Freitag, 7. Oktober 2022
10.08.2022 10:31
Abstimmung

Umfrage: Knappes Ja für Massentierhaltungsinitiative

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Von: sda/blu

Zustimmung für die beiden AHV-Vorlagen und die Massentierhaltungsinitiative, Nein zum Bundesgesetz über die Verrechnungssteuer: Das sind die Ergebnisse der ersten Abstimmungsumfrage von Tamedia und «20 Minuten» vor dem Urnengang vom 25. September.

16’341 Personen aus der ganzen Schweiz hatten vom 3. bis 4. August an dieser ersten Welle der Umfrage teilgenommen. Es zeigte sich bei allen Vorlagen ein Geschlechtergraben. Am deutlichsten waren die Unterschiede zwischen den Geschlechtern beim AHV-Bundesgesetz, das die Erhöhung des Frauenrentenalters vorsieht.

Ja zur Massentierhaltungsinitiative

Die Massentierhaltungsinitiative wird laut der Umfrage derzeit von 55 Prozent der Befragten unterstützt, 43 Prozent sind dagegen und 2 Prozent noch unentschieden. Typischerweise starten allerdings Initiativen mit guten Zustimmungswerten. So war es im vergangenen Jahr auch bei den Agrarinitiativen. Die erste Umfragewelle von «20 Minuten»/Tamedia ergab damals für die Trinkwasserinitiative eine Zustimmung von 54 Prozent, für die Pestizidinitiative 53 Prozent. Schlussendlich wurden die beiden Vorlagen mit über 60 Prozent Nein bachab geschickt. 

Eine besonders starke Zustimmung findet die Vorlage bei den Frauen 64 Prozent. Demgegenüber sagen derzeit nur 44 Prozent der Männer Ja oder eher Ja zur Initiative. Sympathisanten von Grünen, SP und GLP sagen deutlich Ja. Gegen die Vorlage sprachen sich Wählerinnen und Wähler von SVP, FDP und Mitte, sowie die ländliche Bevölkerung aus.

Das will die Initiative

Die Initiative «Keine Massentierhaltung in der Schweiz» verlangt eine Verfassungsänderung zur landwirtschaftlichen Tierhaltung. Der Bund soll die Würde des Tieres in der landwirtschaftlichen Tierhaltung schützen. Konkret sollen Kriterien festgelegt werden für eine tierfreundliche Haltung und Pflege, den Zugang der Tiere ins Freie und die Schlachtung. Ebenso soll der Bund bestimmen, wie viele Tiere höchstens zusammen in einem Stall untergebracht werden dürfen.

Tiere und Tierprodukte, die mit in der Schweiz verbotenen Methoden produziert worden sind, dürfen gemäss Initiative nicht importiert werden. Für die Umsetzung der Initiative sind maximale Übergangsfristen von 25 Jahren vorgesehen. Die gesetzlichen Ausführungsbestimmungen sollen drei Jahre nach dem Ja in Kraft sein und sich an den Bio-Suisse-Richtlinien von 2018 orientieren.

Lanciert wurde die Initiative vom Verein Sentience. Die Trägerschaft bilden die Fondation Franz Weber, Vier Pfoten und Greenpeace; unterstützt wird sie unter anderem vom Schweizer Tierschutz, von der Stiftung für das Tier im Recht, Kag Freiland, der Kleinbauernvereinigung sowie von den Grünen und den Jungen Grünen.

Vor allem Männer befürworten höheres Rentenalter

Die Zustimmung zur Erhöhung des Rentenalters der Frauen betrug bei den Befragten insgesamt 53 Prozent. 44 Prozent sprachen sich dagegen aus und 3 Prozent machten keine Angaben zu ihren Stimmabsichten. Während nur gerade 36 Prozent der Frauen der Vorlage zustimmen wollen, lag der Ja-Anteil bei den Männern bei 71 Prozent.

Ebenfalls deutlich abgelehnt wurde in der Befragung die Erhöhung des Rentenalters von der am stärksten betroffenen Bevölkerungsgruppe der 50- bis 64-Jährigen (58 Prozent) und von Personen ab 65 Jahren (65 Prozent). Klar für eine Erhöhung des Rentenalters für Frauen sprachen sich die jüngsten Stimmenden aus (58 Prozent).

Die Vorlage wird von den Frauen und Sympathisanten der SP und Grünen sehr deutlich abgelehnt. In der bürgerlichen Wählerschaft ist die Unterstützung bei der SVP-Basis laut der Umfrage am tiefsten. Am höchsten ist sie bei FDP und GLP.

Deutliche Mehrheit für Mehrwertsteuererhöhung

Eine Erhöhung der Mehrwertsteuer zur Zusatzfinanzierung der AHV würden aktuell 58 Prozent der Stimmbevölkerung befürworten. 38 Prozent sprechen sich dagegen aus und 4 Prozent machen keine Angaben zu ihren Stimmabsichten. Bei den Frauen lag die Zustimmung mit 50 Prozent deutlich tiefer als bei den Männern (65 Prozent).

Eine deutliche Mehrheit der Sympathisanten von Mitte, FDP und GLP unterstützt die Erhöhung der Mehrwertsteuer. Gespalten ist die SVP-Wählerschaft, während eine relative Mehrheit der Sympathisanten von SP und Grünen den Bundesbeschluss ablehnt. Die Zustimmung ist in der ältesten Altersgruppe am höchsten.

Nein zu Verrechnungssteuer-Vorlage

Beim Bundesgesetz über die Verrechnungssteuer ist das Nein-Lager laut der Umfrage mit 51 Prozent im Vorsprung. 30 Prozent der Umfrageteilnehmenden sagten Ja und fast ein Fünftel der Befragten äusserten sich nicht zu ihren Stimmabsichten.

Die Vorlage wird sehr deutlich im links-grünen Lager abgelehnt und findet aktuell einzig bei den Sympathisanten der FDP eine Mehrheit. Auch bei dieser Vorlage gibt es einen Geschlechterunterschied: Nur 25 Prozent der Frauen wollen Ja stimmen, während 37 Prozent der Männer das Bundesgesetz unterstützen.

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11 Responses

  1. Die industrielle Ferkelproduktion,auch AFP genannt liefert die besten Argumente für die Initiative.Was Futterlieferanten und Tiervermarkter da hochgezogen haben hat mit bäuerlicher Tierhaltung nichts zu tun und dient nur der Umsatzmaximierung des Futterumsatzes und den Margen beim Tierhandel. Der Bauer ist nicht mehr Unternehmer mit eigenen Tieren sondern beteiligt sich am idiotischen herumkarren hochträchtiger Mutterschweine und darf das unternehmerische Risiko tragen.

    1. Ja , der Schweinemäster der sich auf die Tiervermarktungsfirma Anicom AG verlassen hat
      wird eines Tages ruiniert vor leeren Schweineställen stehen……

    2. ist arbeitsteilige Ferkelproduktion, eine gute Sache und hat nichts mit Industrie zu tun. Die Tiere leben in bäuerlichen Familienbetrieben und werden hoch professionell betreut. Das Fleisch ist schmackhaft und gesund und im Moment sehr günstig zu haben. Zugreifen!

      1. Vorgestern zugegriffen.Gemessen am Produzentenpreis war es aber viel zu teuer.
        Was dem Bauern bezahlt wird ermöglicht keine professionelle Betreuung der Schweine.Heute muss man die Bauern vor sich selbst schützen.
        Als pensionierter Bauer Stimme ich der Initiative zu

          1. In meiner Familie kamen die Schweine vor uns Kindern.
            Kenne den Schweinezyklus seit 73 Jahren, definitiv Zeit damit aufzuhören,den Bauern vorzumachen,das einmal bessere Zeiten kommen.

  2. Leider gibt es auch unter der landw. Bevölkerung viele Neider. Oftmals sind es Altbauern und ehemalige Bauernkinder, schade. Wie immer werden Initiativen mit einem guten Kern überladen. So auch diesmal. Nebst der massiven Reduktion der Tierzahl, verlangt die Initiative Vorgaben, die auch für kleine Betriebe sehr einschränkend sind und einigen davon die Existenz kosten würden.

    1. Dummerweise fiel ich beim Sommerschnitt von der Leiter und nun nerve ich euch im Netz.Wie kann man beim heutigen Schweine Preis neidisch auf die Produzenten sein.
      Zwischen Mühle und Händler eingeklemmt! Nun kommt kein Futter mehr den Rhein hinauf u ds Füdle vou Rächnige.
      Es braucht ernsthafte Ausstiegshilfen.

  3. Zum Glück gibt’s noch viele Bauern, die die vielen schönen Seiten des Bauernseins sehen, wie etwa leben und arbeiten mit und in der Natur, eigener Chef, Platz im und ums Haus für Kinder und Hobbys, etc. Jeder Beruf und jede Lebensweise hat zwei Seiten. Einfacher ist es, wenn wir den schönen mehr Gewicht geben. Ich hoffe, dass du, Alter Bauer, das auch noch lernst.

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