Freitag, 23. Juli 2021
16.07.2021 12:58
EU

Kaum Einkommen der Milchbauern

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Von: AgE

Nicht nur in Deutschland, sondern auch in vielen anderen Ländern der Europäischen Union reicht das Milchgeld nicht aus, um die Produktionskosten voll zu decken. Dies geht aus der kürzlich veröffentlichten Studie «Was kostet die Erzeugung von Milch?» des Dachverbandes European Milk Board (EMB) hervor.

Demnach lagen 2019 im EU-Mittel die Erzeugungskosten einschliesslich Einkommensansatz der Milch bei 45,35 Cent/kg (49,2 Rp.). Demgegenüber stand ein durchschnittlicher Milchpreis von 34,52 Cent/kg (37,4 Rp.), so dass sich eine Kostenunterdeckung von 10,8 Cent/kg (11,7 Rp.) beziehungsweise rund 24% ergab. «Das zeigt klar, dass bei der Milch EU-weit eine problematische Schieflage vorliegt», resümierte die niederländische EMB-Vorsitzende Sieta van Keimpema.

Litauen mit höchster Unterdeckung

Laut der vom Büro für Agrarsoziologie und Landwirtschaft (BAL) durchgeführten Studie waren die Milcherzeugungskosten in Irland mit 34,21 Cent/kg (37 Rp.) am geringsten, aber auch dies reichte zur Vollkostendeckung nicht, zu der 9 % fehlten. Litauen mit seinen vielen kleinen Höfen kam mit 58,63 Cent/kg (63,6 Rp.) auf die höchsten Produktionskosten, was kombiniert mit einem niedrigen Milchpreis von 28,79 Cent/kg (31,2 Rp.) zu einer Unterdeckung von 51 % führte.

In Deutschland lag diese im Berichtsjahr der Studie zufolge bei 29 %. Ein Blick auf die zwei wichtigen Erzeugungsländer Niederlande und Dänemark zeigt laut EMB, dass nach Abzug aller Kosten überhaupt kein Einkommen für die Betriebsleiter und mithelfenden Arbeitskräfte erwirtschaftet werden konnte. «Man muss bedenken, dass wir hier von Ländern sprechen, die hochmoderne Betriebe haben und sich technisch stetig weiterentwickeln. Und dennoch bleibt buchstäblich nichts als Einkommen für die Menschen, die die Milchproduktion betreiben», kritisierte van Keimpema.

3,52 Franken pro Stunde

Auch in den anderen Ländern sei, mit Ausnahme von Irland, das Einkommen auf einem sehr kritischen Niveau. Würden von den Einnahmen der Milchwirtschaft nur die pagatorischen Kosten abgezogen, blieben den Betrieben im Mittel lediglich 2,03 Cent/kg (2,2 Rp.) oder 3,25 Euro (3,52 Fr.) je Arbeitsstunde übrig, wovon auch noch Investitionen zu tätigen seien.

«Wie kann es akzeptabel sein, als gut ausgebildete und erfahrene Fachkräfte nichts oder fast nichts zu verdienen?», so EMB-Vizepräsident Kjartan Poulsen. Die Studienautorin Karin Jürgens betonte, dass nur bei nachhaltig verbesserter wirtschaftlicher Lage der Betriebe «die Landwirte zur Umsetzung der mit höheren Kosten verbundenen Umwelt-, Klima- und Tierschutzziele beitragen können».

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11 Responses

    1. Irland hat die tiefsten Produktionskosten, weil dort praktisch keine Winterfütterung gemacht werden muss. Aber auch bei den Iren sind die Vollkosten nicht gedeckt.

  1. Von was leben den die Milchbauern wenn sie nichts verdienen würden….
    Man kann alles schlecht rechnen bis nichts mehr bleibt….
    Die Milchbauern verdienen in der Schweiz immer noch am meisten .
    Haben sie das gefühl ich verdiene mit den Mutterkühen mehr….

    1. Der Aufwand beim melken ist grösser, als bei den Mutterkühe. Wenn man den Verdienst mit dem Aufwand vergleicht, bleibt dem Milchbauer weniger.

  2. Genau das ist das Problem der Mutterkuhhalter denkt er hat weniger sie sind einander das Zahnweh neidisch so halten die Bauern zusammen. Hört auf zu produzieren wie die Idioten und macht Selbstversorgung dann wird sich ein angemessenen Produzentenpreis entwickeln und ihr seid nicht mer sdaatsabhängig wie sie euch gemacht haben billigen Rohstoff produzieren dass die Verarbeiter und Vermarkter sich eine goldene Nase verdienen können, in Afrika bezahlt man für ein Liter Milch ck. SFr. 2.50 das gle

    1. Wer vermag in Afrika Milch zu Kaufen.
      Die Armen halten Ziegen für eigenbedarf
      Das ist eine ganz andere Agrarwirtschaft.
      Zudem schicken die Europäer (Deutschland) billiges subventioniertes Milchpulver und Hähnchen .Mit den billigen preisen machen Sie die eingeborenen Bauer Kaputt,weil nicht mal Sie so billig produzieren können.
      Die anderen Bauer sind emalige Europäer.
      Also haben die Einheimischen keine Chance etwas aufzubauen
      Wieder einmal die EU wo alles kaputt macht

  3. Frage an die Kenner in der Runde: Wie kann das sein? Internationale Konkurrenz bzw. Abhängigkeit von Grossverteilern kann ja alleine nicht der Grund sein, da alle europäischen Länder ähnlich betroffen sind.
    Sagen wir mal, die Verbände würden den MP koordiniert um 20 Prozent anheben. Würden dann die Grossverteiler Millionen Tonnen aus Marokko importieren?

    (Vielleicht hat jemand eine gute Antwort, ansonsten riecht es danach, als wären die Milchbauern international nicht organisiert.)

  4. Manchmal habe ich doch das Gefühl, dass es den Bauern so schlecht geht, dass nicht einmal das tägliche Brot mit ihrem Auskommen verdienen. Ich rate doch allen die Brauerei an den Nagel zu hängen. Es bringt doch nichts den Bauernstand künstlich am Leben zu erhalten und weiter zu Jammern.

  5. Sehr geehrter Herr Baumgartner
    Sie sind ein riesiger Träumer.
    Das ist das ergebnis einer verfehlten
    Milchpolitik.
    Es liegt nicht bei den Bauern .
    Was jetzt getan werden .
    Erstens der sinlose Käsefreihandel einstellen
    Zweitens ein Rohstoff mindest Preis
    Dritens den Einkaufturismus mif 7.7% belasten
    Plus eine Umweltabgabe von 12.3% .
    Sie kriegen ja 19 % rückerstatet von der EU

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