Samstag, 22. Januar 2022
17.11.2021 13:15
Organisationen

Bio schiebt Kükentöten den Riegel

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Die Delegierten von Bio Suisse haben den Ausstiegsplan Kükentöten gutgeheissen. Bis in vier Jahren sollen die Bio-Hähne vor dem Tod gerettet werden. Anträge für tiefere Beiträge und Gebühren und die Zulassung von gesexten Samendosen wurden deutlich abgelehnt. 

Im Konzertsaal des Stadttheaters Olten SO feierten die Bio-Suisse-Delegierten am Mittwoch, 17. November, 40-Jahre-Bio-Suisse. Und die Zukunft sieht vielversprechend aus.

«Wir wollen möglichst vielen Landwirten ermöglichen, die biologische Produktion aufzunehmen. Das war vor zwei Jahren noch nicht so. Dazumal waren gerade im Berggebiet die Milchbauern gegenüber Bio wegen der Marktsituation eher zurückhaltend», sagte Präsident Urs Brändli vor dem Festakt an der Delegiertenversammlung (DV). Das oberste Organ hat an der DV über wichtige und wegweisende Entscheidungen befunden. 

«Visionärer» Ausstiegsplan Kükentöten

Einer dieser wegweisenden Entscheidungen war der Ausstiegsplan Kükentöten. Denn bis jetzt werden auch in der Bio-Landwirtschaft rund 700’000 Stück von männlichen Eintagsküken vergast. Der Grund für das Kükentöten: Hühnerrassen, die viele Eier legen, sind nicht geeignet für die Mastproduktion. 

Bereits seit 2016 wird etwa in Österreich im Bio-Bereich kein einziges Küken getötet. Die sogenannte Bruderhahnaufzucht kommt zum Zuge. Dazumal versprach Bio Suisse, handeln zu wollen. Bis zum grossen Durchbruch dauerte es nun fünf Jahre. Vier weitere Jahre soll es für die Umstellung dauern. 

4 Jahre Übergangsfrist

«Es ist an der Zeit, dass die Biobranche ein starkes Zeichen setzt, die schon lange erwartet wird», betonte Sepp Bircher. Dann stellte Adrian Schlageter den Ausstiegsplan vor. Das Ziel sei, dass Bio Suisse Ende 2025 den Ausstieg aus dem Kükentöten vollzogen hat.

Es gehe um eine 4-jährige Übergangsfrist und um ein deutliches Nein zu In-Ovo. Die Geschlechtserkennung im Ei soll als Selektionsmethode bei Geflügel nicht zugelassen werden. «Das passt nicht zu den Werten von Bio Suisse», betonte Schlageter. Die Aufzucht der Küken, weg von Hochleistung hin zu Zweinutzung, sei visionär.

Geschlechtsbestimmung bleibt verboten

Ein Antrag Bio Freiburg, Bio Neuenburg sowie Bio Vaud wollte In-Ovo bis 2025 zulassen. Damit wolle man möglichst rasch vom Kükentöten wegkommen. Aus Sicht der Antragssteller sei die In-Ovo-Methode ethisch vertretbar. Bei dieser von Tierschützern kritisierten Methode brennt ein feiner Laserstrahl in jedes Brutei ein winziges Loch. Aus diesem wird mit einer Pipette ein Tröpfchen Flüssigkeit entnommen.

Männliche Bruteier können so von weiblichen unterschieden werden. Die männlichen Embryos werden aussortiert und samt Ei schockgefrostet, geschreddert und zu Tierfutter verarbeitet. Bei Migros sind Eier aus dieser Produktionsmethode unter dem Namen Respeggt vor einem Jahr ins Sortiment aufgenommen. 

Die Delegierten hatten kein Gehör für die Geschlechtsbestimmung, stimmte dann aber mit grossem Mehr dem Antrag des Vorstandes zu. «Das Ja freut mich sehr. Es ist ein Bio-Weg, der aber herausfordernd wird», sagte Urs Brändli im Anschluss der Abstimmung. 

Damit dürften in Zukunft rund 700’000 Hähne vor dem Tod durch Vergasung gerettet werden. Aktuell werden in der Schweiz 3,5 Millionen Küken vergast. Jedes vierte Ei stammt aus Bio-Produktion.

Preise für Eier werden steigen

Mit einem Marktanteil von 29 Prozent ist das Bio-Ei das erfolgreichste Produkt. Die tiefere Legeleistung der Zweinutzungshühner hat Auswirkungen auf den Preis. Die Bio-Eier dürften teurer werden.  Auf die Poulet-Mast sind die Auswirkungen geringer. Die männlichen Küken können im Rahmen der bestehenden Betriebe aufgezogen werden. 

Anträge für tiefere Beiträge abgelehnt

Für Aufsehen und Diskussionen sorgte der Antrag zur Senkung der Produzentenbeiträge und Lizenzgebühren um 10 Prozent ab 2022. Dieser wurde von 50 Einzelmitgliedern unter der Führung von Res Bärtschi aus Lützelflüh BE gestellt. Bei einem steigenden Anteil von Produktion und Absatz von Bioprodukten am Gesamtmarkt müsse der Anteil, welcher für die operative Tätigkeit verwendet werde, prozentual sinken, hielt Bärtschi an der DV fest.

Allein 2020 seien 800 zusätzliche Stellenprozente geschaffen worden. Es wird bezweifelt, dass dies sinnvoll, zielführend und nötig ist. Die Senkung der Lizenzgebühren sei ein Anstoss, die Konsumentenpreise für Bioprodukte weiter zu optimieren.

Res Bärtschi, Bio-Milchbauer in Lützelflüh BE, wollte in seinem Antrag die Produzentenbeiträge und Lizenzgebühren senken.
Adrian Haldimann

Wenige Tage vor der Delegiertenversammlung stellte die Mitgliedorganisation Schweizer Bergheimat einen Gegenantrag, die Produzentenbeiträge um 10% zu senken, nicht aber die Lizenzgebühren. 

Mit einer um 10 Prozent tieferen Lizenzgebühr könne Bio Suisse kaum einen Margenbeitrag leisten, denn diese mache nur 0,9 Prozent aus, hielt Monika Rytz vom Vorstand fest. Bei Bio Suisse müsste man insbesondere bei der Marken-Kommunikation und bei der Digitalisierung einsparen, was nicht Sinn mache, hielt Rytz weiter fest. 

Vorstand gegen Senkung

Der Vorstand und die Geschäftsleitung stellte klar, dass eine entsprechende Senkung der Beiträge und Gebühren 2022 Mindereinnahmen von 1,485 Mio. Fr. zur Folge hätte. Sie waren klar gegen eine Reduktion in den nächsten Jahren. Ab 2023/2024 laufe ein neuer Strategieprozess. Dann sei es der richtige Zeitpunkt, um das Thema «Einnahme-Strategie Bio Suisse» aufzunehmen.  

Die Delegiertenversammlung will auf die Gelder für Bio Suisse nicht verzichten. Zuerst setzte sich der Gegenantrag der Schweizer Bergheimat gegen den Antrag von Res Bärtschi knapp durch. In der Schlussabstimmung stimmten 19 für den Gegenantrag, 65 stimmten dagegen. 

Die Delegierten stimmten dem Antrag von Res Bärtschi für tiefere Produzentenbeiträge und Lizenzgebühren um 10 % nicht zu. Vor allem die Berner Biobauern unterstützten den Antrag.
Adrian Haldimann

Gesexte Samendosen bleiben verboten

Bereits 2015 stellte sich an der Bio-Suisse-Delegiertenversammlung eine Mehrheit gegen den Einsatz von gesextem Samen beim Rindvieh. Dieser Entscheid wurde nun erneut bestätigt. Ein Antrag über die Zulassung von Spermasexing, der von den Mitgliederorganisationen Bio Schwyz, Bio-Ring Appenzellerland, Bioland Liechtenstein und Biogrischun gestellt wurde, hatte keine Chance. 

Die Voten gegen den Einsatz gesexter Samendosen überwogen. Wenn man für Bio-Milch einen höheren Milchpreis erwarte, könne man den Entscheid für den Einsatz gesexter Samendosen gegenüber den Konsumenten nicht rechtfertigen, wurde kritisiert. Man müsse auf eine Zweinutzungsrasse setzen.

Der Einsatz gesexter Samendosen bleibt somit weiterhin verboten. «Es ist ein ganz klarer und deutlicher Entscheid», freute Urs Brändli. 66 Delegierte stimmten Nein, 28 Delegierte stimmten Ja.

Von der Schweizer Bergheimat wurde im Gegenzug der Antrag gestellt, dass bei Bio nur Natursprung zum Einsatz kommen darf. Dieser wurde jedoch noch viel deutlicher abgelehnt. 

So hoch ist der Durchschnittslohn bei Bio Suisse

Für 2022 budgetiert Bio Suisse 8,3 Mio. Franken für Löhne. 92 Mitarbeitende belegen rund 7500 Stellenprozente. Der Durchschnittslohn beträgt 12 x 8500 Franken. «Wir brauchen gut qualifiziertes Personal, um die komplexen Aufgaben bewältigen zu können», hielt Vorstandsmitglied Monika Rytz-Stemplinger vom Ressort Finanzen an der Delegiertenversammlung fest.  

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2 Responses

  1. 12×8500 Fr.- im Durchschnitt. Dafür muss der Sessel aber schön warm gehalten werden – und diesen immer wieder lüften….Das braucht aber Energie. Sollte man nicht diese teuren Angestellten dem Bund zuschieben? Es braucht ein neues Programm und Sitzungen. Heute schmerzt mich die Rechnung der Bio-Suisse noch doppelt – ich hab nie einen solchen Lohn, arbeite länger

  2. Ist wie überall bei den kleinen sparen und selber kräftig abkassieren. Wie heisst es so schön Wasser sollt ihr trinken und selber gönnt mann sich Wein. Sind meiner Meinung keine Landwirtschaftlichen Löhne .Löhne sollten prozentual zu den Produzentenerlösen sein .

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