Sonntag, 23. Januar 2022
29.11.2021 18:22
Tierwohl

Tierwohl: Sie fordern einen Systemwechsel

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Von: blu

Der Schweizer Tierschutz, die Gesellschaft Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte und die Kleinbauern-Vereinigung rufen zu einem Systemwechsel auf. Sie fordern den Nationalrat auf, das Tierwohl zu stärken.

Im Herbst 2022 dürfte die Initiative gegen Massentierhaltung (MTI) zu Abstimmung gelangen. Die Volksinitiative «Keine Massentierhaltung in der Schweiz (Massentierhaltungsinitiative)» will die Massentierhaltung verbieten und die Würde der Tiere in der landwirtschaftlichen Tierhaltung in die Verfassung aufnehmen.

Bio-Suisse-Richtlinien

Diesbezüglich sollen Anforderungen festgelegt werden, die mindestens denjenigen der Bio-Suisse-Richtlinien 2018 entsprechen. Der Bund soll Kriterien für die Unterbringung, den Auslauf, die Anzahl gehaltener Tiere und die Schlachtung festlegen. Die Initiative verlangt ausserdem Vorschriften für den Import von Tieren und tierischen Erzeugnissen zu Ernährungszwecken, die dem neuen Verfassungsartikel Rechnung tragen.

Die Initiative würde Kleinbauern die Chance ermöglichen, auf dem Markt zu bestehen und fairere Preise zu erzielen, indem Grossbetriebe mit immensen Tierbeständen diese reduzieren müssen, so die Vorstellung der Initianten. 

Bundesrat will RAUS-Pflicht

Dem Bundesrat geht das Volksbegehren zu weit, will aber zentrale Aspekte davon in seinen Gegenentwurf aufnehmen. So sollen die tierfreundliche Unterbringung, der regelmässige Auslauf und die schonende Schlachtung von Nutztieren in der Verfassung verankert werden.

Die Landesregierung verzichtete im Gegenvorschlag darauf, private Biostandards in die Verfassung aufzunehmen. Die Anwendung dieser Standards auf Importe wäre laut Bundesrat unvereinbar mit Handelsabkommen und nur sehr schwer umsetzbar.  Zudem seien Einfuhrregeln, besonders bei zusammengesetzten Lebensmitteln, schwer zu kontrollieren. Dies würde zusätzliche Kosten verursachen, die sie auf die Preise niederschlagen würden, so der Bundesrat. Er befürchtet eine Zunahme des Einkaufstourismus.

«Stillstand ist keine Option»

Am Montag haben der Schweizer Tierschutz (STS), die Gesellschaft Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte (GST) und die Kleinbauern-Vereinigung (VKMB) sich zu Wort gemeldet. In einer Online-Medienkonferenz forderten sie den Nationalrat auf, dem Bundesrat zu folgen und das Tierwohl zu stärken. «Stillstand ist keine Option», lautet die Forderung.

Der Bundesrat habe in seiner Botschaft zum direkten Gegenentwurf bestätigt, dass Handlungsbedarf in Sachen Tierwohl bestehe, schreiben die drei Organisationen in einer gemeinsamen Mitteilung. Nun wird die Initiative im Nationalrat in der Wintersession beraten. Weil in der Kommission für Wirtschaft und Abgaben (WAK-N) die Initiative und der Gegenentwurf auf Ablehnung gestossen ist, befürchten die Organisationen eine Ablehnung in der Grossen Kammer. Dies gehe zu Lasten der Tiere warnen sie.

Grosser Druck auf Tierhalter

Die drei Organisationen fordern in der Tierhaltung deutliche Veränderungen. Denn die Landwirtinnen und Landwirte seien einem enormen Druck Bäuerinnen und Bauern durch den Markt ausgesetzt. «Hochleistungszucht, Produktivitätssteigerung und mehr Massentierhaltung in dieser Situation keine Lösung darstellen», halten sie fest.

Die Gesundheit und das Wohl der Tiere sei nicht gewährleistet. Nur mit einem Systemwechsel, der das Tier wieder in den Mittelpunkt stelle, könne die erreicht werden. Dies erwarte auch die Gesellschaft von der Landwirtschaft, schreiben GST, STS und VKMB. Verbesserungen beim Tierwohl würden nicht nur die Lebensbedingungen der Nutztiere verbessern, sondern auch das Vertrauen der Bevölkerung in die Landwirtschaft fördern.

Tierwohl und Wirtschaftlichkeit kein Widerspruch

Die Grosstierärzte sind überzeugt, dass die Forderung nach einer angemessenen Wirtschaftlichkeit in keinem Widerspruch zu der Forderung nach höherem Tierwohl steht. «Eine optimale Haltung der Nutztiere sowie ein vorausschauendes Gesundheitsmanagement sind aus ethischen Gründen gefordert und ökonomisch wichtig», so der GST.

Die GST lehnt die Initiative ab. Sie unterstützt jedoch den direkten Gegenentwurf. Sollte das Parlament weder auf die Initiative noch auf den direkten Gegenvorschlag eintreten, unterstützt die GST den «Aufbaupfad Tierwohl» gemäss dem indirekten Gegenvorschlag.

Parlamentarische Initiative von Baumann

Die Massentierhaltungsinitiative sowie der direkte Gegenentwurf des Bundesrates würden tierfreundliche Haltung, den regelmässigen Auslauf und die schonende Schlachtung anstreben und verbessern – und dies mit einer Übergangsfrist von 25 Jahren, halten die drei Organisationen fest.  Sollte das Parlament diese beiden Vorlagen dennoch ablehnen, würden sich sie sich für einen Kompromissvorschlag in Form einer Parlamentarische Initiative von Nationalrat  Baumann (Grüne/BE) auf Gesetzesstufe einsetzen, indem das «Tierwohl unter Berücksichtigung einer standortangepassten, marktkonformen Produktion und der ökologischen Tragfähigkeit gestärkt werden soll».

Der indirekte Gegenvorschlag von Baumann würde im Gegensatz zum Gegenentwurf des Bundesrates auch mit Importe miteinbeziehen, indem er eine «dem Tierwohl dienende Ausgestaltung der Handelsbeziehungen» fordert. Für Killian Baumann ist das Nein der Wirtschaftskommission zum Gegenentwurf unverständlich. Tierwohl sei für die Bevölkerung sehr wichtig.

«Haltung schadet den Schweizer Bauern»

Der Gegenentwurf des Bundesrates komme der Landwirtschaft weit entgegen. «So wäre das RAUS-Programm für Mastgeflügel nicht verbindlich und die Anbindehaltung bei Rindern bliebe erlaubt. Zudem gilt wie bei der Initiative eine Umsetzungsfrist von 25 Jahren», sagte der Präsident der Kleinbauern-Vereinigung.

«Mit einem Stillstand beim Tierwohl wird ein zentrales Verkaufsargument von Schweizer Landwirtschaftsprodukten torpediert. Diese unnötig kompromisslose Haltung schadet dem Vertrauen der Konsumentinnen und Konsumenten in die Landwirtschaft, reisst die schon bestehenden Gräben weiter auf und schwächt das Image der Landwirtschaft», sagte Baumann den Online-Medienkonferenz.

 Das fordert der STS:

  • RAUS und BTS als Minimalstandard
    Die Nutztiere sollen sich frei bewegen können, in Gruppen und eingestreut gehalten sowie Auslauf (Tageslicht) und Weide haben. Die Tierwohlprogramme BTS (Besonders tierfreundliche Stallhaltung) und RAUS (Regelmässiger Auslauf im Freien) sollen zum Minimalstandard werden. Weide sei für die Raufutter verzehrenden Tierarten plus Geflügel «absolut zentral». Die Anbindehaltung soll nur für Kühe möglich sein, die täglich Auslauf oder im Sommer Weide haben.
  • Maximale Herdengrösse
    Gemäss STS gibt es einen deutlichen Zusammenhang zwischen Tierwohl und Herdengrössen. Kleinere Herden seien übersichtlicher, kranke Tiere würden rascher auffallen. Der STS unterstützt deshalb die bäuerliche Tierhaltung mit kleineren Gruppen- bzw. Stalleinheiten
  • Zweinutzungszucht Geflügel
    Der Tierschutz fordert artgerechte Stallhaltungssysteme und v.a. die Zweinutzungszucht. «Die heutigen Systeme mit spezialisierten Hochleistungsrassen sind nicht tiergerecht», so der STS. Und sei besonders absurd, wenn das besonders tierfreundliche Haltungssystem eine Stallhaltung ohne Aussenklimabereich bis zum 21. Tag zugelassen sei.
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4 Responses

  1. Baumann ist ein Hobbibauer, der sich als Bauer ausgibt. Für Baumamn sind alle konventionellen Bauern umweltvergifter.
    Das Geld verdient er als Nationalrat, seine Frau ist Lehrerin.

  2. kenne viele bauern welche im nat. stände. oder grossrat sind, und deren frau lehrerin ist. Beide Salzmann, aebi gloub auch, auch bei landfrauen kochen sind lehrerinnen dabe. ist nicht verboten.

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