Mittwoch, 20. Januar 2021
05.12.2020 06:01
Deutschland

Bauern über Lidl-Angebot sauer

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Von: blu

Deutsche Bauern haben an mehreren Standorten Verteilzentralen blockiert. Sie protestierten gegen die tiefen Preise. Discounter Lidl hat den Bauern Hilfen in der Höhe von 50 Millionen Euro angekündigt. Die Landwirte sehen darin aber nur ein Trostpflaster. Sie fordern grundlegende Veränderungen.

Seit vergangenen Wochenende kommt es vor den Verteilzentralen von Aldi, Lidl, Edeka und Rewe zu Aktionen. Bauern blockierten Zufahren. Der Protest richtet sich gegen die Preisgestaltung der Detailhändler.

Die Landwirtschaft in Deutschland werde gerade gegen die Wand gefahren, kritisieren die Landwirte. Sie fordern schon seit längerem mehr Geld für Milch und Fleisch.

Bauern setzen neue Frist

Im norddeutschen Cloppenburg blockierten mehrere hundert Bauern mit bis zu 300 Traktoren von Sonntag- bis Dienstagabend die Zufahrt Lidl-Zentrallager. Lidl-Chef Klaus Gehrig versprach den Landwirten einen «Dringlichkeitsgipfel» des Handels. Lidl schaffe es aber nicht alleine.

«Um die Lage der Landwirtschaft nachhaltig zu verbessern, sind mutige Schritte seitens der Politik, Verarbeitern und unseren Mitbewerbern erforderlich, bei denen wir ausdrücklich unterstützen werden», so der Discounter weiter. Lidl wolle sich dieser Herausforderung stellen und nehme seine Verantwortung ernst.

Die Bauern zogen in der Folge ab. Doch sie setzen eine Frist. «Bis Freitagabend muss eine vernünftige Erklärung veröffentlicht werden, sonst werden wir wieder protestieren», kündigte Landwirt Stefan Grotjann gemäss der Nachrichtenagentur afp am Mittwoch an.

Das Angebot von Lidl, im Laufe des kommenden Jahres über die Initiative Tierwohl zur Verfügung stellen wollte, lehnten die Bauern ab. Das sei nicht das, was man wolle, sagte ein Sprecher dem NDR. Man habe keine Subventionen, sondern einen Systemwechsel hin zu langfristig besseren Produzentenpreisen angestrebt. Bis am späten Freitagabend war unklar, ob und wann es weitere Protest- oder Blockadeaktionen geben soll.

Anteil der Bauern transparent machen

Am «Dringlichkeitsgipfel», an dem auch Agrarministerin Julia Klöckner teilnahm, kam es nicht zum grossen Durchbruch. Klöckner ging am Freitag noch einmal die Notwendigkeit einer Verständigung zwischen Händlern und Landwirtschaft ein.

«Eine Möglichkeit hierfür ist ein Verhaltenskodex, mit dem sich der Handel eigene Regeln für ein faires Miteinander gibt. Das habe ich angeregt», sagte sie gemäss Angaben der Nachrichtenagentur dpa. Sie schlug vor, den Anteil der Bauern vom Verkaufspreis transparent zu machen. Dieser soll auf der Verpackung aufgedruckt werden.

Agrarministerin Julia Klöckner fordert, dass der Anteil der Bauern am Verkaufspreis bekannt gemacht wird.
Julia Spahr

«Angebot ist lächerlich»

Der Deutsche Bauernverband (DBV) erachtet das Angebot von Lidl als ungenügend. «So ein Trostpflaster reicht bei weitem nicht aus, um die grundsätzlichen Probleme zwischen Landwirtschaft und dem gesamten Lebensmitteleinzelhandel zu lösen», sagte DBV-Präsident Joachim Rukwied am Freitag.

Gar als lächerlich bezeichnet die Bauern-Initiative «Land schafft Verbindung» das Angebot von Lidl. Es sei eine Marketing-Aktion. Auf jeden der 260’000 Landwirtschaften entfalle nur 192,31 Euro. «Mit dieser Summe können die Löcher auf den Betrieben nicht ansatzweise gestopft werden», kritisierte «Land schafft Verbindung».

«Macht und Preispolitik bedrohen Höfe»

«Diese Macht und die Preispolitik in den Supermärkten bedrohen unsere Bauernhöfe und damit die Lebensmittelerzeugung vor unserer Haustüre», sagte Bayerns Bauernpräsident Walter Heidl am Freitag. Das Angebot von Lidl erachtet er als Hohn.

50 Millionen sei die Summe, die Schweinehalter in Deutschland derzeit jede Woche durch die Niedrigpreise des Handels einbüssten. «Die aktuelle Ankündigung von Lidl spottet aus meiner Sicht deshalb jeder Beschreibung», so Heidl.

Systemwandel nötig

Auch von den Mitbewerbern erhält Lidl Schelte. Der Discounter versuche, den Zorn auf andere Detailhändler abzulenken. Der Handel könne die Probleme nicht alleine lösen. Der Preisverfall etwa beim Schweinefleisch sei auf die Schweinepest zurückzuführen. Hier müsse die Politik helfen.

Greenpeace sieht das Angebot von Lidl als ersten Schritt. Die anderen Detailhändler müssten nun aber nachziehen. Letztlich sei aber ein Systemwandel nötig. «Der Wettkampf um die billigsten Lebensmittel muss endlich ein Ende nehmen», fordert die Umweltschutzorganisation.

One Response

  1. Die Verkaufspreise der Lebensmittel in den CH-Grossverteilern sollten auch transparent gemacht werden. Der Preis des Erzeugers (Landwirt) sollte auf jeder Lebensmittelverpackung abgedruckt werden.
    Ich habe kürzlich mit einem Konsument (Stadtbewohner) eine interessante Diskussion geführt. Dieser war richtig geschockt als ich ihm sagte wieviel wir für ein Kilogramm Milch erhalten! Er ging davon aus, dass wir einen Milchpreis gegen Fr. 1.– haben…!

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