Sonntag, 17. Januar 2021
24.11.2020 18:40
Brotweizen

IG kämpft für Ertragswahrheit 

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Von: sal

Die IG BauernUnternehmen will, dass die Erträge der klassischen Produktion gegenüber Extenso und Bio gewürdigt werden. Oft gingen die Ertragsunterschiede vergessen oder würden vertuscht.  

Wie viel Brotweizen wird geerntet? In der Agrarpresse war in den letzten Jahren mehrfach die Rede von durchschnittlich 60 bis 65 dt/ha Ertrag im Extenso-Anbau ohne Fungizide und ohne Insektizide und von durchschnittlich 75 bis 85 dt/ha im klassischen Anbau nach ökologischem Leistungsnachweis (ÖLN). Dazu sagt Res Bürki, Landwirt in Richigen BE und Vorstandsmitglied der IG Bauernunternehmen: «Wenn das so wäre, gäbe es in der Schweiz viel mehr Brotweizen als ausgewiesen wird.»

Sortenversuche nicht verallgemeinern

Noch stärker trifft dies auf Sortenversuche zu, die heuer für Extenso 77,1 dt/ha und für ÖLN 81,8 dt/ha meldeten. In den Versuchen auf Kleinparzellen hat Extenso laut Bürki Vorteile, die auf grösseren Schlägen und an schlechteren Standorten nicht mehr gelten. Er geht davon aus, dass die Erträge über alle Extenso-Flächen in der Schweiz unter 50 dt/ha und die Erträge nach ÖLN über 70 dt/ha liegen. Bürki vermutet, dass eine Allianz von Detailhändlern, Labelorganisationen und politisch grün Gesinnten die Ertragsdifferenzen unter den Tisch wischen will. Denn, was nicht hierzulande produziert werde, könne in Form von Getreide, Mehl oder Teiglingen importiert werden, was für die Händler lukrativer sei.

Bürki vermutet, dass mehr importiert wird.
Gabriele Lässer

Nur Gesamtmenge und Biomenge sind bekannt

Bekannt ist die gesamte Menge an geerntetem Brotweizen und ziemlich genau weiss man, wie viel davon von Bioparzellen stammt. Wie sich der grosse Rest aber genau auf den Anbau nach Extenso und nach ÖLN verteilt, ist nicht bekannt. Stephan Scheuner, Direktor der Branchenorganisation Swiss Granum, erklärt: «Beim Anbau wird grundsätzlich zwischen Bio, Extenso und ÖLN unterschieden. Deren Flächenanteile publizieren wir mit Zahlen des Bundesamts für Landwirtschaft. Die Vermarktung erfolgt jedoch zumeist über private Labels, welchen die unterschiedlichen Anbauweisen zugrunde liegen.»

Bioertrag lag bei 40,5 dt/ha

Die Aufgabe von Swiss Granum sei es, die jährlichen Gesamtmengen zu erheben. Veröffentlicht werden auch die durchschnittlichen gesamtschweizerischen Erträge, seit 2020 zusätzlich separat für Bio. Die durchschnittlichen Weizenerträge lagen 2020 für Bio bei 40,5 dt/ha, für die restliche Weizenmenge bei 63,3 dt/ha.

Der Bund will mehr wissen

Der Bund unterstützt den Bio- und den Extenso-Anbau mit Beiträgen und will dies mit der Agrarpolitik 22+ via neue Programme wie jenem für den herbizidlosen Getreidebau noch ausbauen. Die Forschungsanstalt Agroscope erhebt im Rahmen der Auswertung von Buchhaltungsdaten auch Erträge, für 2019 kommt sie im Schnitt auf 50,1 dt/ha für Bio, 59,2 dt/ha für Extenso und 69,2 dt/ha für ÖLN. Die Betriebe sind aber nicht zufällig ausgewählt. Der Bund will mehr wissen: Agroscope führt derzeit eine Umfrage bei Pflanzenbau-Experten durch, um die Ertragsdifferenzen bei den Produktionssystembeiträgen präziser zu erfragen.

Lesen Sie morgen im «Schweizer Bauer» das grosse Interview mit Landwirt Andreas Bürki aus Richigen BE, der zahlreiche Betriebe auf Honorarbasis berät. 

20 Responses

  1. Wichtig, die Ausgangslage zu kennen. Jedoch hat Bio und Extenso noch Luft nach oben in Zukunft… Zum Beispiel, ich erntete die vorletzten drei Jahre im Durschnitt 59kg/a Bio. BauernUnternehmer finden hohe Erträge wichtig- ich auch. Ich denke aber, in Zukunft wird man hohe Erträge auch erreichen können ohne chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel… man muss aber dafür mehr in Forschung und Entwicklung investieren in diese Richtung. Noch sind wir nicht soweit.

  2. Bei den Erträgen im Bioanbau ist immer noch zu beachten, dass bis zu 50 % der zugefürten Hofdünger von ÖLN- Betrieben kommen darf (mit Sonderbewilligung bis 80%).
    Genau von jenen Betrieben also, die nach den Gedanken der Biobewegung alles falsch machen (intensive Tierhaltung, nährstoffüberschüsse, Verfüttern von importierten Futtermittel…)

    1. So eine typische Aussage, die zu den BauernUntenehmern passt. Einfach mal einen Punkt aus dem ganzen herausnehmen und verallgemeinern. 50% sind nur erlaubt, wenn keine Biohofdünger verfügbar sind. Zudem führen lange nicht alle Betriebe Hofdünger zu. Zusätzlich gibt es noch ein absolutes Maximum von 2,5 DGVE je ha.

    2. Und? Diese Herausforderungen sind lösbar in Zukunft. Wichtig ist Innovation und Vorwärtsschauen, nicht den Blick in den Rückspiegel und auf die Bremse stehen. Das pionierhafte und innovative gehört auch zum Biolandbau. Und sowiso, wenn Biobetriebe keine Hofdünger von ihren OELN-Kollegen abnehmen würden, wäre es auch nicht recht….

    3. Keine Angst, ich bin kein BauerUnternehmer. Mache extenso Brotgetreide und Eiweisserbsen und habe über 20% BFF.
      Ich finde diese Regelung einfach ein absolutes no Go. Es ist einfach absolut unglaubwürdig einerseits etwas zu verteufeln, und andererseits daraus profit zu schlagen.

  3. Als ob der kg Ertrag je ha das alleinige Kriterium wäre, worauf es bei der Produktion ankommt. Wie lange funktioniert eine Ertragsmaximierung in Bezug auf die Erhaltung von gesunden Böden? Alleine schon diesen Aspekt auszublenden zeugt von Augenwischerei und kurzfristigem Denken.

    1. Wo? Bei Bio, IP, OELN? Ertragsmaximierung und gesunde Böden schliessen sich nicht grundsätzlich aus. Es gibt keine mir bekannte Naturgesetze, die da wirken könnten.

      1. Hallo Christian, kennst du den Pflanzensafttest mit dem Brix – Nitrat – Vitamin C Verhältnis? Sehr hohe Gaben mit wasserlöslichem Stickstoff (Ammonium-N Bsp. aus Sack oder Gülle) fördern krankheitsanfällige Kulturen und Abbau von Dauerhumus durch den Primingeffekt, solange der Humusgehalt noch genügend hoch ist. Was du meinst, hängt von der Art der Pflanzenernährung und der Bodenpflege, nicht vom Label ab.

        1. Du schreibst richtig „sehr hohe Gaben mit wasserl. N“. Werden manche kleine, dem Wachstum angepasste Gaben von wasserl. N ausgebracht, ist der Priming-Effekt und Humusabbau nicht grösser als bei organischem N.
          Sofern der Boden warm, feucht und gut durchlüftet ist (z.B. nach mech. Unkautbekämfpung) kann org. N sehr hohe Nitratmengen freisetzen.
          Bitte weniger plakativ und differenzierter! Das gilt auch für unzählige Versuche, die einfach etwas beweisen wollen, was sie schon vorher „wussten“…

  4. Und Jährlich werden 20’000 Tonnen bester Schweizer Brotweizen denaturiert, damit billiger Glyphosatweizen importiert werden kann. Unter Absegnung des Getreideproduzenten Verbandes……????

  5. Genau Housi

    und hier Blüemli säen!

    Ihr müsst den Bericht der Wirtschaflichen Landesversorgung vom April lesen.
    Da sollen Grenzwerte für importiertes Getreide um das 100 fache erhöht werden!
    Das Vermischungsverbot soll im Notfall aufgehoben werden, um die Grenzwerte einzuhalten!
    Wann merkt ihr eigentlich wie dekadent wir geworden sind! Bei den Römern hat das zum Niedergang geführt.
    Hier e chli blüemele u näbe drane alles gift zum Nulltarif importieren.

    1. Ja, ich nehme auch Kompogas flüssig für mein Bio-Getreide :-). Recycling-Dünger halt. Wo ist da das Problem? Geht es einfach darum, anstatt die eigene Produktionsweise zu verteidigen darum, die anderen schlecht zu machen?

  6. 97 kg Spontan / a , Extenso. Ich han gmeint ich spinne. Sind mir froh um jede wo Extenso macht. Oder wänd mir eus gegesitigt abemelche?lieber öppe es kilo importiere….. ( isch bim anke glich)

    1. Es sind nicht ein paar Kilo, es wird schon fast die hälfte importiert!

      Beim Anken auch so, die Inlandversorung ist nicht (mehr) das Problem. Mit zu viel billig importen können wir nicht’s produziern und haben immer noch zu viel!

      Das mit dem zuviel produzieren kommt aus der guten alten Zeit als wir noch 3 Mio Einwohner waren. Das ist längst überholt.

  7. Ich finde das sind realistische Erträge. Ohne zu überdüngen mit Hofdünger und Kunstwiese in der Fruchtfolge. Kann aber gut sein das der Scheizer Durchschnitt tiefer ist

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