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Braida Dür und Lucas Schmutz mit Tochter Muriel auf ihrem Betrieb in Couvet NE, den sie diesen Frühling ausserfamiliär übernahmen.
In diesem Frühjahr nahm die Hofsuche für Braida Dür und Lucas Schmutz ein Ende. Sie konnten einen 50-ha-Grünlandbetrieb in Couvet NE erwerben. Nun erzählen sie von ihren ersten Monaten in ihrem neuen Zuhause.
Sie hatten einen Traum: einen Milchviehbetrieb selber bewirtschaften können. Per April 2020 ging er für die Agronomin Braida Dür und ihren Partner Lucas Schmutz, ebenfalls Agronom, im neuenburgischen Couvet in Erfüllung.
«Wir wollten melken»
«Es gefällt uns gut hier, die Berge vermisse ich aber schon etwas», schmunzelt die Älplerin aus Leidenschaft am Küchentisch in ihrem typischen Jurasteinhaus. Vor ihrem Abenteuer «Hofübernahme» waren beide unter anderem im Berner Oberland am Inforama Hondrich tätig. Auch Lucas Schmutz liebte das Älplerleben und die Berge. Ihr Betrieb «Sur le crêt» liegt zwar auf über 1100 m ü. M. und zählt zur Bergzone 2, doch das Grasland auf einer Fläche von 50ha ist ziemlich flach.
Weder Braida Dür noch Lucas Schmutz wuchsen auf landwirtschaftlichen Betrieben auf. Doch ohne Kühe sollte es nicht gehen. «Wir wollten melken», betont Lucas Schmutz. Trotz viel Offenheit Neuem gegenüber war der Weg bis zur ausserfamiliären Hofübernahme nicht einfach. Hochs und Tiefs prägten diese Zeit. Mehrere Betriebsbesuche und etliche Gespräche blieben erfolglos. Die Absage kam aber nicht immer vom potenziellen Verkäufer aus. Dabei lernten sie Folgendes: «Es ist wichtig, dass man auch Nein sagen kann.» Nein sagten sie zum Beispiel, wenn der Betrieb zu klein war oder wenn die abtretenden Betriebsleiter auf dem Betrieb bleiben und mitarbeiten wollten.
«Bauchgefühl stimmte»
Die Hofsuche nahm ein erfolgreiches Ende, nachdem sich die beiden auf ein Inserat im «Schweizer Bauer» meldeten. Trotz grossem Interesse und obschon etliche Bewerber ebenfalls die Finanzierung hätten sichern können, gehörte am Schluss der Zuschlag der jungen Familie.
«Das Bauchgefühl stimmte», sagt Lucas Schmutz, der offen zugibt, dass dieser Kauf ohne finanzielle Unterstützung und Darlehen der Eltern nicht möglich gewesen wäre. «Die finanziellen Möglichkeiten muss man genau kennen, bevor man einen Betrieb kaufen will», sagen sie.
Hohe Belastung
Die ersten Monate in ihrem neuen Zuhause waren alles andere als ein Zuckerschlecken. Sowohl die psychische als auch die physische Belastung seien sehr hoch gewesen. Sie kannten Gedanken wie: «Jetzt möchten wir einfach aufgeben.» Doch jeder Tag war ein Hineinwachsen in den Betrieb und ein Kennenlernen der zukünftigen Möglichkeiten. Sie wünschen sich eine Produktion, die nicht von ökonomischen Zwängen getrieben wird.
«Ganzheitliche Nachhaltigkeit», nennt Braida Dür ihre Vision. Bereits weiden ein paar eigene Kühe und Rinder, und über das Silvestri-Weiderind-Programm mästen sie 18 Rinder. Im Frühling nahmen sie zudem über 20 Mutterkühe und 10 Rinder für die Sömmerung auf. Doch anstatt saftige Juraweiden hatten sie bald staubtrockene und verdorrte Grasfelder vor sich. Die Tiere mussten frühzeitig auf die Heimbetriebe zurückgeschickt werden.
Erste Lösungen umgesetzt
Die Trockenheit stellt sie vor Herausforderungen. «Wir brauchen Lösungen, um damit besser zurechtzukommen», sagen die beiden. Bereits machen sie an einem Agroforstprojekt mit, in dem sie unter anderem Futterhecken anbauen und pflegen. Mit Übersaatversuchen wollen sie trockenheitsresistentere Futtergräser gedeihen lassen.
Auch das Potenzial der Regenwassernutzung hat das Paar erkannt. Neben dem Wohnhaus und auf den Weiden stehen bereits mehrere Wasserzisternen. «Um diese Wasserreserven effizienter nutzen zu können, investierten wir in eine Solarpumpe der Energie- und Solartechnikfirma Alectron», erzählt Lucas Schmutz weiter. Damit geniessen sie die Unabhängigkeit vom Stromnetz und die hohe Leistung der Pumpe bei der Wasseraufbereitung für die Tränke ihrer Rinder.
Bio-Knospe
Die mit der Betriebsübernahme lancierte Umstellung auf die Bio-Knospe ruft ebenfalls nach neuen, griffigen Lösungen. Im Frühling machten sich Blacken und Ackerkratzdisteln bemerkbar, deren Bekämpfung allein in Handarbeit fast unmöglich ist. Mit gezielter Beweidung mit Schafen wollen sie künftig die Unkräuter zurückdrängen. Aber nicht mit irgendeinem Schaf.
Auf der Suche nach einem robusten Schaf, das eine ansprechende Milchleistung garantiert, stiessen sie auf das vor allem in Österreich bekannte und aus Slowenien stammende Krainer Steinschaf. «Die ersten Importe sind aufgegleist», erzählt Braida Dür. An Ideen wird es den frischgebackenen Betriebsleitern in Zukunft nicht mangeln.