Dreimal sind in der vergangenen Woche Schweizer Bauern mit eigenen Traktoren nach Deutschland gefahren. Sie wollten die deutschen Berufskollegen bei ihren Demonstrationen unterstützen und ein Zeichen der Solidarität setzen. Die Initianten sind Thomas Rieder und Philippe Rosset, beide aus Reigoldswil BL, und Adrian Hunziker aus Zunzgen BL. In einer Whatsapp-Gruppe sind 21 motivierte Personen vertreten.
Es begann mit Siloballen
Philippe Rosset sagt auf Anfrage dieser Zeitung: «Schon vor dem 8. Januar haben Thomas Rieder und ich und ein weiterer Landwirt aus Reigoldswil eine Siloballen-Aktion an der Strasse gemacht. Diese stiess aber in den Medien und in der Bevölkerung auf weniger Interesse, als wir gedacht hatten. Auch darum wollten wir unsere Solidarität mit einer Fahrt nach Deutschland ausdrücken.» Rosset sagt auch, wenn die deutsche Landwirtschaft ihre Produkte zu so tiefen Preisen verkaufen müsse, werde der Preisdruck auch für die Schweizer Betriebe noch grösser.

Mit dieser Aktion auf Schweizer Boden, in Reigoldswil BL, begann der Protest, der in einer Fahrt nach Freiburg im Breisgau gipfelte.
zvg
Regulierung schwappt über die Grenze
Am Samstag, am Montag und am Mittwoch fuhren jeweils 6 bis 14 Traktoren über die Grenze, und auch für Freitagabend sei wieder eine Fahrt nach Rheinfelden geplant, sagt Hunziker. «Wir haben die Proteste der deutschen Bauern verfolgt und auch mitbekommen, dass Berufskollegen aus den Nachbarländern nach Deutschland fahren und mithelfen. Nur bezüglich Schweiz hörte man nichts. Das wollten wir ändern», so Hunziker.
«Bauer ist Bauer, egal, ob nördlich oder südlich des Rheins. Auch wir in der Schweiz müssen mit immer mehr Vorschriften leben, die uns erdrücken. Viele Regelungen, die in Deutschland beschlossen werden, wurden ein paar Jahre später hier in der Schweiz zum Thema», so Hunziker. Er bezieht sich dabei nicht nur auf Landwirtschaftsbetriebe, sondern generell auf das Gewerbe. Er selbst hat ein Lohnunternehmen (Holzen, Spalten, Mähen, Dreschen, Heu- und Strohhandel), sein Bruder hat einen Landwirtschaftsbetrieb. «Der Mittelstand in Deutschland hat gemerkt, dass es nicht gut kommt. Darum haben sich auf den Strassen im deutschen Rheinfelden auch Gewerbler mit Lieferwagen den Traktoren angeschlossen», berichtet Hunziker.
«Es war gewaltig»
Am Samstag und am Mittwoch habe man in Rheinfelden mehrere Runden gedreht, am Montag aber, der zum Tag der Höhepunkte der deutschen Bauernproteste ausgerufen worden war, sei eine Gruppe Schweizer Traktoren bis nach Freiburg im Breisgau gefahren, das über 60 Kilometer nördlich liegt. Dort habe man sich an einer 24-Stunden-Kundgebung der deutschen Bauern angeschlossen, die mit ihren Traktoren drei definierte und mit der Polizei abgesprochene Routen, davon ein Stück auf der Autobahn, gefahren seien.
Und wie hat er diese Aktionen erlebt? «Gewaltig. Wahnsinnig. Sehr eindrücklich. Wir erlebten extrem lustige Momente bis sehr emotionale Momente, die einem als von der Agrardieselbelastung nicht direkt Betroffene stark unter die Haut gingen.» Die KfZ-Steuer und die Agrardieselrückerstattung seien ja nur die Tropfen gewesen, die das Fass nach vielen Jahren einer stetig schwieriger werdenden Situation für die Landwirtschaftsbetriebe zum Überlaufen gebracht hätten.
Starker Zusammenhalt
«Das Wichtigste, das wir von den Aktionen in Deutschland mitgenommen haben, ist der gelebte Zusammenhalt der deutschen Landwirte und die von der Bevölkerung gezeigte Wertschätzung. Viele Leute haben uns mit Applaus bedacht oder uns mit Daumen-hoch-Halten ihre Unterstützung signalisiert», sagt Thomas Rieder.
Laut ihm verbindet die deutschen und die schweizerischen Landwirtschaftsbetriebe das Problem, dass die Produktionskosten in der letzten Zeit stark gestiegen sind, die Produzentenpreise allerdings nicht oder nur wenig und dass gleichzeitig die Lebensmittelpreise in den Läden deutlich aufgeschlagen haben. Gruppenbild mit deutschen, schweizerischen und französischen Landwirten in Lörrach (D).
Zürcher Ehepaar war mit dabei
Mit den Baselbieter Landwirten unterwegs waren auch Patrick und Vanessa Monhart aus Wildensbuch ZH. Der Kontakt kam zustande, weil sie vor einigen Jahren ein Hinterwälder Rind nach Hägendorf SO, an einen Kollegen von Adrian Hunziker verkauft haben. Am Samstag war Patrick dabei, am Montag Vanessa, am Mittwoch beide mit ihren drei Kindern. Sie fuhren jeweils mit dem Auto ins Baselbiet, wo ihnen ein Traktor zur Verfügung gestellt wurde. Vanessa fuhr am Montag bis nach Freiburg im Breisgau und war dort auch ein kurzes Stück auf der Autobahn.
Patrick sagt: «Die Bauern haben es angerissen, aber auch andere Berufsgruppen sind Teil der Bewegung. In Rheinfelden habe ich ein Reinigungsunternehmen, ein Gartenbauunternehmer, einen Schreiner getroffen. Alle haben genug.» Der Schreiner habe ihm erzählt, dass er sogar auf Schrauben CO2-Abgaben bezahlen müsse. Vanessa postete auf WhatsApp unter anderem: «Die Freude der deutschen Bauern war einfach nur überwältigend, als wir auf dem Demoplatz in Freiburg eintrafen. Soviel Solidarität von allen Seiten zu erfahren, war sehr beeindruckend.» Laut ihr kommt fast jeder Unsinn, der in Deutschland beziehungsweise in der EU beschlossen wird, unweigerlich auch in die Schweiz.

Bäuerin Vanessa Monhart beim Demonstrieren auf einem Schweizer Traktor in Deutschland.
zvg






Sinnlos Diesel verschwenden um gegen höhere Dieselkosten zu protestieren? Klingt logisch!
Als nächstes bauen wir neue Asylcenter um gegen Migration zu protestieren.
War das eigentlich von meiner Steuer subventionierter Diesel?
Nein, keine Sorge, war nicht von deinen Steuern.
War vom Bauern selber, welcher die Mineralöabgabe beim Treibstoffkauf zahlt.