Montag, 8. August 2022
20.04.2022 14:23
Milchmarkt

Biomilch: Migros erhöht Produzentenpreis erneut

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Von: blu

Ab Juli 2022 steigt der Preise für Biomilch für Migros-Lieferanten um mindestens 5 Rappen je Kilo. Mit der Erhöhung kommt die Detailhändlerin den Forderungen der Milchorganisationen nach.

Die Milchproduzenten haben mit steigenden Produktionskosten zu kämpfen. So sind beispielsweise die Preise für Futter, Maschinen oder Energie gestiegen.

Höherer Preis für konventionelle Milch

Die Branchenorganisation Milch (BOM) hat deshalb Anfang März beschlossen, den Richtpreis für industrielle Molkereimilch im A-Segment um 5 Rappen auf 78 Rappen zu erhöhen. Die Erhöhung erfolgte auf den 16. April 2022.  Der Richtpreis ist aber bis Ende 2022 fixiert. «Damit erhält die Milchbranche Planbarkeit und Stabilität», heisst es weiter. Dieser Entscheid sorgte für harsche Kritik. Für BIG-M ist vor allem das Fixieren des Richtpreises bis Ende 2022 unverständlich. Denn in den kommenden Wochen und Monaten sei mit weiter steigenden Kosten für Produktionsmittel zu rechnen, warnt die Bauernorganisation.

Die mit der Richtpreiserhöhung steigenden Preise für konventionelle Milch liessen die Biomilchproduzenten nicht unkommentiert. Ende März forderten sechs Bio-Milchorganisationen in einem Schreiben an die Verarbeiter und Detailhändler eine Preiserhöhung von 5 Rp./kg.

Gefahr von sinkender Attraktivität

Als Gründe nannten sie das knappe Angebot an Milch, die weiter steigenden Produktionskosten sowie die drohende sinkende Attraktivität der Bio-Milchproduktion im Vergleich mit den Preisentwicklungen bei der konventionellen Milch und der Wiesenmilch.

Bio Suisse forderte an einer Medienkonferenz von Anfang April ebenfalls höhere Preise. Bio-Suisse-Präsident Urs Brändli verwies auf die steigenden Produktionskosten, die sich mit dem Ukraine-Krieg weiter erhöhen «Die Wirkung des höheren Milchpreises verpufft durch diese höheren Kosten», so Brändli. Er meinte damit die erste Erhöhung von Februar.

Er verlangte deshalb weitere Preisanpassungen in der Höhe von 4 bis 6 Rappen von Verarbeitern und Handel. «Sonst stellen keine Milchproduzenten mehr auf Bio um und die Jungbauern steigen mittelfristig aus», warnte Brändli.

Mit dem höheren Milchpreis will sich die Migros als verlässlicher Partner der Bauern zeigen.
Reto Blunier

«Anspruch auf marktgerechten Preis»

Die Migros kommt nun der Forderung der Biomilchbauern nach. Die Produzentenpreise werden per Juli 2022 um mindestens 5 Rappen je Kilo Milch erhöht. «Die Migros hat den Anspruch, für jede Milchsorte einen marktgerechten Produzentenpreis zu bezahlen», hält sie in einer Mitteilung von Mittwoch fest. Zudem will die Detailhändlerin «den steigenden Ansprüchen der Konsumentinnen und Konsumenten punkto Nachhaltigkeit weiter nachkommen und dazu das Angebot von Bio-Milchprodukten weiter fördern.»

Die Migros und ihr Tochterunternehmen Elsa habe als verlässliche Partner der Schweizer Landwirtschaft entschieden, den Produzentenpreis zu erhöhen, heisst es weiter.

Die Erhöhung um 5 Rappen wird der zweite Anstieg für Biomilch innert kurzer Zeit sein. Denn Ende Februar 2022 wurde der Produzentenpreis ein erstes Mal um 5 Rappen erhöht. Mit der Erhöhung wurden die Mehrkosten aufgrund der strengeren Richtlinien abgegolten. Knospe-Milch-Produzenten dürfen seit 2022 Wiederkäuern (Kühe, Ziegen, Schafe) nur noch 100 Prozent Schweizer Knospe-Futter verfüttern. Und der Anteil Kraftfutter darf noch maximal fünf Prozent betragen (zuvor 10%, EU-Bio bis 50%). 

Milchpreis von rund 90 Rappen

Für die Migros-Lieferanten steigen die Milchpreise damit insgesamt 10 Rappen. Gemäss dem Milchpreis-Monitoring der Schweizer Milchproduzenten lag der durchschnittliche Produzentenpreis für Bio-Molkereimilch im Januar 2022 bei 81 Rappen je Kilo. Migros-Lieferanten dürfen damit ab Juli 2022 mit rund 90 Rappen je Kilo rechnen. Zum Vergleich: Der Produzentenpreis bei den Zentralschweizer Milchproduzenten wird per 1. Mai auf 65 Rappen erhöht. Eine erste Erhöhung von 60 auf 62,5 Rappen je Kilo erfolgte per 1. April.

Wie stark die Preise für Bio-Milchprodukte in den Regalen der Detailhändlerin steigen wird, lässt sie offen. «Die neuen Produzentenpreise werden je nach Möglichkeit in Form höherer Produktpreise an die Kundinnen und Kunden weitergegeben», schreibt die Migros weiter.

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6 Responses

  1. Produzieren was der Kunde will und nicht die {Lohnbezüger) von Bio Suisse!
    Liebe Bio Suisse wen Sie weiter auf ihrer Linie fahren so werden mehrere Betriebe mit vorzeiglicher Tierhaltung aufgeben. {schärfere Futterungsrichtlinie) (keine selexion)(neue Hühner richtlinien)
    Macht doch unsere Produkte doch nicht noch künstlich teurer…
    Für das gibt es Demeter Produkte die in einem sehr tiefen absatzmarkt für sich beanspruchen, was ja zeigt das das nicht gesucht wird!!!

    1. Wenn man unter vorzüglicher Tierhaltung versteht, dass man hohe Futterzukäufe, viel Kraftfutter und Spermasexing braucht, dann hat man die Grundsätze des Biolandbaus nicht begriffen. Und auch die Biokonsumenten stellen sich die Biomilchproduktion nicht so vor.

  2. Wie viel ist der Milchpreis netto,das Intressiert mich mehr. Den im abziehen sind die Verarbeiter sehr großzügig .Den deren Margen müssen stimmen ,damit die Teppichetage weiter grosse Boni kassieren können. En schöni Woche

  3. von ZMP Bio Milchproduzent
    Basispreis 86 Rp
    Deklassierung – 4Rp
    Saisonaler Abschlag -6 Rp
    Abzüge für Fonds BO Milch -4,5 Rp
    Abzüge Marketingbeitrag BIO
    Beiträge SMP
    Abzüglich Milchtransport -18 Fr pro Ladehalt
    Zuzüglich Gehaltsbezahlung Fett, Eiweiss und Zulage Verkehrsmilch 5 Rp. und Milchzulage nicht verk. Milch, komme ich auf einen ausbezahlten Milchpreis von 78,5 Rp.

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