Mittwoch, 29. Juni 2022
20.12.2021 12:20
Dünger

Düngerengpass: Bund gibt Pflichtlager frei

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Von: blu

Die Lage am Düngermarkt ist angespannt. Das Eidgenössische Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) hat deshalb am 20. Dezember 2021 eine Pflichtlagerfreigabe beschlossen. Damit soll ein möglicher Engpass aufgefangen werden.

Viele Rohstoffe haben sich in den vergangenen Monaten verknappt. Nur gesellt sich auch der Dünger dazu. In den vergangenen Wochen sind die internationalen Preise in die Höhe geschossen. 

Vier Ursachen

Die Schweiz ist für Stickstoffdünger vollständig auf Importe angewiesen. Dieser ist gemäss Mitteilung des Bundes derzeit nur beschränkt verfügbar. «Das wenige Wochen vor der ersten Düngung zu Beginn der Vegetationsperiode», warnen die Behörden. Der Bund will einer Mangellage entgegenwirken und gibt einen Teil der Pflichtlager frei.

Das WBF hat am 20. Dezember 2021 per Verordnung eine Pflichtlagerfreigabe genehmigt. Die Verordnung tritt am 15. Januar 2022 in Kraft. Die knappe Versorgung führt er auf vier Ursachen zurück:

  • Die Produktion von Ammoniak, einem Hauptbestandteil des Stickstoffdüngers, wurde weltweit wegen der hohen Erdgaspreise gedrosselt.
  • Wichtige Produzentenländer führten Exportrestriktionen ein.
  • Erschwerend hinzu kommen weltweite Logistikprobleme und Unwetterereignisse, die sich auf Produktionskapazitäten negativ auswirken.
  • Das zeitweise ausgeprägt tiefe Rhein-Niedrigwasser sowie die extrem hohe Nachfrage nach Schüttgutfrachtern für zusätzliche Kohletransporte in Deutschland behinderten im November/Dezember 2021 den Dünger-Import vorübergehend zusätzlich.

17’000 Tonnen an Lager

Die Lage stufen die Behörden als ernst ein. So heisst es in der Mitteilung von Montag: «Die Versorgung des Landes mit Dünger kann ohne einen Einsatz der Pflichtlager, trotz Anstrengungen der Branche, höchstwahrscheinlich nicht gewährleistet werden.»

Bereits Anfang Dezember hat das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) beschlossen, dass Pflichtlagerhalter, wo nötig, auf 20 Prozent der gesamten Pflichtlagermenge zurückgreifen dürfen. Diesen Schritt kann das BWL in eigener Kompetenz veranlassen. Die Schweiz hält insgesamt rund 17’000 Tonnen Reinstickstoff an Pflichtlager. Dies entspricht einem Drittel einer Vegetationsperiode. 

Und der Bund  geht noch einen Schritt weiter. So hält er fest: «Angesichts der aktuellen Versorgungssituation könne nicht ausgeschlossen werden, dass Dünger-Pflichtlager in grösserem Umfang als 20 Prozent benötigt werden.»

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18 Responses

  1. Kaum wird das Oel und Gas etwas knapp, muss schon das Pflichtlager herhalten. So sieht Versorgungssicherheit mit dieser düngerabhängigen Landwirtschaft aus. Was passiert dann, wenn es richtig eng wird?

    1. alles halb so tragisch….. ein Teil des Pflichtlagers wird jedes Jahr ausgewechselt und an die Landwirte verkauft! Du kannst den Stickstoffdünger nicht ewig bunkern!

    2. Dann gibs nichts vom heimischen Feld. In früheren Biozeiten, gabs auch Hungersnöte auf dem Land. Heute, würde wohl was auf dem Weltmarkt gekauft. Dafür, verhungern dann woanders noch mehr Menschen.

        1. Ich auch! Brauche nichts von dem Zeug. Aber noch vor kurzem wurde ein giftiger Abstimmungskampf geführt und uns vorgegaukelt, dass diese Kunstdünger und PSM abhängige Landwirtschaft dann die Versorgungssicherheit rettet. Und nun gibt es schon Probleme beim kleinsten Lieferproblem.

          1. Leider schafft es nur diese kunstdünger und PSM abhängige Landwirtschaft mehr als 3 Mrd menschen zu versorgen.
            Sie wollen davon weg? Kein problem, gibt halt dann zu wenig zu essen.

          2. Kopfschüttler: Es wurde beim Abstimmungskampf nicht behauptet, dass die konventionelle Landwirtschaft alle Probleme löst. Sondern, dass die zusätzliche Regulierung die Landwirtschaft vor zusätzliche und unnötige Probleme stellen würde.
            Und warum wettern die gleichen, die gegen PSM und Kunstdünger reden, nicht gegen Impfstoffe bzw. Gentherapien und Medikamente?

    1. Ich komme ja von der Nordseeküste. Hier waren vor der Reformation ja alle katholisch. Es gab ja auch nichts anderes. Es gab aber auch keinen Grund, Protestant zu werden. Bis wir hier mal eine Hungersnot hatten. Da versprach der Graf Bremer, allen, die protestantisch werden, einen Sack voll mit Roggen.(100 kg) er hatte das Land dafür und wird das sicher von der Kirche ersetzt bekommen haben. Von 100 kg Roggen, macht man mit Wasser angemischt, 200 kg Brot. Das lindert schon mal den Hunger etwas.

  2. Wie hoch ist jetzt der Selbstversorgungsgrad der Schweiz? Die Diskussion ob 55%, 60%, etc. ist doch hinfällig, wenn man sieht, dass 100% des Kunstdüngers importiert werden muss. Und wieviel % der Spritzmittel? Wir müssen den Selbstversorgungsgrad auf realistische 30-40% angeben, alles andere ist Augenauswischerei.

  3. Ich bin sowieso sehr erstaunt. Das es eine national Notversorgung für Dünger gibt, hab ich in D noch nie gehört.. So vorausplanende Politiker, haben wir nicht. Hier in D, ist es auch nicht besser. Die Düngerwerke, haben zeitweise auch nichts produziert. KAS, ist von 20auf 65 E/dz, teurer geworden. Wir haben nun gerade das Glück, über eine leeren Güllesilo zu verfügen. Den bekomme ich kostenlos vollgefahren. Ja und dann, muß ich versuchenn, das beste drauß zu machen.

  4. Hallo Beat. Der Glaubenswechsel ist schon lange her. Ich wollte damit auch nur sagen, was passieren kann, wenn die Leute Hunger haben. Damals, war eben alles Bio und es gab auch auf dem Land Hungersnöte

  5. Danke, Ernst-Georg Landsberg, für diese Ergänzung. Dann ist alles klar und es passt zum Thema Selbstversorgung und Hunger. Ich hatte mich nur ein bisschen gewundert, dass der einzige Grund für den Glaubenswechsel der Hunger und die dargebotene Hilfe gewesen sein sollte.

  6. Im übrigen, hatten wir hier im Dorf einen Schweitzer, der ausgewandert ist. Der hatte dort 12 Hektar in Küssnacht . Er fuhr dort LKW, sein Vater war Maurer und seine Frau arbeitete beim Schlachter. Die übernahmen hier einen Hof mit 100 Hektar und allem Inventar. Er verplemmperte sein ganzes Geld in Maschinen. Wenn ich ihn darauf ansprach, sagte er nur Püüüh. (Ich habs ja) Seine 12Hektar, hat er dann mal verkauft. Angeblich, sollten die 800 000 Euro bringen. Auch das Geld war mal alle.

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