Sonntag, 29. Januar 2023
07.12.2022 18:20
Bern

Fenaco investiert 20 Millionen in Sammelstelle

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Von: blu

Im Oberaargau spannen vier Landi und Futterhersteller UFA zusammen. Sie betreiben ab 2025 in Herzogenbuchsee BE eine neue, zentrale Getreidesammelstelle. Die Anlage wird von der Fenaco finanziert. Und wird zu 100 Prozent dem Agrarkonzern gehören.

Die neue Sammelstelle entsteht unmittelbar neben dem bereits bestehenden Areal der Fenaco-Tochter. Die 3,6 Hektaren Land wurden bereits im Jahr 2013 eingezont, wie die Zeitung «Der Bund» Ende Oktober 2022 berichtete. Die alten Gebäude am Fenaco-Areal am Bahnhof Herzogenbuchsee werden abgerissen und einer verdichteten Überbauung überführt. Dort sollen über 700 Wohnungen entstehen.  

Neubau am alten Standort nicht möglich

Die vier Genossenschaften Bucheggberg-Landshut, Buchsi, KoWy und Melchnau-Bützberg mit insgesamt 1340 Mitgliedern haben an ausserordentlichen Generalversammlungen beschlossen, zusammen mit der Futtermittelherstellerin UFA AG eine gemeinsame Getreidesammelstelle in Herzogenbuchsee zu betreiben. Der Neubau ersetzt mehrere kleine, über die Region verstreute Silos, in denen die Bauern derzeit ihr Getreide und ihre Ölsaaten einliefern.

Das 2013 eingezonte Areal in der Industriezone Biblis-Herzogenbuchsee hat die Fenaco 2021 gekauft. Auf dem alten Areal nahe der Wohnsiedlungen sei ein industrieller Betrieb in dieser Art gar nicht mehr möglich, sagte die Fenaco gegenüber dem «Bund». Bezüglich Verlust von Kulturland sagte der Agrarkonzern: Man gebe am alten Ort 5 Hektaren ab und verbrauche am neuen Ort nur 3,6 Hektaren. So stimme die Bilanz auch unter diesem Gesichtspunkt, so die Fenaco.

Synergien nutzen

Der Bau einer neuen Sammelstelle ermöglicht eine effiziente und kostengünstige Lösung für die Produzentinnen und Produzenten von Getreide und Ölsaaten in der Region, teilt die Fenaco am Mittwoch mit. Die zunehmenden Anforderungen bezüglich Qualität sowie steigende Sorten- und Labelvielfalt erhöhten die logistischen Herausforderungen und wirkten sich auf die Kosten auf.

Dank der unmittelbaren Nähe zum Mischfutterwerk der UFA versprechen sich Bauern und die Fenaco Synergien und optimale Abläufe. «Durch den bereits bestehenden Anschluss ans Schienennetz erfolgt der Weitertransport des Brotgetreides zu den Brotmühlen neu umweltschonend per Bahn», schreibt die Fenaco in einer Mitteilung.

Neben der neuen Getreidesammelstelle befindet sich die Futtermühle der UFA.
Mike Bauert

Sammelstelle gehört Fenaco

Die neue Getreidesammelstelle wird vollumfänglich durch die Fenaco und ihre Tochter UFA finanziert. «Die Fenaco und die UFA investieren zu 100 Prozent. Die beteiligten Landi zahlen eine fixe jährliche Nutzungsgebühr», sagt Sprecher Samuel Eckstein gegenüber schweizerbauer.ch. Das genaue Investitionsvolumen wird derzeit noch erhoben. «Nach heutigem Stand werden es über 20 Millionen Franken sein», so Eckstein. Die neue Sammelstelle wird zu 100 Prozent im Besitz der Fenaco sein. Mit den vier Landi wird ein Nutzungsvertrag über vorerst 18 Jahre ausgearbeitet. 

Wie viel die Fenaco für das eingezonte Areal bezahlt hat, will sie nicht kommunizieren. «Über den Kaufpreis geben wir keine Auskunft. Zu Ihrer Info: Zum Kaufpreis kommen noch Kosten für Renaturierungsmassnahmen und Planungskosten hinzu», teilt die Fenaco auf Anfrage von schweizerbauer.ch mit. Laut «Der Bund» beteiligt sich das Unternehmen mit 250’000 Franken am Biotop, das dort auch entstehen soll. Laut der Zeitung kann die Gemeinde Herzogenbuchsee aus der Einzonung des neuen Fenaco-Landes 1,5 Millionen Franken abschöpfen. Damit dürfte das Unternehmen rund 5 Millionen (bei einer Mehrwertabgabe von 30%) für das Grundstück ausgegeben haben.

Eröffnung 2025

Nun soll es mit der Realisierung rasch vorwärtsgehen. Die Planung der neuen Getreidesammelstelle sowie des Ölpresswerks werden mit hoher Priorität vorangetrieben. Aktuell ist vorgesehen, dass die neue Getreidesammelstelle die Ernten der lokalen Produzentinnen und Produzenten ab 2025 übernehmen kann. Die Dienstleistungen der bestehenden Sammelstellen sind bis zur Eröffnung des Neubaus sichergestellt.

Warum werden die bestehenden Sammelstellen der Landi nicht saniert? Die Anlagen seien veraltet und die Sanierung verursache hohe Kosten. Was passiert nach der Eröffnung des neuen Standorts mit diesen Sammelstellen? Diese werden grösstenteils geschlossen. Für kleinere Mengen und Spezialitätensorten werden einzelne lokale Sammelstellen weiterbetrieben. Für die betroffenen Mitarbeitenden sei gesorgt. «Sie werden in gleichwertigen Funktionen weiterbeschäftigt», verspricht die Fenaco.

Neues Ölpresswerk

Nebst der Getreidesammelstelle baut die Speisefettherstellerin Florin AG auf dem Areal ein neues Ölpresswerk. Auch dieses Unternehmen will von der Nähe der Sammelstelle profitieren. Das neue Werk soll ebenfalls 2025 eröffnet werden. Wie viel Fläche Florin benötigt, wird derzeit abgeklärt.

«Die Verhandlungen mit der Florin AG laufen aktuell noch. Zurzeit wird das Vorprojekt ausgearbeitet, anschliessend wird die benötigte Fläche definiert», sagt Fenaco-Sprecher Samuel Eckstein zu schweizerbauer.ch.

Fenaco verkaufte Bahnhof-Areal an Zürcher

Finanziert wird die neue Sammelstelle, zumindest teilweise, durch den Verkauf des 5 ha grossen Areals Bahnhof West. Das Grundstück hat die Fenaco im Oktober 2018 an die Herzogenbuchsee Zug AG, eine Tochtergesellschaft der Sayano Family Office AG, verkauft. Hinter der Sayano Family Office AG steht die schweizerische Investorenfamilie Ketterer aus Rüschlikon im Kanton Zürich.

«Mit der Areal Herzogenbuchsee Zug AG haben wir einen geeigneten Investor gefunden, welcher das Areal langfristig professionell weiterentwickeln wird», liess sich damals Josef Sommer, Departementsleiter Infrastrukturen und Nachhaltigkeit sowie Mitglied der Geschäftsleitung der Fenaco, zitieren. Über die Höhe des Verkaufspreises des 50’000 m2 grossen Grundstücks wurde Stillschweigen vereinbart.

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