Montag, 28. November 2022
25.09.2022 13:14
Abstimmung

Erleichterung beim Bauernverband

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Von: hal

Das Komitee «Nein zur unnötigen Tierhaltungsinitiative» und kantonale Vertretungen erwartete die Resultate zur Massentierhaltungsinitiative gemeinsam auf dem Legehennenbetrieb von Doris und Fritz Herren in Neuenegg BE. schweizerbauer.ch war vor Ort.

Wieder stand mit der Massentierhaltungsinitiative (MTI) eine Volksabstimmung an, die für die Bauernfamilien  von entscheidendem Ausgang ist. Entsprechend gross war auch dieses Jahr wieder das Engagement. Eine breit abgestützte Allianz von Akteuren der Land- und Ernährungswirtschaft hat zusammen mit den Bauernfamilien und Verbündeten aus allen Landesteilen während mehreren Monaten alles darangesetzt, ein Nein zu erreichen.

Kanton um Kanton

Die Vertreter des Bauernverbandes hatten Grund zum Feiern. Im Verlaufe des Nachmittags freuten sie sich, wenn sie Fahne um Fahne – Kanton um Kanton – beim Nein-Lager in die Strohballe stecken konnten. 

«Argumente haben gut gegriffen»

Markus Ritter, Präsident des Schweizer Bauernverbandes, zeigte sich bereits vor der ersten Hochrechnung kurz vor Mittag optimistisch. «Ich habe grundsätzlich ein gutes Gefühl», so Ritter gegenüber schweizerbauer.ch. «Unsere Argumente haben gut gegriffen.» Er sei davon ausgegangen, dass die Bevölkerung gut differenzieren und feststellen könne, dass diese Initiative so nicht gehe. 

«Haben fair diskutiert»

Obschon es ein intensiver Abstimmungskampf gewesen sei, sei er fairer gewesen als der letztjährige bei der Trinkwasser- und Pestizidinitiative. Die Angriffe der Befürworter seien nie in diesem Mass vorhanden gewesen, wie dazumal von den Umweltorganisationen. «Wir konnten fair zusammen diskutieren.»

Am meisten störte sich Ritter an der MTI ob der massiven Auswirkungen auf die Landwirtschaft. Stichworte: Bio-Tierwohl-Standard, Importregelung, weit entfernt von der Marktrealität. «Das beschäftigte mich. Mit der Landwirtschaft in eine Richtung, wo der Staat solche Vorgaben macht, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass man weit entfernt vom Kaufverhalten der Bevölkerung produziert.»

«Ganz schwierige Sache»

Auf die Frage, was ihn in Zukunft in Bezug zur Landwirtschaft am meisten beschäftige, sagte er ohne zu zögern: «Das ist die Biodiversitätsinitiative und vor allem der indirekte Gegenvorschlag. Die Auswirkungen wären noch grösser auf die Landwirtschaft als mit der Massentierhaltungsinitiative.» Gravierend wäre, wenn man 1,2 Millionen Hektaren Land – 30 Prozent der Fläche – in ökologische Infrastruktur geben müsste und diese noch behördenverbindlich in Richtpläne fixiert würden. «Das wäre für die Schweizer Landwirtschaft eine ganz schwierig Sache.» 

 

«Bin sehr erleichtert»

Der Bauernverband und kantonale Vertretungen haben das Resultat auf dem Legehennenbetrieb von Doris und Fritz Herren in Neuenegg BE entgegengenommen. Herren’s halten insgesamt 18’000 Legehennen, die in zwei Ställe aufgeteilt sind. Die Stallungen wurden Anfang Jahr bezogen. Gebaut habe er nach den neusten Tierschutzvorschriften. «Ich bin sehr erleichtert über das Resultat der Massentierhaltungsinitiative», sagt Fritz Herren, der den Betrieb an Sohn Marc übergeben wird.  

«Initiative ist kräfteraubend»

Er könne die Massentierhaltungsinitaitive nicht verstehen. «Man ist gar nicht fähig, auf dem Weltmarkt Lebensmittel einzukaufen, die dem Schweizer Tierschutzstandard entsprechen.» Wenn die Initiative angenommen worden wäre, wäre in den nächsten 25 Jahren kein Umbau mehr bewilligt worden, hält Herren fest, der sich im Vorstand von Gallosuisse, der Vereinigung der Schweizer Eierproduzenten, engagiert. «Und in 25 Jahren hätten wir die Türen geschlossen. Vielleicht hätte man den Stall sogar abbrechen müssen.» 

Jede gegen die Landwirtschaft gerichtete Initiative sei kräfteraubend, sagt er mit Blick in die Zukunft und wünscht sich, dass die Landwirte sich auf die Produktion von gesunden und wertvollen Lebensmittel konzentrieren können und nicht, dass sie sich derart politisch wehren müssen. 

«Vermehrt die Frauen angesprochen»

Laut Urs Schneider, der seit 22 Jahren für die Kampagnen beim Schweizer Bauernverband verantwortlich ist,  verlief die jüngste Kampagne erneut nach Plan. Wichtig sei, dass man ein gutes Konzept durchziehe. Man müsse aber flexibel sein und neue Akzente setzen. «Als wir feststellten, dass Frauen vermehrt für die Massentierhaltungsinitiative sind, haben wir zusätzliche Inserate gemacht, die insbesondere die Frauen ansprechen sollten. Ein Erfolgsrezept der Kampagne sei, dass man immer sehr früh starte – zuerst mit einer Informationsphase. Im Video erklärt Schneider, wie die Kampagne weiter verlief. 

Hauptargument «mehr Importe»

Das Hauptargument in der Kampagne sei schliesslich «weniger Regionalität, mehr Importe» gewesen. Die Leute hätten erkannt, dass man mit der Massentierhaltungsinitiative die Lebensmittelproduktion in der Schweiz massiv heruntergefahren hätte. «Gegessen wird auch in Zukunft. Man hätte also viel mehr importieren müssen. Das hat das Stimmvolk erkannt. Es weiss, dass es die Tiere in der Schweiz relativ gut haben.»

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