Montag, 23. Mai 2022
10.07.2021 06:00
Betriebsführung

«BG ist Chance, wachsen zu können»

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Von: hal

Die Betriebsgemeinschaft (BG) Schorenplus aus Mühlau AG entstand nach einem Zeitungsinserat. Das ist mittlerweile 25 Jahre her. Nun erzählt sie, welche Vorteile ihre BG bietet und wie sie mit Konflikten umgeht.

1992 übernahmen Peter und Helen Suter den elterlichen Betrieb in der dritten Generation, mit verschiedenen Standbeinen: 80’000 kg Milchkontingent mit Aufzucht, 15 Mutterschweine mit 60 Mastplätzen, Ackerbau mit Getreide, Kartoffel- und Maisanbau.

Chance, zu wachsen

«Wir wollten von der Landwirtschaft leben können. Deshalb suchten wir nach Lösungen, um den Betrieb zu erweitern», erzählt Helen Suter. Mit einer Betriebsgemeinschaft gelang ihnen dies. Peter Suter sagt: «Eine Betriebsgemeinschaft ist in der Schweiz mit unseren Strukturen wirklich eine Chance, wachsen zu können, auch als Person, und bietet sehr viel Perspektive.»

Alles begann 1996 mit dem Entschluss, in der Zeitung ein Inserat zu veröffentlichen und einen Partner zu suchen. Es waren Josef und Pia Schmid aus Birri AG, die bei Suters anklopften. Bereits Anfang 1997 wurde die BG gegründet. Ohne Beratung sei ein solcher Schritt fast unmöglich, da man sich in Zusammenhang mit Investitionen auch wirtschaftlich stark binde, sagt Peter Suter.

«Ein Auge zudrücken»

Nun blicken die beiden Familien bereits auf eine über 20-jährige Zusammenarbeit zurück. Mit ihrem Erfahrungsschatz stellten sich Suters in einem Videointerview auf agripedia.ch den Fragen rund um die BG. Das Positive sei der Rückhalt, den man habe. Man treffe überlegte Entscheidungen und mache keine «Schnellschüsse», beschreibt Peter Suter die Vorteile einer BG. Und nicht zuletzt gehe es um eine bessere Wirtschaftlichkeit.

Der Betriebsgewinn wird unter allen BG-Mitgliedern aufgeteilt und der Lohn nach Tagen ausgezahlt. Jeder Tag besteht dabei aus zehn Arbeitsstunden. «Ohne BG hätten wir den Betrieb nie so entwickeln können.» Jeder Einzelne könne sich besser entfalten, ist er überzeugt. Eine BG biete sehr viele Vorteile, deshalb müsse man auch zwischendurch ein Auge zudrücken können, wenn es nicht nach dem eigenen Kopf gehe. «Man muss konfliktfähig sein und auch ein bisschen ein grosses Herz haben.»

Der Stimmungsbarometer

Wo Menschen zusammenarbeiten, kann vieles schiefgehen: Es werden Fehler gemacht oder Vereinbarungen nicht eingehalten, es kommt zu Meinungsverschiedenheiten und Missverständnissen, usw. Das ist normal und noch kein Grund zur Besorgnis. Wie gehen die BG-Mitglieder mit Schwierigkeiten und Konflikten um? Peter Suter kommt bei dieser Frage auf den sogenannten «Stimmungsbarometer» zu sprechen. «Dieser ist bei jeder monatlichen Sitzung traktandiert. Jeder kann sich äussern und Probleme ansprechen. Das ist sehr wertvoll.»

Schwiegertochter Daniela Suter beschreibt die Konfliktlösung wie folgt: «Man spricht sehr offen miteinander, geht aufeinander ein, hört zu und sucht gemeinsam Lösungen.» Monatlich treffen sich alle Mitglieder zur BG-Sitzung. An dieser wird aus den Betriebszweigen informiert, strategische Entscheidungen getroffen und Investitionen beschlossen. Das operative Geschäft wird wöchentlich geplant und täglich feinjustiert.

Austritte von Partnern

Die BG Suter und Schmid sammelte in all den letzten Jahren verschiedene Erfahrungen mit Kooperationen. Seit 2006 ist die Familie von Josef Stöckli aus Arni AG im Rahmen einer Tierhaltergemeinschaft (THG) involviert, die aber mittlerweile aufgelöst wurde. Familie Stöckli verkaufte die Kühe an die BG und liefert seither das Futter. Man habe gute Partnerschaften erlebt, die teilweise zeitlich beschränkt gewesen seien.

Aber nicht nur. «Wir erlebten auch schon einen Austritt, der nicht harmonisch ablief. Und das ist belastend», erzählt Peter Suter. Trotzdem überwiegt das Positive: «Wenn die Köpfe passen, kann man mit den verschiedensten Formen von Zusammenarbeit viele Synergien nutzen. Für unseren Hof bleiben die verschiedenen Formen von Zusammenarbeit wichtig», betont Peter Suter abschliessend.

Betrieb Schorenplus

Die Betriebsgemeinschaft Schorenplus bewirtschaftet insgesamt 63 Hektaren landwirtschaftliche Nutzfläche. Auf dem Betriebsstandort der Familie Suter im aargauischen Mühlau werden 130 Milchkühe der Rasse Holstein gehalten. Der Emmi-Milchliefervertrag liegt bei 1,3 Millionen Kilo pro Jahr. Das Jungvieh wird auf sechs Partnerbetrieben im Berggebiet aufgezogen. Zum Tierbestand zählen zudem 4000 Legehennen, die auf dem Betriebsstandort Birri bei der Familie Schmid untergebracht sind.

Neben Grasland wird Getreide, Mais, Reis und Obst angebaut. 30 Prozent der Fläche ist ökologische Ausgleichsfläche. Gesellschafter der Betriebsgemeinschaft sind Peter und Helen Suter, Mathias und Daniela Suter sowie Josef und Pia Schmid aus Birri und Margrit Konrad aus Muri. Auf dem Betrieb werden Lehrlinge ausgebildet und im Nebenerwerb Unterhaltsarbeiten in den kantonalen Naturschutzgebieten ausgeführt. hal

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