Sonntag, 24. Oktober 2021
13.10.2021 18:21
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Permakultur: Option für Ihren Betrieb?

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Von: blu

Permakultur könnte die nachhaltige und ökologische Zukunft der Landwirtschaft sein. Sie weist eine hohe Flächenproduktivität aus, doch es fehlt noch an der Wirtschaftlichkeit. Wäre Permakultur ein Produktionssystem für Ihren Betrieb? Oder kommt das für Sie nicht infrage. Abstimmen und mitdiskutieren

Das System beinhaltet das Streben nach einem hohen Grad an Selbstversorgung in der Region und einer hohen Biodiversität. Das Grundkonzept der Permakultur leitet sich ab von «permanent agriculture», der dauerhaften Landwirtschaft. Die Idee: Kulturlandschaft wird so gestaltet, dass sie vielseitig nutzbar und ertragreich ist und einer Vielzahl von Lebewesen wertvollen Lebensraum bietet.

Gangbarer Weg für Schweizer Landwirtschaft?

Permakultur nutzt die natürlichen und lokalen Ressourcen und formt sie zu landwirtschaftlich produktiven, selbsterhaltenden Ökosystemen. Mit der Vernetzung der einzelnen «chaotischen» Bereiche wird in der Folge die Biodiversität und Kreislaufwirtschaft gefördert sowie die Umwelt und die Ressourcen geschont.

Permakultur könnte ein gangbarer Weg für die Schweizer Landwirtschaft sein. Die nachhaltige und ökologische Anbauweise ist auch äusserst produktiv: «Kaum ein anderes Anbausystem kommt an die Zahl produzierter Kalorien pro Hektare der Permakultur heran», erklärt Hans Ramseier, Dozent für Pflanzenschutz und ökologischen Ausgleich an der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) in Zollikofen. «Entsprechend kann Permakultur ein wichtiger Ansatz zur Problemlösung sein – indem wir ein globales Problem lokal lösen», meint Hans Ramseier weiter.

Fehlende Mechanisierung und Kostenwahrheit

Doch dem Produktionssystem fehlt derzeit an der Wirtschaftlichkeit. Das hat vor allem zwei Gründe: An der fehlenden Mechanisierung und der fehlenden Kostenwahrheit. Noch setzt Permakultur einen hohen Bedarf an Handarbeit voraus und die damit verbundenen Lohnkosten machen es der Schweizer Landwirtschaft fast unmöglich, Permakultur wirtschaftlich und sozial nachhaltig zu betreiben.

An der Mechanisierung wird bereits getüftelt, die Kostenwahrheit ist aber ein anderes Pflaster, sagt Hans Ramseier: «Der Konsument muss wieder bereit sein, einen fairen Preis für Lebensmittel zu bezahlen, sonst schaffen wir den Umbruch nicht und Permakultur wird sich nie flächendeckend verbreiten.» In der Schweiz gibt die Bevölkerung noch 6,3 Prozent für Lebensmittel aus. «Vor rund zwei Generationen waren es noch 35 Prozent», sagt Ramseier.

Lokal und nachhaltig: Mit Permakultur wird vor Ort eine grosse Vielfalt produziert, dass allzu lange Transportwege von vielen landwirtschaftlich produzierten Lebensmittel überflüssig werden.
Renate Hodel

Für grössere Betriebe populär machen

In der Schweiz gibt es mehrere Betriebe, die Flächen mit Permakultur bewirtschaften. Einige davon haben sich im Verein Permakultur-Landwirtschaft organisiert. Mehrere Betriebe aus der Deutschschweiz stellen sich dort vor.

«Es ist der Zweck unseres Vereins Permakultur-Landwirtschaft, die Permakultur auch für grosse Betriebe im Mittelland populär zu machen. Heute gibt es in der Schweiz nur ein paar Betriebe mit mehr als 15 Hektaren, die ganz oder teilweise nach den Prinzipien der Permakultur oder der Regenerativen Landwirtschaft wirtschaften. Die Zahl der mittleren und grossen Permakulturbetriebe nimmt jedoch zu», sagte Hans Balmer, Kultur-Ingenieur ETH und Präsident des Vereins Permakultur-Landwirtschaft, im vergangenen Jahr zu «Schweizer Bauer».

Seit 2020 Direktzahlungen

Seit dem 2020 können Permakulturflächen für Direktzahlungen (400 Franken pro Hektaren) angemeldet werden. Code 725 der offizielle, vom Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) anerkannte landwirtschaftliche Flächencode für «Permakultur».

Gemäss Definition müssen Flächen, welche mit dem neuen Code 725 erfasst werden, mindestens 50% Spezialkulturen umfassen (z.B. Gemüse und Beeren). Sie können aber auch einen Anteil an Nicht-Spezialkulturen umfassen wie z.B. Kornelkirschen oder auch Ackerkulturen wie z.B. Linsen. Die gesamte Fläche mit Permakultur gilt als Spezialkultur und kann so z.B. von entsprechenden SAK (0,323 pro Hektare)- oder Bio-Beiträgen profitieren.

An der HAFL wird mit einem Feld- und einem Waldgarten im Bereich Permakultur geforscht.
Renate Hodel

1800 Aren

Dabei wurde die Formulierung bewusst relativ offen gewählt. Es ist nicht genau definiert, was «kleinräumig» bedeutet. Jedoch ist klar, dass es sich bei einer Hektare Weizen neben einer Hektare Obstanlage nicht um Permakultur handeln kann, weil es sich dabei bei Schweizer Verhältnissen nicht um eine «kleinräumige Mischung» handelt.

Gemäss «Bauernzeitung» sind derzeit rund 1810 Aren als Permakultur gemeldet. Knapp ein Drittel davon wird im Kanton Waadt (589 a) bewirtschaftet, in den Kanton Aargau (330 a) und Zürich (337 a) zusammen findet sich ein weiteres Drittel. Über 100 Aren gibt es auch in den Kantonen Luzern (151 a) und Wallis (109 a).

Ist Permakultur eine Option für Ihren Betrieb?
Ja, mache ich bereits
11%
24
Ich überlege es mir
22%
46
Nein, das ist keine Option
67%
139

Lebensraumgestaltung

Entwickelt wurde das Konzept durch Bill Mollison und David Holmgren in den 1970er-Jahren. Sie suchten mit wissenschaftlichen Mitteln nach Ansätzen für eine zukunftsfähige Landwirtschaft. Aus ihren Beobachtungen entstand ein Konzept, die Landwirtschaft nach dem Vorbild natürlicher Ökosysteme zu gestalten.
Es handelt sich aber nicht nur um eine Anbaumethode, sondern auch um eine ökologische Lebensraumgestaltung. Die Prinzipien finden Anwendung in der Landschaftsgestaltung, der Architektur bis hin zum Aufbau von dauerhaften menschlichen Gemeinschaften. Die Permakultur basiert auf den ethischen Prinzipien «Kümmere dich um die Erde», «Sorge für den Menschen» und «Beschränke den Konsum».

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One Response

  1. Ich wäre vorsichtig damit, damit offiziell anzufangen. Ich befasse mich seit den 1980er Jahren damit und habe mir deswegen traumatisierende Behördenkriege eingefangen, weil die Fläche auf den Satellitenbildern entdeckt wurde.

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