? Darum 2x-JA!

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