Die Hafl bietet mit «Rise» ein Analyseinstrument, um die Nachhaltigkeit eines Landwirtschaftsbetriebes zu messen. Am letzten Samstag wurde die Methode auf dem Hof von Stefan Arn in Sutz-Lattrigen BE vorgestellt.
«Rise» ist eine computerbasierte Methode, mit der sich die Nachhaltigkeit eines Betriebes ganzheitlich messen und zusammen mit dem Bauern verbessern lässt. Bisher wurde diese Methode hauptsächlich projektbezogen angewandt. «Wir sind aber jetzt in einer Phase, wo wir die Rise-Methode den Bauern gern als Dienstleistung anbieten möchten», beschreibt Christian Thalmann von der Hafl den aktuellen Stand. Rise ist die englische Abkürzung für «Massnahmen-orientierte Nachhaltigkeitsanalyse».
Eine Standortanalyse
Rise bietet eine Standortbestimmung hinsichtlich der Nachhaltigkeit eines Betriebs. Beurteilt werden ökologische, ökonomische und soziale Aspekte anhand von zehn Bereichen, die durch Unteraspekte in einem Mehreck abgebildet werden. Diese grafische Darstellung soll sofort ersichtlich machen, in welchen Bereichen der Betrieb bezüglich der Nachhaltigkeit stärker oder schwächer ausgeprägt ist. Analysiert werden zum Beispiel Bodennutzung, Tierhaltung, Nährstoffflüsse, aber auch Arbeitsbedingungen und Lebensqualität.
Rise soll erkennen lassen, wo der Bauer die Möglichkeit hat, seinen Betrieb in Richtung mehr Nachhaltigkeit zu optimieren. Die Methode gibt aber keine konkreten Handlungsempfehlungen. Nach der Analyse werden die Resultate in einem Beratungsgespräch interpretiert. Gemeinsam mit dem Bauern werden Prioritäten ausgearbeitet und wenn notwendig vertiefte Analysen eingeleitet.
Blick geschärft
Ein landwirtschaftlicher Betrieb ist gemäss dem Projektteam dann nachhaltig, wenn er ausreichend rentiert, die natürlichen Ressourcen schont und allen Mitarbeitenden gute Lebensbedingungen bietet. Die Familie Arn bewirtschaftet 18ha Acker- und Weideland und hält sieben Turopoljeschweine und 600 Masthühner. Besonders wichtig ist Stefan Arn eine naturnahe Produktion.
2016 hat er seinen Betrieb auf Bio umgestellt und gleichzeitig per Zufall auch die Rise-Analyse machen lassen können. «Ich wollte einmal sehen, wo ich stehe, und schliesslich hat die Analyse meinen Blick auf gewisse Bereiche geschärft. Es gab Punkte, die einem wieder bewusster gemacht wurden», beschreibt Arn seine Erfahrungen. Es zeige sich auch deutlich die gegenseitige Abhängigkeit der einzelnen Betriebszweige.
Zweimal Rot
Einer der zu beurteilenden Bereiche ist die Bodennutzung. Die dazugehörigen Unteraspekte sind Bodenmanagement, Pflanzenproduktion, Humus, Bodenreaktion (pH-Wert), Erosion und Bodenverdichtung. Für diesen Bereich wird unter anderem geprüft, wie hoch die organische Substanz im Boden ist. Beim Parameter Pflanzenproduktion ist Arn im roten Bereich, «was aber bei Biobetrieben generell der Fall ist, weil es der Philosophie der Biobauern entspricht», erläutert Stefanie Gysler von der Hafl.
Der zweite rote Punkt befindet sich in der Fleischproduktion. Thalmann schlussfolgert, dass es gerade bei den Schweinen noch Potenzial gebe, um die Produktion zu intensivieren, ohne dem Tierwohl zu schaden. Dies zeigt, dass Rise die Nachhaltigkeit nicht nur in ökologischer, sondern auch in wirtschaftlicher Hinsicht misst. Trotz der zwei roten Punkte sind acht von zehn Bereichen aber durchschnittlich in der grünen Fläche. Gerade die Betriebsmittel und die Wassernutzung sind gemäss Analyse zu 89% nachhaltig. Die Lebensqualität ist mit fast 80% sehr hoch.
Kein neues Label
Die Projektverantwortlichen wollen aus der Methode aber kein neues Label machen. Thalmann versteht Rise auch als Beratungsgrundlage. Es gehe darum, einen ganzheitlichen Aussenblick auf den Betrieb zu werfen, um dem Bauern seine aktuelle Situation und mögliche Veränderungen aufzuzeigen. «Der Bauer entscheidet dann aber selbst und soll die möglichen Veränderungen aus Überzeugung einleiten und nicht, weil er dadurch einen besseren Marktzugang bekommt», präzisiert Thalmann.
Die Kosten für die Analyse orientieren sich an den kantonalen Ansätzen. Eine telefonische Anlaufstelle ist geplant. Der Kontakt erfolgt derzeit noch über die Homepage der Hafl, www.hafl.ch.