Samstag, 25. September 2021
22.07.2021 06:01
Bern

«Zum Glück ist uns und dem Vieh nichts passiert»

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Von: mge

Auf der Alp Tröler oberhalb vom Huetgraben kam es zu einem grösseren Hangrutsch. Die Hütte ist nun unbewohnbar. Landwirt Daniel Aebersold informiert über die aktuelle Situation und erklärt, wie es weiter geht.

«Schweizer Bauer»: Wo befindet sich aktuell ihr Vieh?
Daniel Aebersold: Wir haben zwei Ställe. Der untere ist nun unbewohnbar, aber der obere Stall kann benutzt werden. Dort haben wir unsere 22 Milchkühe und Rinder. 11 Kälber konnten wir auf Nachbaralpen unterbringen. Insgesamt haben wir 50 Stück eigenes Vieh.

Können Sie weiterhin auf der Alp melken?
Ja, zum Glück melken wir immer auf der oberen Hütte. Jeden zweiten Tag bringen wir die Milch ins Tal zur Sammelstelle.

Wie ist die aktuelle Situation bei der unteren Hütte?
Der Riss geht bis an die Hütte heran, ist 300m breit, und der grösste Absatz ist 2,20m. Wenn das Material in den Huetgraben abrutscht, dann ist die Hütte auch gefährdet. Momentan passiert der Hütte nichts, aber sobald es gewittert, wird es prekär.

Wo wohnen Sie jetzt?
Die Tochter hat den Hangrutsch um 16.30 Uhr entdeckt. Sofort haben wir die Hütte zack, zack ausgeräumt. Ein Kollege hat uns beim Ausräumen geholfen. Die Treicheln und alle Wertgegenstände haben wir auf seinen Pick-up geladen und sind ins Tal gezogen. Nachher habe ich zu den Tieren geschaut. Anschliessend haben wir die ersten zwei Nächte im Tal geschlafen. Die obere Hütte, in der gerade unsere Kühe sind, liegt 250m von der andern entfernt. Dort haben wir auf der Bühne ein Zimmer eingerichtet. Unser Angestellter ist Schreiner und hat es gebaut. Jetzt kann man dort schlafen.

Sie können auf der Alp übernachten, haben aber keine Küche und kein Bad?
Aktuell sind wir auf dem Talbetrieb am Emden. Deshalb gehen wir sowieso täglich hinunter. Wir nehmen einfach mit hoch, was man gerade braucht. Am Mittag essen wir im Tal, und der Nachbar auf dem Berg hat uns angeboten, dass wir zu ihm zum Essen kommen können. Die Solidarität ist gross. Wir sind sehr dankbar dafür und sind überwältigt. Wir haben schon viele Anrufe von Leuten bekommen, die ihre Hilfe angeboten haben.

Gab es keine frühzeitigen Anzeichen für den Rutsch?
2013 gab es schon einmal einen Rutsch. Es wurde damals alles abgeklärt. Es war eher nasses Land, und oberhalb gibt es einen kleinen Wald. Dort ist der Felsen zum Vorschein gekommen. Wir haben die untere Hälfte des Rutsches wieder reparieren können. Die Elementarversicherung wollte auch nicht mehr zahlen, weil das Land nicht wertvoll sei. Nun hält sich dies alles still, da hat sich nichts bewegt, aber nun hat sich ringsherum alles gelöst. Die Weide ist eigentlich trocken und eine der besten. Südlich ausgerichtet.

Wie geht es jetzt weiter?
Nächsten Montag werden die Geologen wieder kommen. Die Anrissstellen werden wir mit der Feuerwehr Sigriswil abdecken. Wir werden das Möglichste tun, um den Hang zu retten, aber ob man überhaupt etwas retten kann, das ist die Frage. Eigentlich wäre ich jetzt mit dem Vieh als Nächstes auf diese Weide gegangen, aber die fehlt mir jetzt auch. Die Alpsaison hört sicher früher auf. Aber das ist nun so. Zum Glück ist uns und dem Vieh nichts passiert. Wäre das Ganze in der Nacht geschehen, hätten wir nichts gemerkt

Wurde Ihr Betrieb wegen Immission angegangen?
Ja, Anwohner haben sich beschwert
35%
101
Ja, Anwohner sind juristisch vorgegangen
5%
15
Nein, keine Probleme
60%
176

Seinen Anfang nahm das Unglück am Freitagnachmittag. Die Tochter der Familie Aebersold entdeckte, dass die Hühner das Weite gesucht hatten. Sie alarmierte die Eltern. Am Freitagabend war der Erdrutsch gemäss Aebersold bereits 80 Zentimeter tief gewesen. Am nächsten Morgen hatte sich die Erde bereits um 1,40 Meter gesenkt. Das Erdmaterial war bis zu 300 Metern tief gerutscht. Wie der Landwirt zur «Jungfrau Zeitung» sagte, sind rund 3 bis 4 Hektaren betroffen. blu

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8 Responses

    1. nein die groesten probleme sind all die besserwisser und aber von der realitaet keine ahnung haben das sind die wirklichen probleme

      1. Das stimmt aber das ist ein sehr langer weg DIE Bauern bekommen vom Bund Geld dann befiehlt auch der Bund. Wenn Sie kein fremdes Geld hätten wäre das viel einfacher da bin ich überzeugt.
        Bei Fragen 079 620 54 01

    2. Hangrutsche gab es immer und hat nichts mit dem Klimawandel zu tun. Aber der wolf ging vor 100 jahren nicht und geht heute nur in den wohlstandskranken köpfe , nicht aber für die Betroffenen weidetieren . Oder möchten sie von einem Attentäter ermordet werden , so krass muss man den Vergleich aufzeigen. Der mensch kan sich vor dem Attentäter nicht schützen und so wenig können sich Nutztiere vor dem Raubtier schützen. Also wie vor hundert jahren auch !

  1. immr am klima wandel schuld geh isch ja äifach, machäd all diä wo kääääi ahnig händ vom wättr. äs hätt scho vor 100 jahr extremi summr geh sehr heissi jahr und jahr wos so viel schnee ka hät das im summr nöd wäg gangä isch und ganzni tälär usgstorbä sind, dr gletscher isch scho äs paar mal gschmulzä und widr entstandä i milionä vo jahr was händ ihr z gfühl was ihr wüssäd, nüt!!!

  2. DIE Bauern brauchen fremdes Geld, weil sie von DEN Konsumenten zu wenig für die arbeitsintensive Produktion erhalten. Übrigens seit fast 30 Jahren immer gleich viel – nicht wie in den Medien immer behauptet mit Zusatzkrediten. Wir würden gerne auf die Subventionen verzichten, um mehr selber zu bestimmen. Bei Fragen gerne 079 835 46 45

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