Freitag, 27. Januar 2023
24.08.2022 18:17
Milchpreis

Richtpreis steigt nicht – Abzüge sinken

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Von: blu

Im Vorfeld der Vorstandssitzung der Branchenorganisation Milch (BOM) haben bäuerliche Organisationen höhere Milchpreise verlangt. Ihre Forderungen wurden teilweise erfüllt. Im vierten Quartal steigt der ausbezahlte Milchpreis.

In den vergangenen Monaten sind die Produktionskosten bei den Milchbauern weiter deutlich gestiegen. Energie, Futter, Maschinen, Dünger etc. haben sich verteuert. Die Rufe nach höheren Milchpreisen werden deshalb immer lauter.

5 Rappen mehr Nettoerlös

Der Schweizer Bauernverband (SBV) und die Schweizer Milchproduzenten (SMP) forderten eine Erhöhung des Nettoerlöses aus der Molkereimilch um mindestens 5 Rp./kg.

Seit Ausbruch des Krieges seien die Kosten massiv gestiegen. «Im Mai 2022 waren die Vorleistungen im Schnitt fast 10 Prozent höher als im Vorjahr. Davon ist die Milchproduktion stark betroffen», hielten die SMP in einer Mitteilung fest. Damit die Milchproduzenten ihre Kosten decken könnten, müsste der Nettoerlös um 5 Rappen steigen.

Richtpreis muss rauf

Auch die Bäuerliche Interessengruppe für Marktkampf (BIG-M) forderte höhere Milchpreise für die Produzenten. Konkret wurde eine Erhöhung des A-Richtpreises für industrielle Molkereimilch von 5 Rappen je Kilo gefordert. Damit würde der Richtpreis auf 83 Rappen steigen. BIG-M untermauerte ihre Forderung mit dem Molkereipreisindex des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW). Durch den Anstieg des Index sei der errechnete A-Richtpreis weiter gestiegen und liege aktuell bei 83 Rappen, hiess es im jüngsten Newsletter.

BIG-M forderte ausserdem, dass die diversen Marktabzüge umgehend gestoppt werden und auf das kommende Jahr verschwinden. Nur so seien faire Preise für die Produzenten möglich.

Abzug sinkt um 2 Rappen

An der Vorstandssitzung der Branchenorganisation Milch (BOM) fanden die Forderungen vonseiten der Produzenten nur teilweise Gehör. Weil der Fonds Rohstoffverbilligung im ersten Halbjahr 2022 von den hohen Preisen auf dem internationalen Milchmarkt profitierte, gibt es hier eine Anpassung der Abzüge gegen unten. Befristet für das vierte Quartal 2022 wird der Abzug auf 2,5 Rappen pro Kilo Milch reduziert. «Damit bleiben den Produzenten von nicht verkäster Molkereimilch im Vergleich zu bisher 2 Rappen mehr pro Kilo», schreibt die BOM am Mittwoch in einer Mitteilung.

Der Fonds Rohstoffverbilligung stützt Schweizer Milchgrundstoffe wie Milchpulver in verarbeiteten und exportierten Nahrungsmitteln (z. B. Schokolade) abhängig von der Preisdifferenz für Milchfett und Milcheiweiss zwischen der Schweiz und dem Ausland. Weil die Preise für Milch im Ausland gestiegen sind, ist der Mittelbedarf bei den exportierenden Unternehmen kleiner. Doch der tiefere Abzug dürfte nur temporär sein. So hält die BOM sogleich fest: «Für das Jahr 2023 ist wieder mit einem deutlich höheren Mittelbedarf zu rechnen.» Sprich, der Abzug bei den Milchbauern dürfte wieder erhöht werden.

Von einer Erhöhung des Richtpreises wollte die Mehrheit des BOM-Vorstandes nichts wissen. Man habe über den Preis gesprochen. «Der Vorstand hat dabei an seinem am 2. März gefällten Entscheid festgehalten, den Richtpreis bis Ende Jahr stabil bei 78 Rp./kg Milch zu belassen», heisst es in der Mitteilung.

«Fixierung ist eine Katastrophe»

Die Branchenorganisation Milch (BOM) hatte Anfang März beschlossen, den Richtpreis für industrielle Molkereimilch im A-Segment per 16. April um 5 Rappen auf 78 Rappen je Kilo zu erhöhen. Es handelte sich um die erste Erhöhung seit dem 1. Januar 2021. Dem Vernehmen nach war die Erhöhung aber keineswegs unumstritten. Erst nach langen Verhandlungen konnte sich die BOM auf die 5 Rappen einigen.

Doch die Erhöhung hatte einen Haken. Die Verarbeiter und Händler bauten eine Klausel ein. So wurde vereinbart, dass der Richtpreis bis Ende 2022 fixiert bleibt. «Damit erhält die Milchbranche Planbarkeit und Stabilität», so die offizielle Sprachregelung der Branchenorganisation Milch (BOM). Anders gedeutet: Die laufend steigenden Kosten müssen die Milchproduzenten selbst tragen. Bei den Milchproduzenten sorgte die Klausel für grosses Unverständnis.

Das Fixieren des Richtpreises kritisierte auch BIG-M. Mitte März hielt sie die Organisation in ihrem Newsletter fest. «Dass der Richtpreis für das ganze Jahr eingefroren wird, ist deshalb eine Katastrophe.» Und weiter hielt sie fest: ««Egal ob zu wenig Milch auf dem Markt ist, die Verarbeiter und Detailhändler kommen nie zu kurz.» So könne der Rückgang der Milchproduktion in der Schweiz nicht aufgehalten werden.

Richtpreise

Der Richtpreise der BOM (Branchenorganisation Milch) bilden eine Entscheidungsgrundlage für Preisverhandlungen zwischen den Marktpartnern und gelten ausschliesslich für Molkereimilch. Sie entsprechen somit nicht den realisierten Milchpreisen, sondern verstehen sich als Preise franko Rampe des Verarbeiters. Richtpreise werden für alle drei Segmente (A, B, C) festgelegt. 

Der Richtpreis für A-Milch wird mithilfe des Molkereimilchpreisindex (BLW) und der prospektiven Markteinschätzung des Vorstandes der BOM quartalsweise festgelegt. Der Richtpreis im B-Segment entspricht dem Rohstoffwert eines Kilogramms Milch bei der Verwertung zu Magermilchpulver für den Weltmarkt und Butter für den Inlandmarkt. Der Richtpreis im C-Segment entspricht dem Rohstoffwert eines Kilogramms Milch bei der Verwertung zu Magermilchpulver und Butter für den Weltmarkt. Der B- und C-Preis wird monatlich festgelegt. IP-Lait

-> Ausführliche Infos gibt es hier

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