Donnerstag, 4. März 2021
12.02.2021 17:45
Milchmarkt

Nur noch 18’400 Milchbauern

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Von: Reto Blunier

Der Strukturwandel in der Milchwirtschaft setzt sich unvermindert fort. Im vergangenen Jahr haben rund 3.4 Prozent der Betriebe die Produktion aufgegeben. Bei der Käseproduktion wurde ein neuer Rekord realisiert.

Die tiefen Preise, insbesondere für Molkereimilch, führen im Sektor seit Jahren zu Umwälzungen. Obwohl 2020 die Produzentenpreise leicht gestiegen sind, ist die Produktion für viele Betriebe nicht kostendeckend.

652 Höfe haben aufgegeben

Deshalb überrascht es nicht, dass jedes Jahr hunderte Betriebe ihre Kühe verkaufen und die Produktion einstellen. 2020 gab es in der Schweiz noch 18’396 Höfe, die Milch ablieferten. Das sind 652 oder 3.4 Prozent weniger als im Vorjahr. Das «Milchbauernsteben» hat sich gegenüber 2019 gar wieder beschleunigt.

Damals haben 520 Betriebe die Produktion aufgegeben. Damit zählte die Schweiz Ende 2019 noch 19‘048 Milchbauern. Noch im Jahr 2010 gab es hierzulande 26’000 Höfe, die Milch produzierten, 7700 mehr als Ende 2020. 2015 haben 832 Betriebe die Produktion aufgegeben. 2016 sind 778 Betriebe ausgestiegen. 2017 zogen sich 776 Betriebe aus der Produktion zurück. Und 2018 haben 643 Bauern die Produktion beendet. Die Marke von 18’000 Betrieben dürfte in diesem Jahr unterschritten werden.

Fast 10’000 Betriebe haben seit 2007 die Produktion aufgegeben.
TSM

179’000 Kilo pro Betrieb

 Die 18’396 Betriebe haben 2020 insgesamt 3‘405‘139 Tonnen Milch produziert. Das sind rund 6’000 Tonnen oder +0.2 Prozent mehr als im Vorjahr. Vergangenes Jahr lag die durchschnittliche Milchproduktion je Betrieb bei 178’936 kg. Das ist ein Plus von 6’267 kg oder +3.6 Prozent. 2015 lieferte ein Betrieb 154’705 kg ab, 2010 lag dieser Wert noch bei 127’082 kg.

Wie bereits im Vorjahr gab es einen Rückgang bei sämtlichen Grössenklassen, die weniger als 300‘000 kg Milch pro Jahr produzieren. Die grösste Abnahme gab es in der Klasse 100’000 bis 200’000 Kilo. Hier haben 347 Betriebe mit Melken aufgehört. In dieser Grösse gab es 2020 6’437 Höfe, also 35 Prozent alle Betriebe, die Milch produzieren. 

Gruyère klare Nummer 1

Die von der TSM Treuhand veröffentlichten Daten zeigen, dass die Käseproduktion erneut angestiegen ist. Mit 203’791 Tonnen wurde ein neues Allzeithoch erreicht. Das sind 8766 Tonnen oder 4.4 Prozent mehr als 2019. Die Produktion hat in allen Kategorien (Hart-, Halbhart-, Weich- und Frischkäse) zugenommen. Der meistproduzierte Käse ist nach wie vor der Gruyère AOP (30’578 Tonnen), gefolgt von Mozzarella (24’116 Tonnen), Emmentaler AOP (17’218 Tonnen) und Schweizer Raclettekäse (16’843 Tonnen).

78 Betriebe mit mehr als 1 Millon Kilo

In den Klassen über 300’000 Kilo wurde überall eine Zunahme beobachtet. Die grösste Zunahme stellte sich bei Betrieben mit einem Produktionsvolumen zwischen 500’000 und 1 Million Kilo ein. In dieser Grössenklasse hat die Anzahl Produzenten um 46 Einheiten zugenommen. 2020 zählte die Schweiz 78 Betriebe, die mehr als 1 Million Kilo Milch produzieren. Das waren 9 mehr als 2019. Damit melkten 0.42% der Betriebe 3,3 Prozent der Milchmenge.

Die 15’741 Milchproduzenten (2019: 16‘478) mit einer Erzeugung von bis zu 300‘000 kg erreichen zusammen eine Milchmenge von insgesamt 1’986’238 Tonnen (2019: 2‘058‘079t) oder 60.3 Prozent (2019: 62.6%) der Gesamtproduktion. Die 2655 grössten Milchproduzenten (2019: 2‘570) mit einer Menge von über 300‘000 kg tragen bereits zwei Fünftel (39,7 Prozent)  oder 1’305’468 Tonnen (2019: 1‘230‘915 t) zur Jahresproduktion bei.

Die 2655 Betriebe ab 300’000 Kilo Milch liefern knapp 40 Prozent der Milch ab.
TSM

Zunahme bei den Frischprodukten, Rückgang bei der Butterproduktion

Nicht zuletzt wegen der Corona-Situation haben die Schweizerinnen und Schweizer im vergangenen Jahr mehr Milchprodukte konsumiert. Durch die erhöhte Nachfrage ist die Produktion nicht nur beim Käse, sondern auch bei verschiedenen Frischprodukten angestiegen. Die Konsummilchproduktion stieg um 18’426 Tonnen auf 448’087 Tonnen (+4.3 Prozent), die hergestellte Menge Jogurt stieg auf 153’549 Tonnen (+4.7 Prozent) und Milchgetränke wurden insgesamt 79’248 Tonnen abgefüllt (+5.6 Prozent). Ein Rückgang wurde bei der Butterproduktion verzeichnet. Bei einer praktisch konstant zur Verfügung stehender Milchmenge und einer Produktionszunahme bei den meisten Milchprodukten ist die Butterproduktion dementsprechend von 42’725 Tonnen auf 41’325 Tonnen zurückgegangen (-1’400 Tonnen oder -3.3 Prozent). tsm

13 Responses

  1. Wenn in Zeiten mit zuwenig Milch der Milchpreis nicht steigt, dann ists logisch, dass viele den Bickel verwerfen.
    Bei mir geht es noch 2 Monate….

  2. Manchmal frage ich mich schon, noch nicht lange her wurde nicht mal 50 Rp. ausbezahlt, 2020 hatte ich sogar als Crémo-Produzent einen durchschnittlich ausbezahlten Milchpreis von über 63 Rp., obschon es ja immer heißt Crémo bezahlt schlecht. Interessant wäre, wenn SMP die Zahlen vom Milchpreismonitoring wieder öffentlich publizieren würde. Ich denke es ist der falsche Moment die Milchproduktion aufzugeben, der Milchpreis ist ja tendenziell steigend und wer 1 Fr. erwartet muss halt weiter träume

  3. Mit der Zunahme von immer größeren Milchviehbeständen mit einer Produktion von 1 Mio. Liter Milch ist für den Konsumenten eine Tierfabrik und hat in deren Augen nichts mehr zu tun mit Landwirtschaft.
    Wenn unsere (die Frage ist, sind sie noch für oder gegen uns) landwirtschaftlichen Organisationen und Verbände den Handel und die Konsumenten nicht bald von der negativen Preispolitik überzeugen wird die Schweizer Landwirtschaft an die Wand gefahren!

    1. Die CH-Landwirtschaft wird an die Wand gefahren und dies Dank Agrarallianz etc. die dem BR Vorschläge unterbreiten die kein vernetztes Denken als Basis haben, aber viel Geld von Direktzahlungen verpulvern!
      Schuld tragen auch die Turbomelker mit ihrer Kurzsichtigkeit, ein Jeder melkt billiger und merkt nicht das sie den Verwerter in die Hand spielen und die im Notfall mit Import drohen. Ich glaube bei den Vielmelker schwebt das Lied von den 10 kleinen Negerlein vor und dann sind es nur noch 2 !

      1. Lieber Emil, obwohl die bösen Turbomelker melken, was die Zitze hergibt, ist die Milch knapper als auch schon und es wird mit Import gedroht! merkst Du etwas? Dein Argument sticht nicht!

    2. Grüß Gott Guschdi,
      ist hier in Bayern nicht anders! Nicht nur die Berufsvertretung ist gegen kleinstrukturierte Betriebe, nein es sind auch noch die Kollegen die jetzt wegen der Dungverordnung gezwungen sind gegen Kleinbetriebe vorzugehen. (Milchabholung von Kleinbetrieben einstellen zu lassen weil diese ohne Laufställe kein Tierwohl mehr hätten)

    3. Grüß Gott Guschdi,
      ist hier in Bayer nicht anders. Ja sogar noch schlimmer. Manche Namhafte Molkereien fahren durs Land und begutachten neue Laufställe die wenn sie groß genug sind die Milch für einen besseren Preis dann bei ihnen abholen. Die anderen lässt man fallen.

  4. Es gibt auch ein Leben nach der Milchproduktion…und das kann sogar sehr schön sein…Wer`s nicht glaubt…selber ausprobieren….du wirst merken….die „Melker“ werden dich drum beneiden…aber zugeben werden sie es nie und nimmer…wer investiert hat…kann gar nicht aufhören….Pech gehabt…an gute Preise geglaubt…!!!!!

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