Samstag, 12. Juni 2021
04.06.2021 18:48
Betriebsführung

Mit Spezialkultur Markt gefunden

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Von: Matthias Bommer, Caroline Heller, Amaël Pillonel und Marina Bachmann

Studierende der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) in Zollikofen besuchen auf ihrer Abschlussreise Landwirtschafts- und Verarbeitungsbetriebe in der Schweiz. Auf schweizerbauer.ch berichten sie darüber. In Teil 3 gibt es einen Einblick bei einem Spargelproduzenten und einem Weinproduzenten.

Der dritte Tag unserer Studienreise führte uns von Kreuzlingen im Kanton Thurgau über das St. Gallische Diepoldsau bis in die Bündner Herrschaften und schliesslich nach Chur. Dabei hatten wir die Gelegenheit, einen Gemüseproduzenten, einen Weinbaubetrieb und eine Brauerei zu besichtigen.

Der launische Spargel

Gegen 10 Uhr trafen wir beim Spargelproduzenten Schmitterhof in Diepoldsau ein. Nach einer kurzen Vorstellung der Betriebsstrukturen führte die Exkursion zum Spargelfeld, auf dem der Anbau detailliert erklärt wurde. Es erfordert viel Wissen und Geduld, um die mehrjährige Kulturpflanze optimal gedeihen zu lassen. Laut Fabian Kummer, Betriebsleiter des Schmitterhofs, sind Spargeln eine launische Kultur.

Dies ist nebst den höheren Produktionskosten sicher ein Grund, dass der Schweizer Spargel nur rund 8% der in der Schweiz konsumierten Menge zu decken vermag. Die Familie Kummer hat sich dieser Herausforderung gestellt und damit einen interessanten Betriebszweig aufgebaut, der heute rund 60% ihres Betriebsumsatzes generiert.

2005 Anbau gestartet

2005 hat der Vater des aktuellen Betriebsleiters erste Versuche in der Spargelproduktion gestartet. Von Jahr zu Jahr konnte er Erfahrungen sammeln und so die Produktion steigern und professionalisieren. Durch die Zusammenarbeit mit einem nahegelegenen Industriebetrieb hat der Schmitterhof die Möglichkeit, die Spargeldämme mit Abwärmeleitungen auszustatten.

Dadurch kann die Bodentemperatur erhöht werden. Entsprechend können Kummers ihre Kunden zu einem früheren Zeitpunkt mit frischen Schweizer Spargeln beliefern. In der arbeitsintensiven Spargelernte zählt der Betrieb auf die Mithilfe von zahlreichen langjährigen Mitarbeiterinnen aus dem nahegelegenen Grenzgebiet Österreichs. Ein ansprechender Lohn für die Erntehelfer zahlt sich aufgrund der langjährigen Zusammenarbeit aus. Denn unsachgemässes Stechen der Spargeln schädigt die wichtige Wachstumsbasis der Pflanze und führt zu Ertragseinbussen von bis zu 20%.

Der frisch geerntete Spargel sollte möglichst schnell in den kühlen Lagerraum gebracht werden, um die Qualität sicher zu stellen.
zvg

Lagerung, Sortierung und Marketing

Nebst dem Anbau auf dem Feld sind auch die Lagerung, Sortierung und das Marketing wichtige Bestandteile des Betriebszweigs. Eine termingerechte Lieferung mit der geforderten Qualität ist für ein Bestehen auf dem wenig regulierten Spargelmarkt zentral.

So ist es auch nicht verwunderlich, dass der Schmitterhof den einzigartigen Geschmack, die Frische und die Qualität als ihre grössten Stärken nennt.

Nebst der Spargelproduktion betreibt der im St. Galler-Rheintal gelegene Betrieb auch Munimast, Gemüsebau, Ackerbau und hat eine Himbeerproduktion im Folientunnel. Der Himbeeranbau im Tunnel bietet insbesondere im Bereich der Krankheitsvorbeugung entscheidende Vorteile, die zur Qualitätsstrategie des Betriebs passen.

Weinbau in den Bündner Herrschaften

Nach einer kurzen Mittagspause ging es weiter nach Malans zum Weingut der Familie Lampert. Die Familie bewirtschaftet verschiedene Parzellen mit einer Gesamtfläche von 4ha. Es werden die Sorten Riesling-Silvaner, Pinot Noir, Chardonnay, Sauvignon-Blanc, Zweigelt und St.Laurent angebaut.

Der Betriebsleiter erklärte uns anhand der Reben die verschiedenen Arbeiten im Verlaufe eines Weinbau-Jahres. Insbesondere das Thema des Pflanzenschutzes wurde ausführlich angesprochen und diskutiert. Auf dem konventionell bewirtschafteten Weingut Lampert wird ab der Blüte der Pflanzenschutz ausschliesslich mit biologischen Mitteln durchgeführt.

So kann der Einsatz von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln reduziert werden und die Gefahr von Rückständen auf den Trauben wird minimiert. Besonders beeindruckte uns, dass bei einer Neuanlage eines Rebbergs im Verlauf der ersten 4 Jahre Kosten von rund 120’000 Franken pro Hektare anfallen, bis erste Erträge erzielt werden können. Nach dem Einblick in den Rebberg erhielten wir die Möglichkeit, verschiedene edle Tropfen zu degustieren, die der Sohn der Familie selbst keltert.

Bier auf Wein – das lasse sein

Eine kurzweilige Carfahrt führte uns von Malans in den Bündner Hauptort Chur. Hier bezogen wir unseren Schlafplatz und besuchten die Brauerei «Stadtbier Chur AG». Die Kleinbrauerei produziert sechs verschiedene Biervarianten, welche sich durch ihren einzigartigen Geschmack auszeichnen. Eine dieser Varianten ist dabei stets ein Saisonbier. Nach einer informativen Führung mit diversen Erklärungen rund ums Bierbrauen folgte eine Bier-Degustation.

Zum Abschluss des Tages durften wir dank einer grosszügigen Spende von Lely Schweiz ein sehr schmackhaftes Nachtessen im Restaurant Flavour’s in Chur geniessen.

Gemütliches Nachtessen in der Churer Altstadt.
zvg
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