Donnerstag, 4. März 2021
12.02.2021 18:30
Zuckerrüben

Zuckerbranche fürchtet Kürzung

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Von: Jonas Ingold, lid

Ein Entscheid sorgt in der Zuckerbranche für Kopfschütteln: Die Wirtschaftskommission des Nationalrates will den Einzelkulturbeitrag nach Produktionsweise splitten. Für konventionelle Rüben würde dies einen Rückgang von 600 Franken pro Hektare bedeuten. Bio-Bauern erhielten 100 Franken mehr als bisher.

Die Zuckerbranche in der Schweiz leidet seit Jahren unter wirtschaftlichen Schwierigkeiten, Pflanzenkrankheiten brachten vergangenes Jahr weitere Probleme mit sich. Und jetzt schlägt die Mehrheit der Wirtschaftskommission des Nationalrates (WAK-N) vor, den Einzelkulturbeitrag für Zuckerrüben nach Produktionsweise zu splitten.

Massiver Flächenverlust befürchtet

Konventionelle Rübenbauern sollen künftig noch 1500 Franken pro Hektare Zuckerrüben erhalten. Das sind 600 Franken weniger als bisher und damit ein herber Schlag für eine Branche, für welche die Anbaubereitschaft der Bauern bereits eine Herausforderung ist.

Der Schweizerische Verband der Zuckerrübenpflanzer (SVZ) fürchtet bei einer Kürzung des EKB noch unter das Niveau von 2018 – damals lag er bei 1800 Franken – einen nicht absehbaren, massiven Flächenverlust und Fabrikschliessungen. Dies auch vor dem Hintergrund, dass das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) im vergangenen Jahr keine Notfallzulassung für ein systemisches Saagut-Beizmittel erteilt hat – mit aktuell noch nicht absehbaren Folgen für das kommende Anbaujahr.

Der Verband fordert den Nationalrat dazu auf, den Minderheitsantrag zu unterstützen. Die Kommissionsminderheit will den aktuellen Betrag von 2100 Franken pro Hektare und Jahr beibehalten und für Bio- sowie IP-Zuckerrüben einen Zuschlag von 200 Franken einführen.

Der Einzelkulturbeitrag

Die Einzelkulturbeiträge (EKB) sind eine Marktstützungsmassnahme des Bundes. Sie sollen den Anbau von bestimmten Kulturen fördern und eine sinnvolle Bereicherung der Fruchtfolge unterstützen. Eine Unterscheidung je nach Produktionsweise gibt es bisher bei keiner unterstützten Kultur. Der EKB für Zuckerrüben ist auf Anfang 2019 befristet bis 2021 von 1800 auf 2100 Franken pro Hektare erhöht worden. Dies als Teil eines Hilfspaketes für die Zuckerwirtschaft.

Schweizer Zucker warnt vor Fabrikschliessung

Wird der Mehrheitsvorschlag umgesetzt, dürfte dies zur grossflächigen Aufgabe der Zuckerproduktion in der Schweiz führen, meint auch die Schweizer Zucker AG. Diese betreibt in Aarberg BE und Frauenfeld TG die beiden einzigen Schweizer Zuckerfabriken. Weniger Geld für den Rübenanbau bedeutet weniger Pflanzer und damit weniger Rüben für die Fabriken. Diese kämpfen wegen sinkender Flächen bereits mit der Auslastung.

Die Reduktion auf eine Fabrik ist aber keine Option, da so gemäss einer unabhängigen Studie keine rentable Produktion mehr möglich wäre. Die SZU warnt deshalb, dass bei einer Schliessung 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie 30 Lernende entlassen werden müssten. Sie weist zudem daraufhin, dass dadurch künftig sämtlicher Zucker in die Schweiz importiert werden müsste. Zucker, der weniger nachhaltig als Schweizer Zucker sei.

Nur noch eine Zuckerfabrik? Das ist für die Branche aus wirtschaftlichen Gründen keine Option
Jonas Ingold

SBV: «Gesamte Zuckerindustrie in Frage gestellt»

Auch der Schweizer Bauernverband (SBV) zeigt sich vom Entscheid sehr enttäuscht. «Die Zuckerrübenflächen sinken sowieso schon stark. Sprich die Direktzahlungen reichen bereits aktuell nicht, um die tiefen Produzentenpreise sowie das gestiegene Produktionsrisiko aufgrund weggefallener Pflanzenschutzmittel auszugleichen», erklärt Mediensprecherin Sandra Helfenstein.

Damit werde zudem die gesamte Zuckerindustrie mit den beiden Fabriken in Frage gestellt und wenn die Verarbeitungskapazität mal weg sei, komme sie nicht wieder. «Der Mehrheitsantrag schwächt die ÖLN-Produktion ohne die IP-Suisse und die Bio-Produktion in ausreichendem Masse zu fördern», sagt Helfenstein.

Prämie für IPS-Rüben erhöht

Der Mehrheitsantrag der WAK-N will gleichzeitig mit der Kürzung des EKB für konventionelle Rüben die IP- und Bio-Produktion mit Zuschlägen unterstützen. Für ohne Fungizide und Insektizide angebaute Zuckerrüben – das entspricht einem Teil der IP-Suisse-Richtlinien – soll es 500 Franken mehr pro Hektar geben, der EKB läge damit bei 2000 Franken. 2021 wird der Anbau von IP-Zuckerrüben deutlich von 1200 auf 3000 Hektaren gesteigert.

Das sind beinahe 20 Prozent der gesamten Anbaufläche. Um der erhöhten Nachfrage nachzukommen und das Risiko von möglichen Ertragsausfällen besser abzugelten sowie die Attraktivität für den Labelanbau zu stärken, wurde die IP-Suisse-Prämie um 50% auf 60 Franken pro Tonne A-Zucker erhöht.

Die Einzelkulturbeiträge (EKB) sind eine Marktstützungsmassnahme des Bundes. Sie sollen den Anbau von bestimmten Kulturen fördern und eine sinnvolle Bereicherung der Fruchtfolge unterstützen.
lid

100 Franken «nicht matchentscheidend»

Ebenfalls gestiegen ist der Bio-Anbau von Zuckerrüben, wenn auch auf deutlich tieferem Niveau. Die Anbaufläche liegt aktuell bei rund 170 Hektaren. Bio-Rüben sollen gemäss Mehrheitsvorschlag mit einem Zuschlag von 700 Franken gefördert werden. Deren EKB läge damit um 100 Franken über dem aktuell geltenden bei 2200 Franken. Reicht das, um den anspruchsvollen Bio-Anbau zu fördern?

100 Franken mehr EKB seien nicht matchentscheidend, sagt Bio-Suisse-Mediensprecher David Herrmann. Er verweist aber auf die Kommissionsmotion «Förderung des ökologischen Anbaus von Zuckerrüben», die zusätzlich verlangt, den ökologischen Anbau von Zuckerrüben mit geeigneten Massnahmen innerhalb des Direktzahlungssystems zu fördern. Der Vorschlag des Bundesrats, auf dem Verordnungsweg die Prämie auf 2100 Franken zu halten und im Sinn der Kommissionsmotion den ökologischen Anbau mit Direktzahlungen zu fördern, scheine ein gangbarer Weg zu sein, so Herrmann.

Markt ist entscheidend

Wichtiger sei jedoch der Markt. Bio Suisse ist mit IP-Suisse daran, dass die Anteile von Label-Zuckerrüben in enger Zusammenarbeit mit der Branche und den Abnehmern deutlich erhöht werden können.

«Zentral sind der Abnahmepreis, die Liefer- und Abnahmegarantien und allfällige Nachhaltigkeits-Prämien des Marktes. Und wichtig ist auch die Entwicklung der Bio-Produktionstechnik, insbesondere die Senkung des Arbeitsbedarfs», erklärt Herrmann.

11 Responses

  1. ZR sind eigentlich ein Witz. Eine Kultur die nur konkurennzfähig ist wenn der Bund mehrere Tausend Franken bezahlt sollte man nicht mehr anbauen.
    80 t. Rüben pro ha x 55.-Fr. 4400.-Fr.
    Alle DZ zusammengezählt 5000.- Fr. Und das für ein Produkt das sich nicht von ausländischen unterscheidet.Soll doch redbull und coke eu zucker nehmen, oder mehr für Swissness bezahlen. wir haben den gleichen preis wie in der EU. das ist bei keinem produkt. milch,fleisch Getreide, Raps alles besser.

    1. Es ist tatsächlich erstaunlich, wie beharrlich die Zuckermaffia am CH-Zucker festhält. Ist es Realitätsverlust?
      Wir Bauern haben genügend Alternativkulturen, die den Boden nicht so versauen wie die Rüben (-ernte).
      Bei den Zuckerfabriken haben sie scheinbar noch nicht ausgejasst, wer die Lichter löschen soll……

      1. Naja, faktisch gibt es in der CH keinen Produktionszweig bzw. keine Alternative die eine Kostendeckung über Marktpreise erreicht.
        Wenn schon Zahlungen, dann auch zur Steuerung einer minimalen Versorgungssicherheit, und da gehört Zucker dazu.

  2. Staatlich geplante Hungersnot.
    Läuft genau wie bei der Milch.
    Alles muss an die Wand gefahren werden.
    Ich werde nicht verhungern doch eher die solche Beschlüsse fassen.

    1. Gehörst Du auch zu denen, die dem Zweiten Weltkrieg und dem Plan Wahlen nachtrauern?

      Die Zeiten ändern sich. So waren auch im Frühling 2020 bei geschlossenen Grenzen alle Lebensmitteleinfuhren immer möglich. Wenn eingeschränkt, dann nicht wegen den bösen Ausländern, sondern wegen unserem bösen Agrar-Grenzschutz!!

  3. Der Schweizerische Verband der Zuckerrübenpflanzer SVZ hat an einer Sitzung 2020 mit grossem Mehr den Zuckerrübenpreis für die Ernte 2021 ohne Grund gesenkt. Das Gejammer des SVZ kann ich nicht mehr hören. Der SVZ trägt die Hauptschuld an der abnehmenden Anbaubereitschaft der Bauern! Aufgabe des SVZ ist es, die Pflanzer, und nur die Pflanzer zu vertreten. Ich habe letztes Jahr alles versucht eine Verbesserung für die Pflanzer zu erwirken. Alles vergebens, der SVZ ist stur und bewegt sich nicht!

  4. Die Uneinigkeit innerhalb der Landwirtschaft ist riesig, jeder schaut nur noch für sich, das sind alles Wohlstands Erscheinungen. Es wird wahrscheinlich kein Weg mehr daran vorbeiführen alles an die Wand zufahren und neu Anzufangen. Es wird sehr schmerzlich sein, bringt jedoch am Ende vielleicht wieder Einigkeit und Zufriedenheit. Die ZR ist übrigens immer noch eine interessante Kultur, sei es vom DB her oder auch von der Fruchtfolge.

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