Montag, 28. November 2022
17.09.2022 15:16
Wildtiere

Fünf Wisente im Solothurner Jura angekommen

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Von: sda/blu

Das Wildtierprojekt Wisent im Solothurner Jura ist angelaufen. Die ersten fünf Wisente leben seit dieser Woche in einem eingezäunten Gelände. Das Projekt will klären, ob die Wiedereinbürgerung des gefährdeten grössten Wildtiers von Europa möglich ist.

Bei den dunkelbraunen Tieren handelt es sich um einen dreijährigen Stier, um drei Kühe in einem Alter zwischen drei und fünf Jahren sowie um ein in diesem Jahr geborenes Kalb, wie der Verein Wisent Thal am Samstag mitteilte. Die Tiere seien am Donnerstag vom Wildnispark Zürich Langenberg auf die Sollmat in Welschenrohr SO transportiert worden.

Die Tiere hätten nach der Ankunft die Wiese und auch Blätter der Büsche am Waldrand genutzt, berichtete Projektleiter Otto Holzgang. Die fünf Tiere lebten zunächst in einem drei Hektar grossen Eingewöhnungsgehege mit Wald und Wiesland. Dieses Gehege darf gemäss Verein nicht betreten werden.

Das Gehege wird immer grösser

Nach mehrwöchigem Aufenthalt im Eingewöhnungsgehege sollen die Wisente in den kommenden zwei Jahren ein 50 Hektar grosses Gehege nutzen können. Ab dem dritten Jahr soll das Gehege auf 100 Hektar vergrössert werden. werden.

Der Verein will mit der Wisent-Testherde in einem Zeitraum von fünf Jahren herausfinden, ob der im Mittelalter ausgerottete Wisent heute als Wildtier im Jura tragbar ist. Das Projekt ist auf eine Zeitdauer von zehn Jahren angedacht.

Die kleine Herde im Eingewöhnungsgehege.
Roger Stöckli

Wisente sind grosse europäische Wildrinder. Die Bullen sind laut Angaben des Vereins zwischen 500 Kilogramm und einer Tonne schwer. Die Kühe bringen 300 bis 500 Kilogramm auf die Wage. Wisente sind dem Bison eng verwandt.

Das Testgelände gehört der Bürgergemeinde Solothurn und einem Landwirt. Die eingezäunte Fläche wird während der Projektzeit weiterhin land- und forstwirtschaftlich sowie jagdlich genutzt.

Bundesgericht gibt grünes Licht

Das Naturprojekt hat immer wieder Diskussionen ausgelöst. Das Bundesgericht wies im vergangenen Februar die Beschwerde einer Privatperson gegen das Gehege ausserhalb der Bauzone ab. Dieses habe keine grossen Auswirkungen auf Raum und Umwelt, hielt das Bundesgericht fest.

Die Behörden des Kantons Solothurn hätten die Bewilligung korrekt erteilt. Die Haltung einer halbwild lebenden Wisentherde setzt gemäss Bundesgericht eine grosse, möglichst natürliche Wald- und Weidefläche voraus und ist daher auf einen Standort ausserhalb der Bauzone angewiesen. Auch hätten kantonale Fachinstanzen und das Bundesamt für Umwelt (Bafu) das Vorhaben als positiv eingeschätzt.

10 bis 25 Tiere

Der Verein «Wisent Thal» wurde 2017 gegründet, um das grösste noch existierende Wildtier Europas in der Schweiz wieder anzusiedeln. Gemäss eigenen Angaben soll «mit einer gut überwachten und betreuten freilebenden Wisent-Testherde aus 10 bis 25 Tieren während 5 Jahren überprüft werden, ob Wisente als Wildtiere im Jura leben können». Wie es auf der Website des Projekt Wisent Thal heisst, soll sich die Testherde rund zwei Jahre lang im Gelände des späteren Schaugeheges aufhalten und an die Juralandschaft gewöhnen. Das Gehege umfasst eine Gesamtfläche von 51 ha. Davon sind 10 ha Wiesen und Weiden und der Rest besteht aus Wäldern mit unterschiedlicher Struktur.

Anschliessend wird sie sich für 3 Jahre in einem angrenzenden rund 100 ha grossen Gebiet aufhalten können, das elektrisch eingezäunt ist. Ziel des Projektes ist es, ob der im Mittelalter ausgerottete Wisent heute als Wildtier im Jura tragbar ist. Das Testgelände gehört der Bürgergemeinde Solothurn und dem Landwirt Benjamin Brunner. Es wird während der Projektzeit weiterhin land- und forstwirtschaftlich genutzt.

2,8 Millionen Franken

In der Phase III werden die Zäune abgebaut, mit Ausnahme des östlichen Teils des Geheges aus Phase I, das nun als Schaugehege für eine zweite, kleinere Wisentherde dient. Die Test-Wisentherde kann sich nun während 5 Jahren innerhalb des Waldes grossräumig im Gebiet frei bewegen. «In der Phase III zeigt sich nun, ob freilaufende Wisente tatsächlich keine grösseren Schäden im Landwirtschaftsgebiet stiften, wie dies der Verein Wisent Thal annimmt, bzw. ob allfällige Schäden mit einfachen Präventionsmassnahmen verhindert werden können», heisst es in der Projektbeschreibung.

Die Gesamtkosten für 10 Jahre betragen rund 2.8 Millionen Franken, von denen rund eine Million durch den Betrieb des Schaugeheges und durch geführte Exkursionen zur Wisent-Testherde erwirtschaftet werden kann.

Ziele:

  • Mit einer freilebenden Wisent-Testherde überprüfen, ob Wisente als Wildtiere im Jura leben können und ob sie in dieser Kulturlandschaft tragbar sind.
  • Die Bevölkerung der Region mit der weitgehend unbekannten Tierart Wisent vertraut machen.
  • Falls sich die Wisente gut in die Kulturlandschaft eingliedern lassen, bildet das Projekt den Start für die Wiedereinbürgerung des Wisents im Jura, einen bedeutenden Schritt zur Erhaltung dieser bedrohten Tierart.

Bauern befürchten Schäden

Eine Beschwerde kam gemäss SRF von den Bauern. Landwirte, die direkt neben dem Gehege Land haben, befürchten bei einer zukünftigen Auswilderung ohne Zaun, dass die Wisente dann ihr Land zerstören würden. Zudem monieren sie, dass man wegen des Zauns nicht mehr in die Waldregion komme.

Zudem sei eine Forderung der Bauern unerfüllt geblieben, berichtete die «Solothurner Zeitung» im März 2020. Wie Edgar Kupper, der die Landwirte als Wortführer der Gegnerschaft unterstützte, gegenüber der Zeitung sagte, wurde eine vom Kanton gestellte Begleitgruppe, die das Projekt unter Einbezug der Bauern und weiteren Betroffenen begleiten sollte, nicht geschaffen. «Im besten Fall wollen wir, dass die Bewilligung für das unnötige Projekt nicht gegeben wird. Wenn es aber durchgestiert wird, müssen alle Fragen geklärt und bereinigt sein», sagte Kupper damals.

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