Sonntag, 14. August 2022
06.07.2022 11:16
Proteste

Niederlande: Schüsse bei Bauern-Protest

Share on print
Share on email
Share on facebook
Share on twitter
Von: blu/sda

Die niederländische Polizei hat bei Protesten von Bauern nach eigenen Angaben Warnschüsse abgegeben und auch gezielt geschossen. Die Bauern wehren sich gegen die Stickstoff-Pläne der Regierung.

Niemand sei verletzt worden, teilte sie mit. Die Polizei sprach am Mittwoch im Radio von einer äusserst bedrohlichen Situation für die Beamten.

Bei Heerenveen

Der Vorfall ereignete sich am späten Dienstagabend auf einer Autobahnauffahrt bei Heerenveen im Norden des Landes. Bauern hatten die Strasse mit Traktoren blockiert. Als sie auf die Polizisten und deren Autos zusteuerten, hätten die Beamten zur Schusswaffe gegriffen und mindestens einen Traktor getroffen, teilte die Polizei mit. Die Landwirte bestritten die Darstellung der Polizei. Die Polizei sei nicht bedroht worden. Drei Personen wurden demnach festgenommen. Die Kriminalpolizei untersucht den Vorfall.

Landwirte blockieren bereits seit Tagen Grosslager von Supermärkten und Strassen mit Traktoren. Von den jüngsten Blockaden waren vor allem Marktführer Albert Heijn und Jumbo betroffen.  Die Bauern blockierten mit ihren Zugmaschinen und Heuballen die Zufahrten. Mehr als 20 Distributionszentren der grossen Supermarktketten waren betroffen. Der Zentrale Verband des Lebensmittelhandels nannte die Blockaden «total unakzeptabel» und sprach bereits von ersten Versorgungsengpässen. In den Läden fehlt es gemäss verschiedenen Medien vor allem an frische Produkte wie Brot, Gemüse, Obst und Milch.

Auch am Mittwoch wurden die Proteste fortgesetzt unter anderem bei einem Grosslager und beim regionalen Flughafen von Groningen.

Betriebe müssen aufgeben

Der Protest der Bauern richtet sich gegen geplante Umweltauflagen. Denn im Juni stellte die Regierung in Den Haag den «Stickstoff-Plan» vor. Er sieht im Kern vor, dass die Landwirtschaft ihren Ausstoss an Stickstoffverbindungen bis 2030 um 50 Prozent reduziert. Verärgert hat die Bauern die detaillierte «Stickstoff-Karte» mit einzelnen Regionen, in denen die Gesamtemissionen um 12 Prozent bis hin zu etwa 70 Prozent in der Nähe von Naturgebieten sinken sollen.

In der Nähe von Naturschutzgebieten sollen der Ausstoss um bis zu 95 Prozent sinken. Die Verantwortung, das durchzusetzen, wird auf die Provinzen abgewälzt. Der Stickstoff-Ausstoss soll so drastisch reduziert werden, dass nach Einschätzung der Regierung etwa 30 Prozent der Viehhalter ihren Betrieb aufgeben müssen. Um das Ziel zu erreichen, müssten landwirtschaftliche Betriebe schliessen. Geplant ist, auch Landwirtschaftsbetriebe aufzukaufen. Als äusserstes Mittel will die Regierung gar Enteignungen prüfen. Landwirtschaftsminister Henk Staghouwer sagte laut «NRC» im Juni,  es sei eine «vollständige Umstellung des Agrar- und Ernährungssystems» nötig. Die Regierung will Extramittel, weit über 20 Milliarden Euro, bereitstellen, um die Produzenten zu entschädigen.

Die Pläne gehen auf einen Gerichtsentscheid im Jahr 2019 zurück. Die Regierung tue zu wenig, um europäischen Naturschutzvorgaben zu genügen, urteilte 2019 das oberste Verwaltungsgericht. Der hohe Emissionsüberschuss beeinträchtige die Artenvielfalt in Naturschutzgebieten. Das betraf den Bausektor, den Verkehr und die Landwirtschaft. Um nicht die Bautätigkeit einzuschränken, verfügte die Regierung ein Tempolimit.

Bauern fühlen sich getäuscht

Landwirte klagen, in den besonders betroffenen Regionen nahe Naturgebieten werde Viehhaltung kaum mehr möglich sein. Sie büssten unverhältnismässig für die Krise. Der Bauernverband LTO sprach von einem Kahlschlag. Landwirte erhielten viele Jahre lang Anreize, Höfe zu vergrössern – weswegen sie sich jetzt durch Pläne der Regierung getäuscht fühlen, den Viehbestand zu senken.

Die Niederlande sind gemäss der Statistikbehörde CBS der zweitgrösste Exporteur von Agrarprodukten hinter den Vereinigten Staaten. Der Wert der Exporte erreichte 2021 knapp 105 Milliarden Euro (105 Mrd. Fr.). Nach CBS-Daten hat sich einerseits die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe seit dem Jahr 2000 auf 52’000 in etwa halbiert. Der durchschnittliche Viehhalter hält in seinen Ställen über 162 Rinder und damit knapp doppelt so viele wie damals. Bei Schweinen hat sich der Durchschnitt auf 3365 Tiere mehr als verdreifacht

Mehr zum Thema
Politik & Wirtschaft

Die Wirtschaftsverbände setzten sich für ein Nein bei der Massentierhaltungsinitiative ein. - SBV Vier Schweizer Wirtschaftsdachverbände treten gemeinsam für ein Ja zur Abschaffung der Verrechnungssteuer sowie für ein Ja zur…

Politik & Wirtschaft

Die Initianten wollen, dass jede Haltung von Tieren, die nicht mindestens den Richtlinien von Bio Suisse entspricht, verboten wird. - Daniel Salzmann Zustimmung für die beiden AHV-Vorlagen und die Massentierhaltungsinitiative,…

Politik & Wirtschaft

Die «Razoni» – beladen mit 26 000 Tonnen Mais – hatte den ukrainischen Schwarzmeer-Hafen Odessa am Montag verlassen – als erstes Schiff im Rahmen entsprechender Abkommen. - Pixabay Das mit…

Politik & Wirtschaft

Die Grünen wollen die Förderung der Athletinnen und Athleten von der Armee abkoppeln und beim Bundesamt für Sport angliedern. - Andy Mettler Bundesrätin Viola Amherd hat anlässlich des Nordwestschweizer Schwingfestes…

7 Responses

  1. Endlich schreibt der SB etwas über die grossen Proteste in NL / DE durch die gegängelten Bauern.
    „In der Nähe von Naturschutzgebieten sollen der Ausstoss um bis zu 95 Prozent sinken.“
    Da sieht man, was diesen Umweltorganisationen am wichtigsten ist: Ihre Ideologie, auf Kosten der arbeitenden Bevölkerung, Im Auftrag der Hochfinanz, der UNO, des WEF, der Elite.

    1. Die Proteste sind das Resultat einr verfehlten EU Agrarpolitik , zuerst wird eine auf Export orientierte vollgas Strategie gefördert und dann voll auf die Bremse getreten . Die NL Bauern sollen den Kravattenhäinis mal schön in den Arsch treten .

  2. Die lassen sich wenigstens nicht mehr auf der Nase herumtanzen. In der Schweiz werden die älpler so mühsam mit dem Wolfspack geplagt, dass es direkt unvershcämt arrogant ist, diese grüne AUflagenpolitik. Es dient immer nur dem Kapital – und die Schweiz soll das Heidilandrefugium werden für die grossen Ressorts und Villen der Wetlfinanzbonzen. Dafür sind wir auch in der Partnerschaft für den Frieden und bald in der EU – zusammen mit der korrupten Ukraine …. Lach und Kotz.

  3. In Deutschland wird bis heute nichts gesendet. 9mrd € bezahlen wir für das Staatsfernsehen und die können nciht einmal ein paar km von der Grenze berichten…

  4. Also ich weiss ja nicht…für mich sind das zwei sehr platzierte Schüsse die auf Höhe Fahrerkopf in die Kabine rein gehen. Definitiv keine Warnschüsse.
    Das wird Folgen haben.

  5. Volles Verständmiss für die Bauern:
    Der Stickstoff-Ausstoss soll so drastisch reduziert werden, dass nach Einschätzung der Regierung etwa 30 Prozent der Viehhalter ihren Betrieb aufgeben müssen. Als äusserstes Mittel will die Regierung gar Enteignungen prüfen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

SCHWEIZER BAUER

DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE