Mittwoch, 1. Dezember 2021
05.10.2021 09:34
Einkommen

Landwirtschaftliche Einkommen legten zu

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Von: mgt/blu

Das landwirtschaftliche Einkommen stieg 2020 gegenüber dem Vorjahr um 6,7%. Es betrug im Mittel 79’200 Franken je Betrieb. Zu dieser Entwicklung haben insbesondere drei Faktoren beigetragen. Dies ergab die Auswertung von Buchhaltungsdaten von Landwirtschaftsbetrieben.

Das landwirtschaftliche Einkommen umfasst landwirtschaftliche – inklusive Hofläden – und landwirtschaftsnahe Tätigkeiten – etwa Biogasproduktion. Es entspricht der Differenz zwischen den Erträgen und den Aufwänden und wird sowohl für Einzelunternehmen als auch Betriebsgemeinschaften – das sind Zusammenschlüsse von zwei oder mehr Betrieben – erhoben. Ausserlandwirtschaftliche Aktivitäten sind darin nicht enthalten. 

Schweinemarkt und höhere Nachfrage

Gemäss der Zentralen Auswertung von Buchhaltungsdaten bei Agroscope stieg das landwirtschaftliche Einkommen 2020 gegenüber 2019 um 6,7 Prozent. Es betrug im Mittel 79’200 Franken je Betrieb. Dieser Anstieg führt Agroscope liegen auf drei Faktoren zurück:

  • Der Schweinemarkt hat sich weiter erholt. Die Preise und Produktionsmengen für Schlachtschweine stiegen, daher nahmen die Verkaufserlöse zu.
  • Die COVID-19-Pandemie wirkte sich trotz der Turbulenzen, die sie in den Agrar- und Lebensmittelmärkten auslöste, grundsätzlich positiv auf die inländische Nachfrage nach Lebensmitteln Schweizer Herkunft aus. Davon profitierten besonders Rind- und Geflügelfleisch, Eier, Milch, Frischgemüse und Frischobst. Dadurch stiegen die Preise oder die Absatzmengen, was zu höheren Verkaufserlösen für die Landwirtschaftsbetriebe führte. Zudem war während der Pandemie eine Verschiebung zwischen den Absatzkanälen, zugunsten der Direktvermarktung ab Hof, zu beobachten.
  • Die Witterungsbedingungen haben den Pflanzenbau mehrheitlich begünstigt. Es waren grössere Ernten zu verzeichnen, insbesondere bei Gemüse, Obst, Raps und Getreide.

Diese Punkte kompensierten negative Entwicklungen wie kleinere Ernten im Weinbau und bei Zuckerrüben, die verschärften Absatzprobleme auf dem Weinmarkt sowie die gestiegenen Aufwände. Letztere sind vor allem auf höhere Abschreibungen sowie Aufwände für Tierhaltung, Tierkäufe, Liegenschaftsunterhalt und Personal zurückzuführen.

Das landwirtschaftliche Einkommen entschädigt die Arbeit der Familienkräfte und das in den Betrieb investierte Eigenkapital.
Agroscope

Bergregion profitierte weniger stark

Das Einkommen wird in den drei Regionen, Tal, Hügel und Berg erhoben. Es stieg überall. Der Einkommenszuwachs fiel in der Talregion mit 7,8% etwas stärker aus, als in der Hügel- und Bergregion 6,0 respektive +5,3%. «Es kann festgehalten werden, dass die Bergregion etwas weniger stark von der guten landwirtschaftlichen Konjunktur profitierte», schreibt Agroscope.

Auf einem landwirtschaftlichen Betrieb arbeiteten 2020 durchschnittlich 1,35 familieneigene Arbeitskräfte (-0,7 Prozent gegenüber 2019). Dazu zählen unter anderem  Betriebsleiter und allfällige auf dem Betrieb arbeitende Verwandte wie Ehepartnerin, Eltern oder Kinder im Erwerbsalter. Der landwirtschaftliche Arbeitsverdienst pro Familienarbeitskraft (Vollzeit-Äquivalent) stieg um 7,5 Prozent auf 58’600 Franken. In der Talregion nahm der Arbeitsverdienst pro Familienarbeitskraft um 8,6 Prozent auf 75’100 Franken zu, in der Hügelregion um 6,1 Prozent auf 53’000 Franken und in der Bergregion um 6,6 Prozent auf 42’200 Franken.

Deutlich unter  zweiten und dritten Sektor

Im Dreijahresmittel von 2018 bis 2020 erzielten die Familienarbeitskräfte in der Landwirtschaft tiefere Löhne als Arbeitnehmende im zweiten und dritten Sektor. Der Median des Arbeitsverdienstes je Familienarbeitskraft betrug in der Tal-, Hügel- und Bergregion im dreijährigen Mittel jeweils 85%, 64% bzw. 56% des Vergleichslohnes.

Agroscope berechnet ebenfalls das durchschnittliche jährliche Gesamteinkommen eines landwirtschaftlichen Haushalts. Es setzt sich aus dem landwirtschaftlichen und dem ausserlandwirtschaftlichen Einkommen zusammen. Letztere werden ausserhalb der landwirtschaftlichen Tätigkeit erzielt, beispielsweise mit einer Anstellung im zweiten oder dritten Sektor.

In allen drei Regionen (Tal-, Hügel- und Berg-) stieg das landwirtschaftliche Einkommen. Der Einkommenszuwachs fiel in der Talregion etwas stärker aus
Agroscope

Ausserlandwirtschaftliches Einkommen: 31%

Im Gegensatz zum landwirtschaftlichen Einkommen wird das Gesamteinkommen nur für Einzelunternehmen ohne Betriebsgemeinschaften erhoben. Das ausserlandwirtschaftliche Einkommen stieg 2020 gegenüber 2019 um 4,3 Prozent auf 33’700 Franken pro landwirtschaftlichem Haushalt. Das ausserlandwirtschaftliche Einkommen machte im Durchschnitt 31% des Gesamteinkommens aus. Das ausserlandwirtschaftliche Einkommen hat in der Hügel- und Bergregion mit einem Anteil am Gesamteinkommen von 34% eine grössere Bedeutung als in der Talregion mit 28%.

Das Gesamteinkommen stieg um 5,7 Prozent auf 108’800 Franken.  Der Zuwachs ist gemäss Agroscope überwiegend auf das landwirtschaftliche Einkommens zurückzuführen. In der Talregion beträgt das Gesamteinkommen 128’000 Franken, in der Hügelregion sind es 102’900 Franken und in der Bergregion 88’200 Franken. 

Höhere Erträge in der Tierproduktion

Im Jahr 2020 betrug der mittlere Ertrag total, d.h. inklusive Direktzahlungen, 377’600 Franken je Betrieb. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies gemäss den Zahlen von Agroscope einem Zuwachs von 4,0%. Dies wird vor allem auf die Pandemie zurückgeführt. Der Einkaufstourismus und die Auslandsreisen gingen zurück. Dies führe zu einer Zunahme der inländischen Nachfrage nach Lebensmitteln, vor allem bei Rindfleisch, Gemüse, Milch- und Milchprodukten, Obst, Eiern und Geflügelfleisch. Profitiert haben während dieser Zeit auch die Hofläden.

Der monetäre Ertrag aus der Tierhaltung stieg um insgesamt 5,4%. Diese Zunahme ist der Schweine-, Rindvieh- und Geflügelhaltung zuzuschreiben. Der 2019 eingeleitete Anstieg der Preise für Schlachtschweine setzte sich in abgeschwächter Form fort, was eine leichte Erhöhung der Produktionsmenge zur Folge hatte. In der Milchviehhaltung blieb die Produktionsmenge nahezu stabil. Der ausbezahlte Milchproduzentenpreis stieg im Durchschnitt gegenüber 2019 leicht an. Die Nachfrage nach Milchprodukten ist gestiegen. Die Rindfleischproduktion nahm 2020 leicht ab, während die Schlachtrinderpreise aufgrund der leicht höheren Nachfrage bei knappem Angebot stiegen . Dieser Preisanstieg konnte den Rückgang der Produktionsmenge mehr als ausgleichen.

Günstiges Jahr für Pflanzenbau

Der monetäre Ertrag aus dem Pflanzenbau stieg insgesamt um 4,3%, was auch auf die positiven Witterungsbedingungen zurückzuführen ist. Zur positiven Entwicklung haben insbesondere die Frischgemüse- und Obstproduktion beigetragen, die nicht nur von den allgemein guten Wetterbedingungen, sondern auch von einer höheren inländischen Nachfrage profitierten.

Auch der Ackerbau entwickelte sich mehrheitlich positiv. Die Raps- und Getreideernten fielen aufgrund gestiegener Naturalerträge grösser aus als im Vorjahr, die Zuckerrübenproduktion nahm hingegen ab. Im Weinbau verschärften sich die seit 2019 bestehenden Absatzprobleme durch die COVID-19-bedingte Schliessung der Gastronomiebetriebe und das verordnete Veranstaltungsverbot. Die Direktzahlungen (inkl. kantonaler Beiträge) stiegen pro Betrieb im Durchschnitt um 1,6% – bei nahezu unveränderten Ausgaben des Bundes für Direktzahlungen. Dies ist auf den sich fortsetzenden Strukturwandel und das damit einhergehende Flächenwachstum der Betriebe zurückzuführen.

Aufwände weniger stark gestiegen als Erträge

Der durchschnittliche Gesamtaufwand erhöhte sich bei gesunkenen Produktionsmittelpreisen um 3,3% auf durchschnittlich 298’400 Franken je Betrieb. Mehrere Aufwandpositionen trugen zu dieser Entwicklung bei. Der Aufwand für Material, Waren und Dienstleistungen nahm um 2,8% zu, wobei der Grossteil dieses Anstieges auf den Aufwand für die Tierhaltung und die Tierzukäufe entfiel. Der Personalaufwand verzeichnete auch einen Anstieg (+3,3%). Dieser ist auf die Zunahme der Anzahl Angestellte (+1,1%) und der Lohnaufwände (+3,2%) sowie auf höhere Sozialversicherungsaufwände sowohl für die Angestellten (+7,3%) als auch das Betriebsleiterpaar (+3,4%) zurückzuführen.

Die Zunahme der Aufwände aus Positionen des Anlagevermögens und Pacht um 4,8% ist vor allem der Zunahme der Abschreibungen (+6,2%) und des Liegenschaftsunterhaltes (+11,9%) zuzuschreiben. In einer Finanzbuchhaltung kann die Höhe der getätigten Abschreibungen an den Geschäftsgang angepasst werden, um das Einkommen über die Jahre zu glätten.

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