Dienstag, 15. Juni 2021
29.05.2021 07:01
Käsemarkt 

Migros beteiligt sich an Naturparkkäserei

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Von: sal

Die Naturparkkäserei Diemtigtal, welche die Berner Milchproduzenten von der Aaremilch bauten, geht eine Beteiligung der Migros Aare ein. Der Grund ist ein Ausbau der Abfüllanlage, dort wird neu auch Biomilch abgefüllt.

Die Migros Aare kauft 23 % des Aktienkapitals der Naturparkkäserei Diemtigtal AG. Die Aktien stammen von der Aaremilch, die mit neu 54 % nach wie vor eine Mehrheit hält und auch vier der sieben Verwaltungsräte stellt: Hansueli Jungen (Präsident), Jürg Iseli, Andreas Flükiger und Beat Mühlethaler.

Die Migros Aare hat damit einen gleich hohen Anteil wie die holländische Firma Royal A-Ware. Die Migros Aare hatte der Käserei bereits ein Darlehen gegeben, und die Migros-Verarbeiterin Elsa ist bei der Käserei eingemietet und füllt seit November 2019 auf einer von ihr bezahlten Anlage Wiesenmilch ab.

Erneuter Ausbau nötig

Den Hintergrund der Migros-Beteiligung erklärt Donat Schneider, Geschäftsführer der Naturparkkäserei AG, wie folgt: «Wir erweitern die Kapazitäten der Abfüllanlage, weil ab Herbst auch Biomilch abgefüllt wird. Diese zusätzliche bauliche Investition konnten wir nicht alleine stemmen. Die Migros Aare erklärte sich bereit, das zu finanzieren, zeigte aber im Gegenzug Interesse an einer Beteiligung.»

Nun liege es ja auch im Interesse der Naturparkkäserei, dass die Migros als Aktionärin Mitverantwortung übernehme. Eine vollständige Übernahme der Käserei durch die Migros stehe aber nicht zur Diskussion, sagt Schneider. Die Aktien kaufte die Migros zum selben Preis wie damals Royal A-Ware, also um die 2 Millionen Franken.

«Wir werden jetzt anders betrachtet»

Was sagt Donat Schneider zur neuen Nähe der Aaremilch zur Migros? «Als die Elsa damals Interesse zeigte, in der Naturparkkäserei Wiesenmilch abzufüllen, haben wir uns das gut überlegt. Wir sind zum Schluss gekommen, dass Milchprodukte bei der Migros einen der attraktivsten Absatzkanäle in der Schweizer Milchwirtschaft darstellen.» Die Aaremilch werde seit dem Bau der Käserei am Markt und in der Branche anders betrachtet, und zwar werde sie als stärker eingeschätzt.

Beim Käse ist es ein Kampf 

Eingemietet in die Naturparkkäserei ist bekanntlich auch die Simmental Switzerland AG, die verschiedene Käse herstellt, die zu 90 % in den Export gehen sollen, ein wichtiges Sortiment ist Grosslochkäse. Angesprochen auf Informationen, dass dieses Geschäft stark harze, sagt deren Verwaltungsratspräsident, Schneider: «Es ist kein Geheimnis, dass wir am Kämpfen sind, gerade im Export, wo es für Royal A-Ware unter den Corona-Umständen schwierig ist, neue Absatzkanäle im Detailhandel zu eröffnen. Die meisten Startschwierigkeiten haben wir aber mittlerweile überwunden.»

«Starke Partnerschaft»

Andreas Stalder ist Präsident der IP-Suisse und bei der Naturparkkäserei im Verwaltungsrat, auch, weil die IP-Suisse der Käserei für den Bau ein Darlehen gewährt hat. Er begrüsste es seinerzeit, dass die Milchproduzenten der Organisation Aaremilch sich selbst für die Verarbeitung ihrer Milch engagieren und ist jetzt auch über den Einstieg der Migros Aare als Aktionärin erfreut.

Er sagt: «Es ist wichtig, dass sich Landwirtschaft und Detailhandel in starken Partnerschaften zusammentun. Dieser Entscheid setzt auch einen Kontrapunkt zu den Initiativen, wo alles auf Konfrontation ausgerichtet ist.» Die Naturparkkäserei im Burgholz profitiere vom Erfolg der Wiesenmilch, für welche die Migros Aare ja nebst der Prämie von 5 Rp./kg aktuell eine Anschubfinanzierung von zusätzlichen 5 Rp./kg bezahle.

Das sagt die Migros

Anton Gäumann, Geschäftsleiter der Migros Aare, stösst neu in den Verwaltungsrat der Naturparkkäserei. Auf Anfrage sagt Gäumann zum Aktienkauf: «Mit der Beteiligung stellen wir die Nahversorgung sicher und gestalten diese mit. Wir sind ohne Zwischenhändler nahe bei den Produzenten, also den Bauern. Wir unterstützen mit der Beteiligung die Werte der Produkte aus dem Simmental, deren regionale Verankerung und klare Herkunft.» Damit beteilige sich die Migros Aare langfristig am Markenaufbau und der Vermarktung von Milchprodukten aus dem Simmental. sal

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8 Responses

  1. Traurige Logik: seinerzeit haben die Milchgenossensch. die „Milchverwertung“ selbst an die Hand genommen. Das Resultat von Toni Lait, MW Bern usw. ist bekannt. Dass es mit der Bündelung des Milchangebotes nicht getan ist, haben die Milchringe bewiesen. Deshalb hat z.B. die Aaremilch eigene Verarb.betr. aufgebaut. Mit dieser Naturparkkäserei gezeigte sich einmal mehr, dass wir Bauern gute Produzenten (Milch und Milchprodukte) sind. Leider sind wir miserable Marketingleute und brauchen die Migros.

    1. es scheint so der Fall zu sein, dass es in der Schweiz nur noch das Migros-Hilfswerk gibt. Wer das glaubt, bewegt sich schon am Abgrund entlang. Die Damen und Herren bei Migros sind erpicht darauf, qualitativ hochstehende Fremdprodukte BILLIG einzukaufen. (Einschleichen) Wie die Chinesen!! Unternehmen aushungern lassen, wenn sie pleite sind, zu einem Schundpreis übernehmen, selbst dann zu produzieren und mit denselben Produkten hohe Renditen heraus zu holen. Beispiel: Schokolade Frey!!

  2. Warum ist es schlecht wenn die Wiesenmilch nun im Kanton Bern produziert wird, und der grösstmögliche Kunde sich direkt engagiert?

    1. Natürlich kann es den Milchbauern egal sein, woher und von wem das Geld kommt. Ich frage mich nur, ob es den Milchbauern auch egal ist, wenn die Migros irgendwann über die Mehrheit der Aktien verfügt und dann beginnt an der Preisschraube zu drehen. Es ist ein Irrtum, wenn man glaubt, dass Migros mit den Milchbauern ein Mitgefühl hat. Im Gegenteil, dafür hat die Migros schon genügend Beispiel statuiert, sich an Firmen beteiligt, dann übernommen und damit die Preise kaputt gemacht.

      1. Genau.Macht den Riesen nur noch grösser.Das Erwachen kommt dann mit viel gepolter.( Die Käserei in der Vehfreude-) schon mal was gehösrt davon .??

  3. Der Vorstand wird als weitsichtig ins Agrarlexikon eingehen: „sie haben versucht, die Wertschöpfungskette in die eigenen Hände zu nehmen“
    es sollte aber heissen: „sie haben den altern Bauern-Fehler gemacht. Bauern können gut produzieren, vergessen aber jeweils, dass man die guten Produkte auch noch mit gutem Marketting bzw. guter Marge vermarkten muss“
    Von dieser Unfähigkeit profitieren dien Grossverteiler.

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