Dienstag, 31. Januar 2023
08.12.2022 15:45
Bern

Bern kauft Schwand nicht – BEBV sauer 

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Von: blu

Der Kanton Bern hat darauf verzichtet, das Baurecht und die Liegenschaften der in Konkurs gegangenen Bio Schwand AG in Münsingen zurückzukaufen. Bei der Ersteigerung zugegriffen hat die WBS AG. Der Berner Bauernverband (BEBV) ist über den Entscheid des Kantons enttäuscht.

Am Donnerstagmorgen wurden am Konkursgericht Bern-Mittelland in Ostermundigen ein Baurecht mit neun Liegenschaften zwangsversteigert. Es handelte sich dabei um die Konkursmasse der Bio Schwand AG in Münsingen, die Anfang dieses Jahres die Bücher deponieren musste.

«Der Kanton hat kein Geld»

Der Kanton Bern hat bei der Versteigerung auf einen Rückerwerb verzichtet und sein Vorkaufsrecht nicht ausgeübt. «Aus Sicht des Regierungsrates besteht kein nachweislicher Bedarf für langfristige kantonale Nutzungen auf dem Schwand-Areal. Zudem wird eine nachhaltige Entwicklung des Areals durch den Kanton wegen der geltenden raumplanerischen Rahmenbedingungen stark erschwert, und die Gebäude müssten für die Wiedervermietung und Zwischennutzung instandgesetzt werden», teilte der Regierungsrat am Donnerstag mit.

Zudem sei die finanzielle Lage des Kantons angespannt.  «Es besteht kein Spielraum für den Erwerb von Liegenschaften, die nicht unmittelbar und zwingend benötigt werden», so die Regierung weiter. Der Kanton betrieb auf dem Schwand bis 2005 eine landwirtschaftliche Schule. 2012 veräusserte der Kanton Bern die Gebäude an die Bio Schwand AG zu einem Verkaufspreis von 9,365 Mio. Franken. Davon sind 6,465 Mio. effektiv geflossen, die restlichen 2,9 Mio. Franken wurden als grundpfandgesicherte Darlehen stehen gelassen. Doch das Projekt von Heinz Iseli, der Gründer und Verwaltungsratspräsident von Bio Schwand, kam nicht richtig in die Gänge. Er wollte ein Zentrum für Biolandwirtschaft aufbauen. 

Der Wert des Baurechts wurde vom Konkursamt auf 8,45 Millionen Franken geschätzt. Der Baurechtsvertrag läuft bis 2058. 

«Visionäres» Bildungszentrum soll entstehen

Ersteigert wurde das Areal für fünf Millionen Franken von der WBS AG mit Sitz in Konolfingen BE. Sie übernimmt den bestehenden Baurechtsvertrag inklusive der abgeschlossenen Mietverträge und zahlt dem Kanton Bern den Baurechtszins. Wie die Zeitung «Der Bund» berichtet, soll auf dem Schwand ein «visionäres Wohn- und Bildungszentrum für Menschen mit unterschiedlichstem Bedarf» entstehen. Hinter dem WBS steht Stephan Zihler. Dieser hat das Areal als Stiftungsratspräsident der Stiftung Zugang B kennengelernt. Diese betreut auf dem Schwand aktuell Flüchtlinge aus der Ukraine.

Der Kanton Bern wird auf dem Schwand bleiben. «Als Eigentümer und Baurechtsgeber der Stammparzelle Münsingen Schwand und als Mieter bleibt der Kanton Bern weiterhin eng mit dem Schwand verbunden», so der Regierungsrat. Auf dem Areal hat der Kanton Räumlichkeiten für das Amt für Landwirtschaft und Natur sowie für das Amt für Wald und Naturgefahren angemietet. Zudem nutzt das Inforama auf dem Areal Räume für seine «Bio-Schule». Insgesamt arbeiten rund 70 Mitarbeitende des Kantons auf dem Schwand.

Kein Verständnis für Entscheid

Wenig begeistert über den Entscheid des Kantons ist der Berner Bauernverband (BEBV). Der Regierungsrat habe die Chance verpasst, ein Zentrum für die Berner Land- und Ernährungswirtschaft zu errichten. «Die bestehende Infrastruktur und deren Ausbaumöglichkeiten, die Zusammenarbeit mit dem Gutsbetrieb, die kurzen Schulwege im Einzugsgebiet etc. bieten vielfältige Möglichkeiten zur Vermittlung und dem Austausch von Wissen und Erfahrungen», heisst es in der Mitteilung des Verbands.

Ein Ausbau des Schwands hätte einerseits den Platzmangel am Inforama und bei Verwaltung gelindert und andererseits den Verschleiss von Kulturland verhindert, so der BEBV. Besonders stört den Verband, dass der Kanton trotz einem überwiesenen Vorstoss im Grossen Rat, der ein aktives Handeln forderte, nichts unternommen hat. «Der Berner Bauernverband hat für diesen Entscheid kein Verständnis», heisst es in der Mitteilung denn auch.

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