Donnerstag, 4. März 2021
19.01.2021 16:18
Freiburg

Geld für Neubauten: Fenaco erhebt Einsprache

Share on print
Share on email
Share on facebook
Share on twitter
Von: blu

Im Kanton Freiburg ist mit «Biogemüse Seeland» ein Projekt zur regionalen Entwicklung (PRE) vorgesehen. Unter anderem werden auch Neubauten finanziell unterstützt. Gegen diese Teilprojekte hat die Fenaco Einsprache eingelegt. Der Konzern befürchtet Wettbewerbsnachteile.

Die Gemüseproduzenten und Murten Tourismus tun sich für ein regionales Entwicklungsprojekt zusammen. Das Ziel: die Produktion koordinieren sowie neue Verkaufsplattformen und Angebote schaffen. So möchte Murten Tourismus ein touristisches Angebot zum Biogemüse entwickeln.

Ebenfalls soll ein Kompetenzzentrum für den biologischen Gemüseanbau entstehen. Dieses soll den Produzenten in der Region Beratungs-, Ausbildungs- und Forschungsleistungen anbieten. Das Entwicklungsprojekt soll in diesem Jahr starten.

16,9 Millionen A-fonds-perdu-Beiträge

Ende Oktober 2020 informierte der Kanton Freiburg darüber, dass er sich am Projekt «Biogemüse Seeland» beteiligen möchte. «Der Gemüsemarkt in der Schweiz wächst stetig, jener des Bio-Gemüses sogar besonders schnell», teilte der Staatsrat mit. Das Seeland nehme beim Gemüse im Schweizer Markt einen Anteil von 22 Prozent ein. Der Freiburger Staatsrat legte dem Kantonsparlament einen Verpflichtungskredit in Höhe von rund 7,5 Millionen Franken zur Abstimmung vor. Das Parlament stimmte dem Antrag zu. Das Anliegen kam im Grossen Rat bei allen Fraktionen gut an. 

Das Projekt soll von Bund und Kanton im Rahmen eines Projekts zur regionalen Entwicklung (PRE) unterstützt werden. Für das PRE-Projekt sind öffentliche A-fonds-perdu-Beiträge im Umfang von 16,9 Mio. Franken vorgesehen. 9,4 Mio. Franken steuert der Bund über das Bundesamt für Landwirtschaft bei. 7,5 Mio. Franken soll der Kanton Freiburg besteuern.

Neubauten bei Terraviva und Seeland Bio

Ein Bestandteil des Projekts ist der Ausbau von Infrastrukturen. Die Gebäude der Produzentenorganisationen Terraviva AG in Kerzers FR und Seeland Bio in Büchslen FR haben laut Staatsrat ihre Kapazitätsgrenze erreicht. Das Projekt beinhaltet eine Finanzierung von Neubauten. Die Auswirkungen dieser Investitionen würden allen Produzenten einen Nutzen bringen, teilte der Staatsrat mit.

Das stösst der Fenaco sauer auf. Zwar unterstützt diese gemäss Mitteilung im Grundsatz das Ziel des PRE-Projekts «Bio Gemüse Seeland». «Staatliche Subventionen für nachgelagerte Bereiche in einem derart massiven Umfang lehnen wir ab. Sie sind unnötig, belasten das Landwirtschaftsbudget des Bundes und verzerren den Wettbewerb», teilt der Agrarkonzern mit. Die Fenaco hat Einsprache gegen zwei Teilprojekte erhoben.

Marktanteil von über 90 Prozent

Die A-fonds-Beiträge in die Infrastrukturen will die Fenaco überprüft haben. Denn laut dem Konzern fliessen drei Viertel der Gelder in das Produktionsgebäude der Terraviva AG (11,1 Mio. Fr.) und jenes von Seeland Bio (1,7 Mio. Fr.). Dadurch entstehe eine Wettbewerbsverzerrung, kritisiert die Fenaco. Denn die beiden Unternehmen haben gemäss dem Konzern einen Marktanteil von über 90 Prozent am Biomarkt Seeland. Gemäss dem Freiburger Staatsrat vermarkten die beiden Unternehmen 95 Prozent des im Seeland produzierten Bio-Gemüses.

«Von den zwei Teilprojekten profitieren in erster Linie zwei führende privatwirtschaftlich organisierte Unternehmen der nachgelagerten Stufe und nicht die produzierenden Landwirtinnen und Landwirte», kritisiert die Fenaco. Damit ein PRE-Projekt bewilligt werden kann, dürfen gemäss Strukturverbesserungsverordnung (Art. 13 Abs. 1) Investitionshilfen nur gewährt werden, wenn im wirtschaftlich relevanten Einzugsgebiet keine direkt betroffenen Gewerbebetriebe im Zeitpunkt der Publikation des Gesuches bereit und in der Lage sind, die vorgesehene Aufgabe gleichwertig zu erfüllen oder eine gleichwertige Dienstleistung zu erbringen.

Wettbewerbsvorteile

Für die Fenaco wird dieser Grundsatz verletzt und sieht sich benachteiligt. «Durch die staatliche Subventionierung ihrer Neubauten entstehen der Terraviva AG und Seeland Bio massgebliche Wettbewerbsvorteile», hält die Fenaco fest. Der genossenschaftlich organisierte Agrarkonzern betreibt im bernischen Ins, nur wenige Kilometer von Kerzers und Büchslen entfernt, eine Obst- und Gemüsezentrale. Diese sei ausschliesslich mit privaten Mitteln finanziert worden. Zudem hat die Fenaco in den vergangenen Jahren in den Standort investiert.

«Mit dem Grenzschutz verfügt die Schweizer Gemüsebranche über ein funktionierendes Mittel, um die kostendeckende Produktion im Inland zu ermöglichen», schreibt die Fenaco weiter. Davon würden alle Akteure profitieren. «Die zusätzliche Subventionierung von einzelnen Akteuren in der nachgelagerten Stufe halten wir hingegen für unnötig und falsch», heisst es in der Mitteilung.

«Geld ist für Landwirte vorgesehen»

Diese Gelder in den Landwirtschaftsbudgets des Bundes und der Kantone seien in erster Linie für die Landwirtinnen und Landwirte bestimmt. Bei den Neubauten sei dies nicht so. Daher erhebt die Fenaco Einsprache gegen das PRE-Projekt. Ziel des Unternehmens ist es, eine rechtliche Klärung der Situation im Hinblick auf zukünftige PRE-Projekte zu erreichen.

Projekte zur regionalen Entwicklung (PRE) wurden im Rahmen der Agrarpolitik 2007 eingeführt. Sie verfolgen das Ziel, die landwirtschaftliche Wertschöpfung zu fördern und die branchenübergreifende Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und landwirtschaftsnahen Sektoren zu stärken. Die Projekte müssen Interaktionen mit anderen Wirtschaftsbereichen schaffen oder fördern, mehrere der Ebenen betreffen, die ein landwirtschaftliches Produkt durchläuft (Produktion, Verarbeitung, Vermarktung), mit einer Region identifizierbar sein, aus mehreren Unterprojekten bestehen und von mehreren wirtschaftlich und rechtlich voneinander unabhängigen Akteuren getragen werden.

27 Responses

  1. Man wische zuerst vor der eigenen Haustüre!
    In anderen Bereichen schottet die übermächtige fenaco ihre Märkte mit fragwürdigen Methoden ab.

  2. Unglaublich, fenaco, der Bauernkonzern, fällt den BioBauern in den Rücken.

    Der Verein PRE BioGemüse Seeland, den ich präsidiere, wurde nicht kontaktiert. Medienmitteilung haben wir publiziert.

    1. Die Fenaco ist ein Spielverderber!
      Sie sollten doch zulassen, dass Fritz Burkhalter und die Seeland-Biobauern/Händler auf marktverzerrende Weise, Millionen von Steuergeldern abzügeln.
      Wer sich für den freien Markt ohne sinnlose Subventionen einsetzt, torpediert die Ideen der staatsgläubigen und – abhängigen Bauern.
      Pfui fenaco und ein Lob dem steuersaugenden Fritz!

      1. Ist der „alter Bauer“ nicht einer an der Kantonsgrenze im Seeland? Immer mehr sieht es so aus als das es gar nicht die Fenaco ist die da Einsprache gemacht hat, sondern gut bekannte „Freunde“! Diese Rechnung wird nicht aufgehen und die Wände hatten bereits schon Ohren! Es wäre schlau abzubrechen solange dies noch ohne Zahnverlust geht, denn man sieht sich immer 2x, manchmal auch 3x im Leben! Den geplante Fenaco- Neubauten werden es in Zukunft dann vermutlich auch schwierig haben!

  3. Die Agrar-Krake schlägt wieder zu!
    „de la terre à la table“ oder zu deutsch: vom Buurli in den Geldseckel der Geschäftsleitung der Fenaco.
    Da bekommt der Fenaco Leitgedanken: „Hilfe zur Selbsthilfe“ doch eher eine ironische Bedeutung.
    https://www.schweizamwochenende.ch/nachrichten/fuerstliche-loehne-bei-fenaco-131061365

    Und wer sich erdreistet selber etwas auf die Beine zu stellen, der bekommts eben mit der Rechtsabteilung an der Erlachstrasse zu tun.

  4. Futterneid beim Grosskonzern im Bauerngewand.
    Das PRE an sich wettberwerbsverrend wirken, ist ungemein klar. Aber dass der Markteintritt derart erschwert ist, gleicht einem Monopolisten, dessen Macht für eine gesunde landwirtschaft wieder einmal zerstückelt werden sollte.

  5. Bio Gemüse ist eine der letzten Sparten, in der diefenaco noch keine Monopolstellung hat. Klar erhebt der Riese hier Einspruch. Man möchte selber mitmischen, nach dem man in der Gemüse- Zentral, in Ins jahrelang alles verschlafen hat.

  6. In der Landwirtschaft stellt man sich wieder mal selbst das Bein, schade. Leider haben konventionell produzierende Betriebe im Moment nicht grosse Möglichkeiten um alternative Vermarktungslösungen zu wählen. Auch im liberalisierten Gemüsemarkt sind nur noch einige grosse Handelspartner, die den Markt dominieren und bestimmen. Immerhin soll bei Terraviva und SeelandBio die größtmögliche Wertschöpfung beim Produzenten bleiben. Bravo für euren Mut! Auf unsere einheimische Nahrungsmittelproduktion??

  7. Als Konsumentin von Schweizer Bioprodukten bin ich besorgt über die Haltung von Fenaco. Will doch diese Firma ihre Monopolstellung weiter ausbauen und innovative einheimische Biobauerunternehmern behindern? Ein trauriges Kapitel David gegen Goliath.

  8. Wie lange halten die Bauern diesem Konzerngeschwür noch die Stange. Hinter den Kulissen seit ihr Bauern diesen Leuten nämlich keinen Pfifferling Wert.

  9. Es ist mehr als zynisch und verlogen, dass eine fenaco, die ihrerseits im Tierfutter- und Saatgutbereich klar monopolistische Züge aufweist, sich als Hüterin des Wettbewerbs darstellt. Keinem noch so grossen Konzern steht diese Rolle zu, dafür kennen und schätzen wir in der Schweiz die WEKO.

  10. Ebenfalls facepalm-würdig ist die Aussage, dass Investitionen in Innovatio und Nachhaltigkeit nicht mit Steuergeldern unterstützt werden sollen, da wir als Konsumenten und Steuerzahler (in Gegensatz zur fenaco), wirklich an Nachhaltigen Produktentwicklungen interessiert sind. Die Investitionspolitik der fenaco bringt ja nichts dergleichen zu Stande.

    Und drittens handelt es sich bei mindestens einem der beiden genannten Betriebe um einen produzierenden Betrieb.

    Schade Landi & Co…

  11. „Das Unternehmen der Schweizer Bauern“ .. aber wehe die Schweizer Bauern werden innovativ und schliessen sich zusammen. Wirklich beschämend liebe Fenaco. Wie wäre es endlich eine Agrarpolitik zu betreiben die zeitgemäss, skalierbar und nachhaltig ist? Machtpositionen zu bewahren wird die Landwirtschaft nie weiter bringen… schade. Lasst euch nicht entmutigen „Biogemüse Seeland“!

  12. Ich als Konsumentin bin einmal mehr in der Zwickmühle – kaufe ich weiterhin Fenaco Produkte, denn ich möchte die Schweizer Bauern unterstützen – aber dieser unsympatische Konzern auf keinen Fall oder lasse ich es sein…. Ich wünsche mir mehr mutige Schweizer Bauern wie ihr. Weiter so.

    1. Ist es mutig, wenn man neue Infrastrukturen auf Kosten der Steuerzahler aufbaut?
      Mutig ist, wer als Unternehmer das Risiko ohne Staatkrücke auf sich nimmt.

      1. Ich bin auch derselben Meinung wenn Bio-Gemüse soviel Mehrwert hat sollen es die Konsumenten auch bezahlen das soll nicht noch vom Steuergeld verbilligt werden.

  13. Fenaco: Jeder Landwirt hält es selber in der Hand, ob er einen solchen Agrarkonzern unterstützen will… ich machs auf jeden Fall nicht mehr.

  14. Man glaubt es kaum was dieser Konzern der aus dem Bauern gewachsen ist erlaubt. Unfähiges Management schlägt mit falschen mitteln um sich

  15. Hab mal gelesen, Putin schlage drein, wenn Leute auf dem Land versuchen, selber eine Feuerwehr auf die Beine zu stellen. Er will alles direkt unter seiner Kontrolle haben. Fenaco auch.

  16. Wenn zwei das selbe tun, ist es nicht das gleiche. Könnte es eine trotz Reaktion der fenaco sein? Die fenaco ist mit Ihrer Arroganz vor einigen Jahren kläglich gescheitert. Wollte Sie doch mit der GES zusammen ein grosses PRE-Projekt im grossen Moos realisieren. Zur Erinnerung, Almeria mit Verarbeitungshalle sollte entstehen.

  17. Finde es nicht recht, dass sich der Kanton finanziell an landwirtschaftlichen Unternehmungen beteiligt. Die Sicht der Fenaco kann gut nachvollzogen werden. Die staatliche Wirtschaftsförderung sollte zurückgebunden werden. Sie produziert Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten.

    1. PRE sind ein agrarpolitisches Instrument und stehen allen betroffenen gleichermassen offen. fenaco darf sich gerne in die Agrarpolitik einbringen – aber hier sollte nicht auf dem Rücken Einzelner, die selber hohe Beträge in die Erarbeitung des PRE investiert haben und im Rahmen des PRE aus dem eigenen Sack nochmal rund 45 Mio. investieren wollen, Agrarpolitik betrieben werden, das ist doch die falsche Bühne

  18. Werner der Weise, sagt

    Wie viele Bio – Verarbeiter, Verpacker + Verteiler wurden schon an die Wand gefahren?
    Weil sogenannte Strategen sich haben übergeben?
    Wodurch Bio-Bauern X tausend Franken durften ans Bein streichen!
    Wie ist es möglich immer wieder neues aus dem Boden zu stampfen?
    Weil Luftschlösser rasch tun verdampfen?
    Will man da das Rad nochmals erfinden!

  19. Die Fenaco übernimmt alles – wenn nicht über anständige Geschäfte, dann mit Chinageld!
    Auch die Politik lässt sich nun gerne dafür ausbezahlen!
    Bald müssen die Bauern und Moitglieder der Fenaco sammeln gehen, damit sie nach den Direktzahlungen und Kartoffelabrechnungen noch die AHV einzahlen können!
    Wir brauchen Bäuerinnen und Bauern die sich für die Zukunft einsetzten und nicht Politiker und Grosskonzerne die am Ende des Tages den Bauern sagen was Sie zu verdienen.
    Die Fenaco als Bauers Freund wird zum Alptraum und man schaufelt sich schlussendlich das Grab selber.
    Bravo!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

SCHWEIZER BAUER

DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE