Sonntag, 29. November 2020
05.11.2020 08:44
Ernährung

Stadt Biel riet von Käsekonsum ab – und krebst zurück

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Von: rup

Die Stadt Biel veröffentlichte einen Umwelttipp, der dem Käse die Ökologie absprach und ihn etwa für Waldrodungen verantwortlich machte. Nach harschen Reaktionen in den sozialen Medien und von Branchenvertretern entschuldigte sich die Uhrenstadt.

Mit seinen sogenannten Umwelttipps möchte die Stadt Biel seine Bevölkerung zu umwelt- und klimafreundlicherem Verhalten animieren. Normalerweise rät die Stadt bei solchen Tipps zur Verwendung von Mehrweggeschirr oder zum Recycling von PET-Flaschen. Doch jetzt hat die Stadt Biel den Vogel abgeschossen. Mit dem Umwelttipp «Es ist nicht alles Käse» wird dem Lebensmittel unterstellt, nicht ökologisch zu sein.

«Käse nicht effizient»

Unökologisch soll der Käse vor allem deshalb sein, weil «für das Futter der Kühe grosse Flächen gerodet, gewässert und gedüngt» werden. Eine Kuh fresse viel mehr, als sie Milch produziere. Auch die Käseproduktion selber war der Stadt Biel ein Dorn im Auge. «Für die Herstellung von Käse braucht es viel Milch, bis zu zwölf Liter pro Kilo.» Folglich sei die CO2-Bilanz nicht gut.

Stattdessen sollen sich die Leute mit einer veganen Käsevariante anfreunden. «Warum nicht einmal einen veganen Käse testen?», wird im Umwelttipp gefragt. An einem nebligen Nachmittag könne man den mit Hefeflocken sogar ganz einfach selber herstellen, so die Stadt Biel. Die dabei verwendete Bezeichnung des veganen Käses ist übrigens lebensmittelrechtlich nicht zulässig. Und immerhin etwas wird im Artikel dennoch eingesehen: Es lohne sich Schweizer Käse zu kaufen und die Ökobilanz sei mit Heu als Futter aus dem Alpenraum bestimmt besser.

Empörung in sozialen Medien

Die Meldung zog auf Facebook weite Kreise. Viele bekannte Personen aus der Branche, wie Dominique Savary (Swissgenetics-Präsident und Gruyère-Produzent) oder André Brodard (Direktor des Freiburger Milchverbands) ärgerten sich über den Umwelttipp und teilten einen Screenshot davon. Sie seien angewidert, dass die Gewählten der Stadt Biel solche Albernheiten unterstützten.   

Milch- und Käsebranche reagiert

Nach Informationen des «Schweizer Bauer» haben mehrere Organisationen aus der Branche bei der Stadt Biel scharf interveniert. So hebt etwa die Sortenorganisation Gruyère AOP in Ihrem Schreiben hervor, dass man überrascht und enttäuscht vom Umwelttipp sei. «Wir sind verdutzt, dass ein Teil der Wirtschaft ohne Grund und mit Scheinargumenten angegriffen wird. Die Behauptung, dass die Käseproduktion für die Austrocknung der Wiesen und vor allem die Waldrodung verantwortlich sei, ist völlig inakzeptabel.» In der Schweiz gebe es schliesslich ein Waldgesetz, das derartige Praktiken verbiete. Und übrigens habe die Waldfläche in der Schweiz über die letzten 100 Jahre zugenommen und nicht umgekehrt.

Dazu verteidigt sich die Sortenorganisation Gruyère AOP mit Verweis auf ihr striktes Pflichtenheft: «Dieses basiert auf der Fütterung von Gras und Heu des eigenen Betriebs.» Die Fabrikation eines Produktes wie den Gruyère AOP sei auch mit einem kurzen Versorgungsweg verbunden, da die Milch nicht mehr als 20 Kilometer bis in die Käserei zurücklege.

Dem Vernehmen nach sollen auch die Schweizer Milchproduzenten (SMP) oder die Sortenorganisation Tête de Moine ähnlich interveniert haben.

Stadt Biel krebst zurück

Kaum kam der Gegenwind aus der Landwirtschaft, macht die Stadt Biel einen Rückzieher. In einer Antwort an verschiedene Branchenakteure bezeichnete sie die Publikation des Umwelttipps «Es ist nicht alles Käse» als Fehler und entschuldigte sich dafür. Das Amt für Bau, Energie und Umwelt (BEU) der Stadt Biel distanziere sich kategorisch vom Inhalt. Inzwischen ist der Umwelttipp von der Website verschwunden.  

Stattdessen verspricht das Amt, in Zukunft auch vermehrt auf die positiven Aspekte einer tierischen Ernährung einzugehen: «Wir möchten zeigen, dass auch Produkte tierischer Herkunft in vielerlei Hinsicht ihre Berechtigung haben.» Nächste Woche sei ein solcher Umwelttipp im Amtsblatt Biel/Evilard vorgesehen, wo die Umwelttipps ebenfalls veröffentlicht werden. An selber Stelle folgt noch diese Woche eine offizielle Entschuldigung.    

10 Responses

  1. Ausgerechnet die Stadt Biel! Der Landverschleiss der Pseudometropole zeigt sich im Bözingenfeld und ausserhalb der Stadt mit dem Autobahnprojekt.
    Bieler*innen, auf gerodeten Waldflächen (was natürlich nicht gut ist) wächst wenigstens etwas, auf den Parkplätzen beim Hornbach und Co. wächst niemals etwas wieder.

    1. Stadt Biel ist gegen Käse, will aber unbedingt den Aglolac durchführen, genau mein Humor. Pseudo oekologische in der Stadt Biel versenden für jeden Mist einen Papierbrief, obschon es mit dem Email gehen würde. Einfach überhören….

  2. Also ich lese in diesem Text nichts davon, dass die Stadt Biel vom Konsum von Käse abrät. Es steht einzig, es lohne sich beim Kauf von Käse, auf ökologische Aspekte zu achten. Explizit heisst es: «Es lohnt sich aber, Schweizer Käse und Kartoffeln als der Region zu kaufen». Und das sollte doch Wasser auf die Mühlen der Schweizer Landwirte und der Schweizer Milchwirtschaft sein. Oder sehe ich das falsch? Wer lesen kann, ist im Vorteil.

  3. Käse und Milchprodukte enthalten sehr viel Kalzium und das ist extrem wichtig für den Knochenaufbau, alles wissenschaftlich bewiesen; wie kann man da Negativwerbung machen. Hallo?? Gehts noch??

    1. Ihr glaubt auch alles was in tv-werbungen gesagt wird, lol wissenschaftlich bewiesen ist da gar nix eher das gegenteil. Seit dem überkonsum von milchprodukten gibt es mehr krankheiten und nebenwirkungen die einem gar nicht mehr bewusst sind. Die industrie benutzt milchpulver praktisch bei jedem produkt was ja auch kleingedruckt draufsteht. Klar wollen sie alle die milchprodukte schön reden sie wollen ja auch das ihr nie mehr aufhört die zu kaufen.

  4. Käse hat sicher eine viel schlechtere Ökobilanz als pflanzliche Kost. Vor allem wenn den Kühen Kraftfutter aus dem Ausland gegeben wird und die Flächen übernutzt werden. Gegen eine extensive Milchproduktion ohne Futtermittel ist aber meiner Meinung nach gar nichts einzuwenden.

  5. Ach die Menscheit beginnt endgültig zu verdummen. Solchen quatsch rauslassen, ich empfehle derjenigen Person die auf diese glorreiche Idee kam eine ganz ganz dicke Maske anzuziehen damit sie sicher zwei bis drei Wochen nicht’s belastendes und versäuchtes essen kann / muss. Wünsche gute besserung ohne Fieber!!!

  6. Veganer Käse…möglichst aus Soja aus Übersee.
    Bravo. Aber hat typisch Stadt. Und was passiert, wenn Städter nicht mehr wissen woher ihr Futterkommt, die Verblödung und das Nasenspitzdenken hält auch in die Verwaltungsebene Einzug.

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