Sonntag, 18. April 2021
25.02.2021 12:00
Milchmarkt

BOM will BIG-M nicht aufnehmen

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Von: blu

Die Branchenorganisation Milch (BOM) hat das Gesuch der Bauernorganisation BIG-M um eine Mitgliedschaft wenig überraschend abgelehnt. Zudem hat die BOM die Motion von Nationalrat Jacques Nicolet besprochen.

Im Milchmarkt wird zuweilen mit harten Bandagen gekämpft. Um sich stärker bei den Entscheidungen einbringen zu können, stellte die die Bäuerliche Interessengruppe für Marktkampf (BIG-M) im Dezember 2020 ein Gesuch um Mitgliedschaft in der Branchenorganisation Milch (BOM).

BIG-M mit Mitgliedschaft mehr Infos

In der Branche wurde diesem Gesuch mit Argwohn begegnet. Denn BIG-M engagiert sich seit Jahren im Milchmarkt und kritisiert Entscheide der der BOM teilweise heftig. Weil die Vorschläge der BOM zur Verbesserung der Situation der Milchproduzenten nicht einmal diskutiert wurden, enttäuschte die Organisation.

Um an mehr Informationen zu gelangen, strebte sie deshalb eine Mitgliedschaft bei der BOM an. «In den Medienmitteilungen würde «Wesentliches» verschleiert. Wir sind deshalb gespannt, ob der BOM-Vorstand unserem Gesuch zustimmt», teilte BIG-M Ende Jahr mit.

«Lösung nicht über Kampf»

Das Gesuch stiess wenig überraschend auf nicht viel Gegenliebe. Es wurde abgelehnt. Die BOM nannte dazu zwei Gründe. So seien die die bei BIG-M organisierten Milchproduzenten bereits über ihre Milchproduzentenorganisationen in der BO Milch vertreten.

«Andererseits passen die Ziele von BIG-M nicht zum Charakter der BO Milch: Big-M sieht sich als Bäuerliche Interessengruppe für Marktkampf, die BO Milch sucht Lösungen nicht durch Kampf, sondern durch Verhandlungen und Finden eines Konsenses», heisst es in der Mitteilung der BOM von Donnerstag.

BOM

Die Branchenorganisation Milch ist eine gemeinsame Plattform der schweizerischen Milchwirtschaft. Mitglieder sind 37 regionale und nationale Organisationen der Milchproduzenten und der Milchverarbeiter sowie Einzelfirmen der Industrie und des Detailhandels. In der Branchenorganisation sind Produzenten, Verarbeiter und Detailhandel paritätisch vertreten.

Die Branchenorganisation Milch bezweckt gemäss Statutenauftrag die Stärkung der Wirtschaftlichkeit ihrer Mitglieder aus der Schweizer Milchwirtschaft durch Erhalt und Förderung der Wertschöpfung und der Marktanteile in den in- und ausländischen Märkten.

Gegen Motion Nicolet

Nebst dem Gesuch von BIG-M diskutierte der Vorstand der BOM über die Motion von Nationalrat Jacques Nicolet (SVP/VD).  Darin fordert der Milchproduzent den Bundesrat auf, die Milchpreisstützungsverordnung (MSV) so zu ändern, dass die Zulage für verkäste Milch nur noch auf Milchmengen gewährt wird, für die mindestens der Preis des A-Segments bezahlt wurde.

So komme es beispielsweise vor, dass Milch, die der inländischen Butterproduktion zugeordnet werden könnte und für die folglich der Preis des A-Segments (73 Rp.) bezahlt würde, dem Markt für zum Export bestimmtem Käse zugeordnet werde, heisst es in der Motion. «Die Milchindustrie kann diese Milch also zum Preis des B-Segments (weniger als 50 Rp.) einkaufen und so von der Zulage für verkäste Milch in der Höhe von 15 Rp. profitieren. Dies geschieht zum Nachteil der Milchproduzenten, die die von der Milchindustrie diktierten Segmentierungsmechanismen akzeptieren müssen», argumentiert Nicolet.

Der Vorstand der BOM erachtet den Vorschlag von Nicolet als «unrealistisch, weil A-Preise für alle verkäste Milch marktfremd wären.» Die Idee, die Zulage für verkäste Milch an einen Mindestpreis zu koppeln, hält die BOM aber für prüfenswert. «Die BO Milch kennt bereits die Regelung des LTO+-Mindestpreises für verkäste Milch. Diese gilt nur für die direkten und indirekten Mitglieder der BOM, da die Allgemeinverbindlichkeit für diese Regelung nicht gewährt wird», schreibt die Organisation.

Delegiertenversammlung verschoben

Der Vorstand der BOM trifft sich mindestens alle drei Monate zu einer Sitzung. Dieser Rhythmus ist von der Richtpreisfestsetzung für das A-Segment festgeschrieben. «Weil der Vorstand im November 2020 den Richtpreis bereits für zwei Quartale bis Ende Juni 2021 auf 73 Rp./kg Milch festgelegt hatte, brauchte es in der Februar-Sitzung keinen entsprechenden Entscheid mehr», schreibt die BOM.

Der Vorstand hat am 23. Februar die Traktanden und den Termin für die Delegiertenversammlung bestimmt. Die Organisation erwartet, dass das Versammlungsverbot auch im April noch bestehen wird. Deshalb wurde der Termin für die DV vom bisherigen April-Termin auf den 14. Juni verschoben. Damit steige die Chance, dass die Delegiertenversammlung physisch stattfinden könne, heisst es weiter.

Die 37 Mitglieder der BOM

Produzenten
Schweizer Milchproduzenten SMPAaremilch AGArnold Produkte AG; Association des producteurs de Nestlé Broc APLN; Association des producteurs de lait de cremo SA APLC; Association des producteurs de Milco APLM ; Fédération des sociétés fribourgeoises de laiterie FSFL ; MIBA Genossenschaft ; Mittelland Milch ; mooh GenossenschaftOP Federazione ticinese produttori di latte FTPL; OPU Laiteries Réunies de Genève LRG; PMO Züger/Forster; PMO Strähl; PO OstschweizProlait – Fédération laitièreThur Milch AGZentralschweizer Milchproduzenten ZMP

Verarbeiter
Vereinigung der Schweizer Milchindustrie VMI; Vereinigung Schweizer Mittelmolkereien VSMM; Baer AGCremo SAEmmi Schweiz AGHochdorf Swiss Nutrition AGLATI SAMilco Industrie SANestle SASwiss Premium AGZüger Frischkäse AG

Gewerbliche Käser
FromarteAssociation des Artisans fromagers romands ; Bernischer Milchkäuferverband; Genossenschaft Ostschweizer Milchverarbeiter; Zentralschweizer Milchkäuferverband; Zürcher Milchkäuferverband

Detailhandel
Coop, Aldi Suisse

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12 Responses

  1. Die BOM liegt richtig, wenn sie diesen Klamauk- und Selbstdarsteller-Club BIG-M nicht aufnehmen will.
    Es wundert mich, ob dieser Club ausser Haab und Locher noch andere Mitglieder hat. Da Haab sein Ziel „Nationalrat“ erreicht hat, ist er auch nicht mehr ernsthaft interessiert. Ist also Locher noch das einige aktive Mitglied??

      1. Ich finde das jetzt ein wenig komisch das der Kommentar von Roman Auer gelöscht wurde. Schon viele dümmere und unqualifiziertere Kommentare blieben hier stehen, konsequenter Weise hätte der von Seppetoni dann auch gelöscht werden müssen.

  2. Wenn die BOM bei guter Marktlage ( Butterimport) den Milchpreis nicht auf 80 Rp. erhöht, täte ihr die Big M gut .
    Ich habe die Konsequenzen gezogen, noch 2 Monate, dann ein friedliches Leben….

  3. Leute die Fordern sind nicht erwünscht

    ich frage mich für was diese BOM Organisation taugt, erreicht hat diese bisher für die Milchproduzenten nichts, ausser Vorgaben für „Mondmilchpreise“ die nie annähernd erreicht wurden!!!

  4. Kleine Wirtschaftskunde:
    Effiziente Märkte setzen voraus, dass beiden Seiten (Anbieter und Käufer) den gleichen Wissenstand und die gleiche Marktmacht haben.
    Ergo: Gaggis wie die BIG-M können nichts zu einem effizienten Milchmarkt beitragen.

    Erst wenn die Anzahl der Milchproduzenten (sorry Milchproduzent*innen) um mehr als die Hälfte abnimmt, kann der Markt allmählich effizient werden.

  5. Typisch: wenn man sich nicht der Wahrheit stellen will, wie offensichtlich die BOM, dann verbietet man den Kritikern (und eigentlich besten Pferden im Stall), die Mitgliedschaft und den Mund.
    BIG-M könnte der BOM sicher einen gewaltigen Mehrwert bringen, vor allem durch Unterstützung der Produzentenseite. Offensichtlich wollen das viele nicht, was eben ein schlechtes Zeichen ist und zeigt, dass vieles heimlich, unehrlich, – zu Ungunsten der Produzenten – ausgehandelt wird.

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