Donnerstag, 29. September 2022
04.07.2011 13:32
Waadt

Direktvermarktung: «Keiner hat an uns geglaubt»

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Von: Maria Sutter

Seit 15 Jahren bietet der Ackerbauer Gérard Roy im Laden «La Ferme» Landwirtschaftsprodukte aus der Region an. Heute arbeitet er mit rund 90 Lieferanten zusammen und hat 750 Produkte im Regal.

Gérard Roy war müde: Sein politisches Engagement vermochte seine konkrete Situation nicht zu verändern. So gab er 2006 die Milchkuhhaltung auf und suchte eine Nebenbeschäftigung zum Ackerbau. Die Idee kam ihm auf einer Reise im italienischen Aostatal in einem Spezialitätenladen: der Verkauf von Regionalprodukten.

Vertrag ohne Marktstudie

Zurück in der Schweiz besuchte er einige Bauernhofläden in der Umgebung. Er fand das Sortiment zu klein und die Standorte wenig attraktiv für eine Kundschaft, die sich aus seiner Sicht vermehrt zentral eindeckt. Ohne Marktstudie, aber mit vielen Ideen traf er den Angestellten einer Bank in Yverdon, die im Besitz seines Wunschlokals war. Er bekam einen Mietvertrag.

Mit wenigen Investitionen wurde der Laden eingerichtet; für den Start konnten 26 Lieferanten gewonnen werden. «Keiner hat an uns geglaubt», kann Gérard Roy heute herzhaft lachen. Aber das Geschäft lief von Beginn weg sehr gut. Heute arbeitet er mit rund 90 Lieferanten zusammen und verkauft rund 750 Produkte aller Art.

Kompletter Warenkorb

Der Kunde findet trifft auf einen fast kompletten Warenkorb – einzig im Winter werden zwischenzeitlich rund vier bis fünf Gemüsesorten aus Frankreich angeboten.

Anfänglich habe er eine eher ältere Kundschaft anzusprechen versucht, die in den Produkten einen Bezugspunkt zum altbekannten Geschmack aus ihrer Kindheit suchte. Heute zähle der Laden viele junge Kunden aus dem Mittelstand. Der Preis ist laut Roy ein sehr wichtiges Kaufkriterium. «Wir sind in einer ländlichen Region, da liegen Preise wie  in Lausanne einfach nicht drin.»

Bei Roy findet der Kunde viele Gemüsesorten zu günstigeren Preisen als beim Grossverteiler. Und die Spezialitäten sind zwar teurer als konventionelle Produkte, aber immer noch billiger als im Delikatessengeschäft. Das Ziel fairer Preis gilt auch für den Ankauf. Die Preise legt Roy mit den Produzenten gemeinsam fest, Änderungen werden im gegenseitigen Einverständnis vorgenommen.

Eigenständigkeit

Die Ferme ist eine GmbH und beschäftigt 14 Verkäuferinnen. Gérard Roy wird bei der administrativen Arbeit von seiner Ehefrau unterstützt. Als Hauptvoraussetzungen für seinen Erfolg nennt er die strikte organisatorische Trennung vom Landwirtschaftsbetrieb und die Eigenständigkeit bei Entscheiden. Genossenschaftliche Konzepte hätten häufig Mühe, weil man allen Beteiligten gerecht werden müsse. Oft hätten die Bauern auch zu wenig Zeit, um die Projekte richtig gut aufzugleisen.

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