Samstag, 27. Februar 2021
01.02.2021 06:01
Trub

Wegen Corona: Kundschaft stapft vorbei

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Von: Moritz Marthaler


Auf der Alp Oberaltösch im Emmental liegt soviel Schnee wie schon lange nicht mehr – ausgerechnet jetzt aber darf Bäuerin Irène Leuenberger keine Schneeschuhläufer bewirten.

Die Fahrt von der Stadt zurück aufs Land kann für Irène Leuenberger manchmal nicht lang genug sein. «Den Kopf lüften», dazu nutzt sie die gut 50 Autominuten von Bern nach Trub ins Oberemmental in der Regel. Und nachzudenken gibt es für Leuenberger gerade einiges. Im noblen Berner Vorort Muri geht die Landwirtin putzen, auch, weil die Einnahmen auf dem Betrieb, den sie mit ihrem Mann auf der Alp Oberaltösch unterhält, gerade nicht so stimmen.

Mutterkühe mit Kälbern

Die Emmentaler Voralpen um den Napf sind das Zuhause von Irène Leuenberger und ihrem Mann Urs. Seit 1998 wohnen sie auf dem über 300 Jahre alten Hof, von der Milchwirtschaft sind sie bald einmal abgekommen, seit zehn Jahren halten sie Mutterkühe mit Kälbern, derzeit sind es 15.

Und seit 2002 bewirtet Irène Leuenberger auch Gäste, sie eröffnete ein Restaurant, liess zwei Gästezimmer und gar eine Ferienwohnung anbauen, zimmerte vor dem Haus zwei Hot Pots. Um das Angebot ideal abzustimmen, besuchte sie extra einen Naturwellness-Kurs. «Im Sommer läuft das Geschäft ganz gut», sagt sie.

Hot Pots mit Bergsicht

Spaziergänger aus dem Emmental kreuzen in Oberaltösch die Wanderer aus dem Napfgebiet. Die ganz Müden übernachten auch mal, viele kommen extra wegen der exklusiven Hot Pots mit Bergsicht. Diese befeuert Leuenberger mit eigenem Holz aus dem 8 Hektaren grossen Wald, der zu den 16 Hektaren Land gehört.

Das meiste davon in Bergzone 2, es ist auf der Hochebene einigermassen flach, dahinter aber «stotzig» abfallend. Für Kulturen ist es auf fast 1200 Metern über Meer zu hoch, die Leuenbergers bauen für ihren Mutterkuh-Betrieb ohnehin nur Weidegras an.

Das Gasthaus mit den Zimmern und den Hotpots bleibt derzeit geschlossen.
zvg

Tische bleiben leer

Und jetzt ist Winter, auf den Feldern liegt zentimeterhoch Schnee. «Es hat so viel wie schon lange nicht mehr», sagt Leuenberger. Die Zufahrtsstrasse ist nur schwer zu bewältigen, die Wanderwege ebenso. Wer kommt, sind einzig die Schneeschuhläufer. Der Hof liegt am Altösch-Trail, ein beliebter Rundkurs. Im letzten Winter war der Trail überhaupt nie geöffnet, im Jahr zuvor insgesamt während einer Woche.

Jetzt sind es schon fast vier Wochen, seit die Schneeschuhläufer zu Dutzenden am Hof vorbeistapfen – aber nicht mehr dort Rast machen. Bis anhin durfte sie an zwei Tischen noch vier Gäste bewirten, auch damit ist jetzt Schluss. «Wegen der Corona-Auflagen dürfen wir die Leute nicht mal mehr im Vorraum ihre Takeaway-Speisen essen lassen», klagt Leuenberger. Der extra aufgestellte Kaffee-Automat bleibt ungenutzt.

Putzen in der Stadt

In einem guten Winter schmelzen an den vielen Gruppen-Essen, die auf der Alp gebucht werden, bis zu 100 Kilogramm Fonduekäse. Der Alpenclub kommt, Ausflugsgruppen von der Pro Senectute, Firmen aus der ganzen Region. Leuenberger bietet All-Inclusive an: Wanderung, Essen, Übernachtung mit Frühstück. Wenn viel Betrieb ist, helfen die Kinder aus, die nicht mehr auf dem Hof wohnen, oder auch mal Bekannte und sonstige Verwandte.

In diesem Jahr braucht Leuenberger kaum Hilfe. Bei besten Bedingungen hat sie nicht annähernd so viel Gäste, wie in den letzten Jahren. Die Flexibilität, welche die sich ständig ändernden Corona-Massnahmen von den Wirten verlangt, sei manchmal auch ermüdend. Aber Immerhin: Wegen Corona sind die Leute aus der Stadt offenbar mehr zu Hause – und lassen ihre Wohnungen häufiger putzen. Irène Leuenberger fährt hin, putzt – und lüftet danach auf der Heimfahrt den Kopf.

3 Responses

  1. Ich bin von 1991 bis Frühjahr 1998 Pächter in Generationenfolge vom Heimwesen Ober-Altoesch geswesen.
    Ich habe mich auch beim Kauf mitbeworben wohlwissend dass der schlussendlich bezahlte Preis nicht nur von mir zu hoch eingeschätzt wurde. Leuenbergers traten damals sehr Arrogant auf als ich sie Informierte, was sie erwartet es ist nicht nur das Virus wo seinen Tribut fordert. Von mir aus ist das Eigenüberschätzung von Anfang an. Hans Rieder Geisschwändi 3552 Bärau 02.02.2021 danke

  2. ja Hans Rieder i verstah di Fruscht isch ja o ersch gueti 25 Jahr här…muesch eifach chli uf d Wortwau achte bim schriebe.Irene Leuenberger ober Altösch 3556 Trub 3.2.2021 Danke

    1. Irene Leuenberger es ist kein Frust mehr von mir, ja ich war damals vor 23 Jahren (1998) frustriert und meine Wortwahl entspricht den Tatsachen, habe es ja mit euch erlebt ich kann dazu stehen. Ja es ist hart auf Oberaltösch egal welche Bewirtschaftung es zehrt, jetzt bin ich ehrlich froh nicht mehr dort zu sein. Ich habe hier kommentiert, ja weil ihr mich ausgelacht habt damals, ich lache jetzt bei euch NICHT auch KEINE Schadenfreude. Hans Rieder 3.02.2021 dankbar wie es bei mir ist ………..

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