Montag, 23. Mai 2022
08.02.2022 07:12
Österreich

Herkunftskennzeichnung stärkt regionale Produkte

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Von: aiz

Bei der Wintertagung des Ökosozialen Forums in Wien, die heuer zum 69. Mal stattfand, diskutierten 130 Expertinnen und Experten an elf Fachtagen das Spannungsfeld zwischen globalen Märkten und regionaler Versorgung.

Vor dem Hintergrund des GAP-Strategieplans, internationaler Konflikte, von steigenden Rohstoff- und Energiepreisen sowie Handelsabkommen standen Lösungen für die genannten Herausforderungen und Ideen für eine zukunftsfitte regionale Landwirtschaft und Lebensmittelversorgung im Fokus. Die Referenten betonten dabei, dass es eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung, die Weichenstellung für energieautarke Höfe, stärkere regionale Kreisläufe und eine europäische Zusammenarbeit brauche, um zu verhindern, dass der Green Deal die Land- und Forstwirtschaft in Europa überfordert. Zudem solle die Wertigkeit der heimischen Landwirtschaft in der Kommunikation stärker ins Zentrum rücken.

Ländlicher Raum ist Gewinner in der Pandemie

Hans Mayrhofer, Generalsekretär des Ökosozialen Forums Österreich und Europa, fasst die zentralen Erkenntnisse und Forderungen der Wintertagung 2022 zusammen: «Der ländliche Raum ist ein Gewinner der Corona-Pandemie. Die Konsumenten fragen regionale Produkte stärker nach. Um diese Entwicklung weiterhin zu fördern, braucht es jedoch eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung, damit die Kunden wissen, wo die Produkte herkommen und wie sie produziert wurden. Das betrifft auch verarbeitete Lebensmittel, bei denen über die Herkunft der Inhaltsstoffe oftmals keine ausreichende Transparenz herrscht. Das Motto der Wintertagung lautete daher auch ‚Zukunft dank Herkunft‘. Mit einer entsprechenden Kennzeichnung können sich die Verbraucher bewusst für regionale Produkte entscheiden.»

Saisonalität in den Fokus rücken

Einige Referenten forderten auch eine klare Definition dessen, was Regionalität bedeutet. Zudem sollten in der Kommunikation der Wert der heimischen Produkte und die Saisonalität wieder stärker in den Fokus rücken, wovon die heimischen Landwirte ebenfalls profitieren würden. «Jeder Griff zu einem regionalen Produkt ist ein Auftrag an die Bäuerinnen und Bauern in Österreich. Bewusstsein bei den Verbrauchern und Transparenz bei der Herkunft von Lebensmitteln sind der Schlüssel für regionale Kreisläufe und eine zukunftsfitte Lebensmittelversorgung», wurde betont.

«Österreichs Landwirtschaft ist internationaler Vorreiter, sei es bei der Reduktion des Betriebsmitteleinsatzes, bei der umweltschonenden und biodiversitätsfördernden Bewirtschaftung, beim Tierwohl, beim Bio-Anteil oder bei der Qualität der regionalen Produkte. Der Green Deal sieht nun vor, dass diese Standards in ganz Europa umgesetzt werden. Österreich braucht daher ein neues Alleinstellungsmerkmal. Dabei können die heimischen Bäuerinnen und Bauern gemeinsam mit der regionalen Wirtschaft ihre Stärken ausspielen», ist Mayrhofer überzeugt. Es brauche eine regionale Kreislaufwirtschaft, bei der die Landwirtschaft, die vor- und nachgelagerten Bereiche, die produzierenden Betriebe, das Lebensmittelhandwerk, die Abfallwirtschaft und die Konsumenten zusammenarbeiten. «Alle müssen an einen Tisch und ihre Ideen sowie Erfahrungen und ihr Know-how einbringen», so der Generalsekretär.

Energieautarkie und Digitalisierung vorantreiben

«Mit moderner Landtechnik und digitalen Tools können zudem eine effizientere Produktion, vernetztes und ganzheitliches Denken und Handeln sowie eine Landwirtschaft im Einklang mit Umwelt- und Nachhaltigkeitszielen vorangetrieben werden. Deren Integration in die agrarische Produktion muss daher gefördert und ermöglicht werden. Der GAP-Strategieplan ist ein erster Schritt, dem viele weitere folgen müssen», unterstreicht Mayrhofer. «Damit schaffen wir kurze Lieferwege, eine regionale Wertschöpfung und einen enormen Umwelteffekt, gleichzeitig werden wir unabhängiger von Handelspartnern und Importen. Das ist ökosoziale Marktwirtschaft», so der Generalsekretär.

Es gelte auch, den Dialog mit den Menschen am Land zu verstärken und für eine regionale Produktion zu werben. «Aktuell scheitern viele Unternehmensansiedlungen, Um- und Ausbauten sowie Modernisierungen in der Landwirtschaft, aber auch Investitionen in erneuerbare Energie am Widerstand von Anrainern. Dazu ist klar zu sagen: Regionale Produkte ohne regionale Produktion wird es nicht geben», stellt Mayrhofer klar. Er appelliert an die Politik, den Weg für energieautarke Höfe zu ermöglichen. „Die Landwirtschaft trägt bereits jetzt in hohem Umfang zur CO2-Bindung bei. Mit den genannten Maßnahmen kann sie diesen Beitrag nicht nur erhöhen, sondern Österreichs Unternehmen einbinden und so im Sog auf dem Weg zur Klimaneutralität mitnehmen.»  

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